Warum Norbert Heuser Bürgermeister von Neuenstadt bleiben will

Neuenstadt  Bürgermeister Norbert Heuser strebt eine dritte Amtszeit im Neuenstadter Rathaus an. Am 23. September wird gewählt. Im Interview spricht Heuser über Vergangenheit und Zukunftspläne.

Von Vanessa Müller
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Bürgermeisterkandidat im Interview

Sein Lieblingsplatz in Neuenstadt? So genau kann Norbert Heuser das gar nicht sagen. "In der Natur", erklärt er. Oder am Marktplatz, wenn die Kinder am neuen Brunnen im Wasser spielen.

Foto: privat

Norbert Heuser tritt am 23. September für eine dritte Amtszeit zur Bürgermeisterwahl in Neuenstadt an. Unsere Redakteurin hat sich mit dem 53-Jährigen über Zukunftspläne und vergangene Projekte unterhalten.

Bei Ihrer Wiederwahl 2010 waren Sie Alleinkandidat, auch dieses Mal gibt es keinen Mitbewerber. Sitzen Sie so fest im Sattel, dass keiner daran rütteln kann?

Norbert Heuser: Das müssen andere beurteilen. Ich kann nur über meine Beweggründe sprechen, Bürgermeister bleiben zu wollen. Ich brauchte nicht groß nachdenken, ob ich noch einmal kandidiere. Ich habe ein weißes Blatt Papier genommen und mir überlegt: Was willst du in Neuenstadt noch machen? Es war relativ schnell voll. Ich habe viele Ziele, die ich gemeinsam mit dem Gemeinderat, der Verwaltung und den Bürgern umsetzen will.
 

Vor acht Jahren wurden Sie mit 99 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Schaffen Sie noch einmal ein solches Traumergebnis?

Heuser: So ein Ergebnis ist selten, es war ein Geschenk. Das werde ich wohl nicht noch einmal bekommen. Man kann es nicht jedem recht machen. Entscheidungen, die die Stadt voranbringen, stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Und mit jeder, die man trifft, wird es schwieriger.
 

Was sind denn Ihre größten Erfolge der vergangenen acht Jahre?

Heuser: Da sind unsere grundsoliden Finanzen, wir sind seit vergangenem Jahr schuldenfrei. 2018 haben wir 15 Millionen Euro in der Rücklage. Das ist eine gute Ausgangslage für Investitionen, wir haben viel vor. Wenn ich zurückschaue, denke ich natürlich an die Umgestaltung der Innenstadt. Wir haben Aufenthaltsqualität geschaffen. Damit uns das gelingen konnte, musste zuerst die Umgehungsstraße entstehen. Die beiden Supermärkte und das Parkhaus am Bahnweg sorgen dafür, dass wir als Einkaufsstadt wahrgenommen werden.
 

Wie steht es um das Gewerbe?

Heuser: Zwischen 2003 und 2017 haben wir die Zahl der Arbeits- und Ausbildungsplätze von 2300 auf 4900 mehr als verdoppelt. Einen großen Teil macht der Gewerbe- und Industriepark Unteres Kochertal (GIK) aus, aber auch Unternehmen außerhalb haben sich entwickelt. Wir wachsen, gerade haben wir die 10.000-Einwohner-Marke geknackt. Deshalb wurden die Betreuungsangebote für Kinder ausgebaut - und wir müssen weitermachen, wir hatten 2017 die höchste Geburtenrate seit 1973. Auch die Angebote für Senioren haben wir erweitert.
 

Gibt es auch etwas, das nicht so gut gelaufen ist, wie erhofft?

Heuser: Einige Vorhaben haben sich zeitlich in die Länge gezogen, etwa der Bau des Kreisels bei Oedheim von Land und Landkreis. Aber auch bei der Umsetzung des Lärmaktionsplans bin ich mit dem Erreichten noch nicht zufrieden.
 

