Wöchentliches Café ist für Flüchtlinge eine Anlaufstelle

Neckarsulm  In Räumen der Volkshochschule organisieren Freundeskreis Asyl und Stiftung Starke Familien einen besonderen Treffpunkt. Deutsch lernen, das ist hier vielen ein Anliegen.

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Brunhilde Massa vom Caritas-Familienbüro in Neckarsulm liest mit einer Frau ein Deutschbuch. Das wöchentliche Café, das in Räumen der Volkshochschule stattfindet, nutzen viele Flüchtlinge, um die Sprache zu lernen.

Foto: Simon Gajer

Deutsch lernen, Deutsch sprechen, das wollen die Männer und Frauen, die sich montags im Obergeschoss der Volkshochschule Neckarsulm treffen. An diesem Nachmittag sitzen 20 Deutsche und Flüchtlinge zusammen an den runden Tischen. Vor allem Annemarie Adam vom Freundeskreis Asyl und Brunhilde Massa vom örtlichen Caritas-Familienbüro sind begehrte Ansprechpartnerinnen, denn das Café "Zukunft International" ist Beratungsstelle und Deutschunterricht zugleich. Hinter der wöchentlichen Veranstaltung stehen der Freundeskreis, die Stiftung Starke Familien Neckarsulm und die städtische Volkshochschule.

Teilnehmer aus den Sprachkursen schauen vorbei

Deutsch lockt viele Interessierte ins Café. Zum einen kommen für ein paar Minuten Teilnehmer eines Sprachkurses vorbei, der gerade eine Pause hat und eh im Gebäude stattfindet. Zum anderen machen sich Flüchtlinge auf den Weg, um zwischen 15 und 17 Uhr einen Kaffee zu trinken oder eine Brezel zu essen. Eine Jugendliche hakt intensiv bei Annemarie Adam nach. Das Mädchen hat kürzlich in einer Arztpraxis ein Praktikum gemacht, eine Ausbildung in diesem Bereich wäre schön, findet das Mädchen - aber dafür benötigt sie die Mittlere Reife. Zurzeit besucht sie die Werkrealschule und denkt über einen Abschluss nach der neunten Klasse nach. "Ich muss weitermachen."

Integrationsmanager der Stadt sind nur noch unregelmäßig dabei

Der Satz ist Frage und Antwort zugleich. Respekt schwingt mit, denn auch für den Job als Erzieherin ist die Realschule nötig. Dieser Beruf reizt sie ebenfalls. Annemarie Adam ist an diesem Nachmittag für die Jugendlichen eine Hilfe, sie verweist sie an eine Ausbildungsberaterin. Und an die Integrationsmanager der Stadt, die nicht mehr wöchentlich ins Café kommen. Leider, bedauern Flüchtlinge und die Organisatoren zugleich.

Rathaussprecher Andreas Bracht betont, dass die Integrationsmanager etwa ein Jahr lang am Café teilgenommen hätten. "Bei den Besuchern dieses multikulturellen Treffpunkts handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe." Dazu gehören Teilnehmer der Integrationskurse, Flüchtlinge aus verschiedenen Kommunen, der Unterkunft des Landkreises in der Rötelstraße sowie aus Neckarsulm in der sogenannten Anschlussunterbringung. "Die Mehrzahl dieser Menschen wird entweder am Wohnort von den dort tätigen Flüchtlingsmanagern oder den jeweils zuständigen Sozialdiensten betreut."

Bracht sagt: "Bislang ist es nur in sehr seltenen Fällen vorgekommen, dass die Integrationsmanager beim Café Zukunft International Menschen mit Fluchterfahrung treffen, die zum Kreis ihrer Klienten zählen und die sie noch nicht kennen." Insofern sei es nicht effizient, dass die Integrationsmanager weiterhin regelmäßig an den Treffen in der VHS teilnähmen.

Im Gebäude rennen Kinder umher, ein Junge beschäftigt sich mit einem Memory. Eine Flüchtlingsfrau blättert durch ein Deutschheft. "Das ist ein Schaf", bekommt sie Unterstützung. Hier erhalten alle Hilfe - in erster Linie natürlich bei der Sprache, aber auch bei Alltagsfragen. Institutionen wie die Verbraucherzentrale, der Mieterbund, die VHS oder die Mediathek kommen vorbei.

Viele sind auf Wohnungssuche

Und die Mitglieder von Asylkreis oder Caritas sind Ansprechpartner, wenn es um Wohnungen geht. Wohnraum - für viele Flüchtlinge ist das ein drängendes Thema. Letztendlich geht das Angebot genau darauf zurück, dass die Flüchtlinge nach einer gewissen Zeit aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen müssen und dezentral in der Stadt wohnen. Ehrenamtliche Helfer können nicht mehr alle Gebäude ansteuern. "Für uns ist es schwierig, sie dann zu begleiten", sagt Annemarie Adam. "Für uns war es wichtig, einen Fixpunkt zu bieten, zu dem sie kommen können." Und: "Wir wollen einen Ort der Begegnung schaffen zwischen Neckarsulmern und den Neubürgern."

Die Stadtverwaltung will das Angebot des Café Zukunft International weiterhin im Rahmen der personellen Möglichkeiten unterstützen. Rathaussprecher Andreas Bracht schildert den Vorschlag aus der Abteilung Integration und Flüchtlinge: Die Integrationsmanager besuchen die Treffen jeweils abwechselnd in einem Rhythmus von sechs bis acht Wochen und begleiten die Zusammenkünfte mit themenbezogenen Fachvorträgen. Bei diesen Gelegenheiten stünden die Integrationsmanager dann auch für Fragen, Tipps und Ratschläge zur Verfügung.

 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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