Zoll-Affäre der Sport-Union endet mit sechsstelligen Nachzahlungen

Neckarsulm  Das Verfahren wegen Sozialversicherungsbetrugs gegen den Neckarsulmer Vereinsboss Rolf Härdtner ist gegen Zahlung eines sechsstelligen Betrages eingestellt. Damit ist die sogenannte Zoll-Affäre für das sportliche Aushängeschild der Region ausgestanden.

Von Florian Huber
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Der Vollmond überm Neckarsulmer Pichterich an Gründonnerstag.

Foto: Andreas Veigel

Fast eineinhalb Jahre sind die Durchsuchungen bei den Fußballern und Funktionären der Neckarsulmer Sport-Union nun her. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn ermittelte wegen Sozialversicherungsbetrugs. Gegen den Vereinsvorstand Rolf Härdtner lief ein Verfahren, das nun gegen die Zahlung einer Geldauflage von 100.000 Euro eingestellt wurde.

"Ich bin froh, dass wir endlich Klarheit haben, und der Fall erledigt ist", sagt Rolf Härdtner. Die Zeit der Ungewissheit hatte ihn seither manch schlaflose Nacht gekostet.

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Die 100.000 Euro gehen an gemeinnützige Einrichtungen. Eine weitere Auflage der Verfahrenseinstellung sieht so aus: Rolf Härdtner hat 200.000 Euro auf ein Vereinskonto eingezahlt, von dem aus die Ansprüche von Berufsgenossenschaft, Rentenversicherung und Finanzamt gegenüber der Neckarsulmer Sport-Union bedient werden.

Die genaue Summe, die aus diesem Topf benötigt wird, ist allerdings noch ungewiss. Wer wie viel an Sozialversicherungs-Nachzahlungen zu bekommen hat? "Das sollte bis zum Jahresende klar sein", hofft Härdtner.

Am Ende könnte die Neckarsulmer Zoll-Affäre den Unternehmer also mehr als 200.000 Euro an Nachzahlungen plus die 100.000 Euro persönliche Geldauflage kosten. Nicht inbegriffen sind die Kosten für den juristischen Beistand.

Härdtner bleibt ohne Vorstrafe

Zoll-Affäre der Neckarsulmer Sport-Union endet mit sechsstelligen Nachzahlungen

Rolf Härdtner

Foto: Andreas Veigel

Als Gründe für die Verfahrenseinstellung gegen den damit nicht vorbestraften Rolf Härdtner gibt die Heilbronner Staatsanwältin Bettina Jörg auf Nachfrage der Heilbronner Stimme Folgendes an: "Dass der Beschuldigte bisher nicht vorbestraft ist, sein hohes Lebensalter und, dass er nicht aus Gewinnstreben heraus gehandelt hat."

Dem Ende des Verfahrens war ein langer Ermittlungsprozess vorausgegangen. Vor mehr als drei Jahren, im März 2016, hatte der Zoll vor einer Verbandsliga-Partie der NSU-Fußballer in Schwäbisch Hall Befragungen durchgeführt. Im November 2017 folgte dann eine große Razzia mit mehr als 100 Beamten bei aktuellen und ehemaligen Spielern, Trainern und Funktionären. Unterlagen und Laptops wurden beschlagnahmt. Der Zeitraum von 2012 bis 2017 wurde staatsanwaltschaftlich durchleuchtet.

Härdtner: "Wir haben Fehler gemacht, für die wir nun auch zahlen"

Unregelmäßigkeiten beim Fahrgeld, bei der Zahlung von Übungsleiterpauschalen traten zu Tage. "Wir haben Fehler gemacht, für die wir nun auch zahlen", sagt Rolf Härdtner über das sportliche Aushängeschild der Region, einem Großverein mit erstklassigen Handballerinnen, hochklassigen Fußballern, Weltklasse-Schwimmern, Triathleten sowie in Bundesligen aktiven Rugby- und Tischtennisspielern. Das alles kostet Rolf Härdtner als leitendem und leidenden Funktionär viel Zeit und auch Geld.

In allen 14 Abteilungen wurde im Eigeninteresse alles auf den Kopf gestellt. Der Verein ließ sprichwörtlich die Hosen herunter. "Wir waren sehr kooperativ und transparent den Behörden gegenüber", sagt Rolf Härdtner. Auch damit lässt sich die Verfahrenseinstellung erklären.

Sportler haben künftig mehr bürokratischen Aufwand

Die sechsstelligen Zahlungen sind als Lehrgeld zu sehen, die Sport-Union hat zudem ihre Lehren aus den Fehlern der Vergangenheit gezogen. Es gibt keine mündlichen Absprachen mehr, nur noch schriftliche. Jeder Vertrag eines Neuzugangs bei den Handballerinnen oder Fußballern wird von Experten penibel überprüft.

Dazu kommt: Jeder Neckarsulmer Sportler ist nun verpflichtet, ein Fahrtenbuch zu führen. Ein Mehraufwand, der so manchen potenziellen Neuzugang in den vergangenen Monaten abgeschreckt hat. "Der bürokratische Aufwand ist enorm", sagt Rolf Härdtner mit Blick auf seine Funktionäre und die Geschäftsstelle.

Die Folgen fürs Ehrenamt auch. "Wer will denn diesen Job noch machen?", stellt Härdtner die rhetorische Frage nach seinem Nachfolger. Der ist nicht in Sicht, also macht Rolf Härdtner weiter, weil er seinen Verein nicht im Stich lassen möchte. Am Ende hält der Chef den Kopf hin - und muss für die Folgen schlimmstenfalls zahlen. Das macht den Job für potenzielle Nachfolger nicht attraktiver. Härdtner betont, dass alle finanziellen Forderungen gegenüber allen NSU-Beteiligten damit abgegolten seien.

Gibt es noch Folgen für die Fußballer?

Rolf Härdtner stellt sich damit vor alle Ehrenamtlichen seines Vereins. "Ich will nicht, dass ihnen Schaden zugefügt wird", sagt der 76-Jährige und geht davon aus, dass die als Zeugen bei der Razzia im November aufgesuchten Fußballer damit aus dem Schneider sind. "Die Verfahren gegen Funktionäre und Spieler wurden durch die Polizei noch nicht vorgelegt. Darüber wird dann zu einem späteren Zeitpunkt entschieden", teilte Staatsanwältin Bettina Jörg auf Nachfrage mit.

 

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