Als bekannt wurde, dass die Firma Förch in der Kernstadt erweitern möchte, sind die Anwohner auf die Barrikaden gegangen. Auch das Projekt "Wohnen am Stadtgraben" kam bei einigen Nachbarn nicht gut an. Melden sich die Bürger heute eher zu Wort, wenn ihnen etwas nicht gefällt?

Heuser: Veränderungen werden heute kritischer hinterfragt. Wenn eine Firma erweitern möchte, ist es verständlich, dass es bei den Anwohnern Bedenken gibt. Aber es geht auch um Arbeitsplätze. Jetzt wird am Innocenter auf fünf statt auf sieben Etagen aufgestockt. Ich denke, das ist ein gutes Beispiel, wie eine Kommune und ein Unternehmen auf Kritik eingehen können. Beim Stadtgraben waren es vier Anwohner, die Bedenken geäußert haben. Von anderen werde ich oft angesprochen, dass es richtig ist, dass wir die Innenentwicklung voranbringen und dort moderne Wohnungen entstehen. Wegen der enormen Nachfrage planen wir aber auch die Ausweisung neuer Baugebiete.
 

Welche großen Projekte stehen denn sonst noch für die Zukunft an?

Heuser: Wir haben etwa die frühere Autobahnmeisterei gekauft, jetzt prüfen wir, ob neben dem Bauhof und den Stadtwerken auch die Feuerwehr dort einziehen könnte. Daneben stehen die Sanierung der Grundschule sowie der Turn- und Festhalle in Stein und das Bürgerhaus in Bürg an. Dann sind da Türnitzbau und Forstamt, die wir zum Rathaus umbauen wollen. Wir platzen am jetzigen Standort aus allen Nähten. Dabei geht es uns auch darum, die historischen Gebäude am Marktplatz vor dem drohenden Verfall zu bewahren. Das bisherige Gebäude soll im Anschluss zum Kulturrathaus für VHS, Musikschule und Vereine werden. Neuenstadt hat so viel Potenzial, es wird nie fertig sein.


Zur Person

Im Jahr 2002 wählten die Bürger Norbert Heuser mit 64 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang zum Bürgermeister in Neuenstadt, damals gab es vier Mitbewerber. 2010 wurde er als Alleinkandidat wiedergewählt - mit 99 Prozent der Stimmen, in Cleversulzbach, Kochertürn und Stein waren es sogar 100 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 31 Prozent.

Heuser ist Diplom-Verwaltungswirt (FH), parteilos, verheiratet und hat zwei Kinder. Der 53-Jährige lebt mit seiner Familie seit 2005 in Neuenstadt. Er hat diverse Ehrenämter inne, unter anderem ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgerenergiegenossenschaft BERN, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Möckmühl, CDU-Kreisrat, Mitglied im Kreisvorstand Gemeindetag Baden-Württemberg und Sprengelvorsitzender Neckar/Kocher.

Wahlkampf-Termine

Im Wahlkampf bietet Heuser Spaziergänge und Gesprächsrunden an.

  • Am Dienstag, 11. September, 18 Uhr, startet ein Rundgang für alle Interessierten am Bürgerhaus Bürg, dort findet um 20 Uhr ein anschließendes Gespräch statt.
  • Am Mittwoch, 12. September, 18 Uhr, startet ein Spaziergang am Rathaus Cleversulzbach, um 20 Uhr eine Gesprächsrunde im Brunnenstüble.
  • Freitag, 14. September, 18 Uhr, Spaziergang mit Treffpunkt Rathaus Stein, 20 Uhr Steiner Waldhaus am Sportplatz.
  • Dienstag, 18. September, 18 Uhr, Spaziergang mit Treffpunkt Rathaus Kochertürn, 20 Uhr TSV Sportheim. 
  • Mittwoch, 19. September, 18 Uhr, Spaziergang mit Treffpunkt Rathaus Neuenstadt, 20 Uhr Gasthaus Stern.

 


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