Anwohner in Kochendorf wehren sich gegen Bauvorhaben

Bad Friedrichshall  In der Neuenstadter Straße in Kochendorf ist der Bau eines Mehrfamilienhauses geplant. Einige Anwohner wollen das Vorhaben verhindern und verfassen einen offenen Brief mit ihren Bedenken. Bürgermeister Timo Frey verspricht indes eine genaue Prüfung.

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Viel Kritik zu Bebauungsplan "Neuenstadter Straße 12/14" wird laut.

Foto: Katharina Müller

Die geplante Bebauung der Firma Neufeld in der Neuenstadter Straße 12/14 in Kochendorf ist bei Anwohnern höchst umstritten. Zahlreiche Einwendungen gingen zum Bebauungsplanentwurf bei der Stadt Bad Friedrichshall ein. Entstehen soll ein Mehrfamilienhaus mit 44 Wohneinheiten.

Der Offene Brief ging bei Stadträten und Bürgermeister ein

Nun verfassten drei der Betroffenen einen Offenen Brief, in dem sie fordern, die Bebauung komplett neu zu planen. "Es ist zu viel, was bei diesem Bauvorhaben aus dem Ruder läuft", schreiben die Unterzeichner Hans Retter, Reinhold Dupper und Rolf Maier. Der Offene Brief ging bei Stadträten und Bürgermeister Timo Frey ein.

Der Rathauschef betont auf Nachfrage unserer Zeitung, dass er den Brief und auch die Einwendungen, die zum Bebauungsplan eingegangen sind, sehr ernst nehme. Hinweise etwa auf Unstimmigkeiten im Verkehrsgutachten oder was die Abgrabung des Hangs am Lindenberg angehe, werden noch einmal gründlich geprüft, verspricht er.

Sicht wird gestört

Auch bei einer Fotomontage, die dem Offenen Brief beigefügt ist, lasse Timo Frey prüfen, ob die Ansicht maßstabsgetreu ist. Hans Retter und seine Mitstreiter wollen damit zeigen, dass die Sicht auf Alt-Kochendorf von der Kocherbrücke aus durch den geplanten Baukörper extrem gestört werde, heißt es im Schreiben. Es stimme eben nicht, wie im Bebauungsplan beschrieben, dass direkte Sichtbeziehungen zu bedeutsamen Bauwerken des Stadtteils nicht beeinträchtigt würden.

Viele Argumente und Bedenken wurden auch schon bei einem Gesprächstermin Ende Januar im Rathaus vorgebracht, berichtet Frey. Hier seien die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats dabei gewesen, damit sie alles aus erster Hand hörten, sagt der Bürgermeister.

Den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan "Neuenstadter Straße 12/14", der eigentlich im März gefasst werden sollte, wurde nun verschoben. Die zahlreichen Einwendungen - die Verfasser des Offene Briefs berufen sich auf rund 60 Bürger - haben laut Frey dazu geführt, dass auch die Fraktionen noch einmal mehr Zeit für Beratungen bräuchten.

Gemeinderat entscheiden ergebnisoffen

Von der Stadtverwaltung werde jede einzelne Stellungnahme gewissenhaft geprüft, und das Planungsbüro IFK erarbeite daraus sogenannte Abwägungsvorschläge, die dem Gemeinderat präsentiert werden, erläutert Timo Frey weiter. Auf dieser Grundlage entscheide das Gremium ergebnisoffen.

Er hebe das besonders hervor, weil im Offenen Brief die Befürchtung geäußert werde, dass die Anwohner übergangen würden und lediglich das wirtschaftliche Interesse des Bauträgers eine Rolle spiele. "Das weisen wir entschieden zurück", sagt der Bürgermeister. Die Firma Neufeld gebe nicht die Rahmenbedingungen vor. Auch gebe es keine Zusagen oder Zeitdruck, das Bebauungsplanverfahren zu beschleunigen.

Einer der entscheidenden Punkte wird sein, ob der Gemeinderat eine Überschreitung der zulässigen Grundflächenzahl, die die überbaubare Fläche definiert, zulässt oder nicht, sagt Frey. Bisher ist das im Planentwurf vorgesehen. Nur so wäre eine Bebauung in der geplanten Größenordnung möglich.

Wohnraum werde dringend gebraucht 

Frey sagt, er könne die Kritik nachvollziehen, weist aber auch darauf hin, dass der Gemeinderat sich das Thema Nachverdichtung auf die Fahnen geschrieben habe und Wohnraum in Bad Friedrichshall dringend gebraucht wird. Sicherlich soll sie verträglich stattfinden. Was das heißt, sei aber zum Teil Ansichtssache, betont Frey. Der Bürgermeister legt, wie er sagt, aber großen Wert darauf, die Angelegenheit im Einvernehmen mit den Anliegern zu einem guten Ende zu bringen. Auch die Kritiker sehen die Notwendigkeit, Wohnraum in der Stadt zu schaffen, ist im Offenen Brief zu lesen. Dennoch dürfe man dabei nicht "alle Entwicklungen der letzten Jahrzehnte über den Haufen werfen" und eine "nachhaltige Verschlechterungen" herbeiführen.


Im Offenen Brief zum Vorhaben in der Neuenstadter Straße 12/14 in Kochendorf sind die Gründe für den Protest und Forderungen der Kritiker wie folgt zusammengefasst:

  • Der Gebäudekomplex sei weit überdimensioniert. Die Anzahl der Wohnungen müsse drastisch reduziert werden.
  • Die Gesamthöhe des Gebäudes soll dem Hang und der Umgebungsbebauung angepasst werden. Sie dürfe maximal zu einer zwei- bis dreigeschossigen Bebauung führen. Die Pläne zeigten entgegen anderer Beschreibungen jedoch sieben Stockwerke.
  • Die Abgrabung des Lindenbergs müsse verträglich zur Bergformation und zur Umgebung geplant werden. Die Sicherung des Hanges und der Erhalt der angrenzenden Grundstücke müsse Vorrang haben.
  • Zur Entschärfung der Verkehrsproblematik seien ein größerer Randabstand mit Haltemöglichkeiten parallel zur Straße und ein ausreichend breiter Gehweg vorzusehen.
  • Die Versiegelung dürfe maximal 50 Prozent der Fläche betragen.
  • Die Dachformen seien der Umgebungsbebauung anzupassen, wo hauptsächlich Sattel- und Pultdächer zu finden seien. Derzeit sind Flachdächer beim Neubau geplant.
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Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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