Über das Für und Wider zur Lidl-Tangente

Bad Wimpfen  Nach dem Austausch zwischen Bürgermeister und Bürgerinitiative ist klar: Wie der Bürgerentscheid am Sonntag zur Lidl-Tangente ausgehen wird, bleibt völlig offen. Rund 600 Bürger haben sich vorab in Bad Wimpfen über das Für und Wider der Tangente informiert.

Von Kirsi-Fee Rexin
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Diskutierten über die geplante Querspange in Wimpfen (v.l.): Martina Burkert und Bettina Scheid-Mosbacher (BI), Rathauschef Claus Brechter und Heike Merkle mit Moderatorin Vanessa Müller.

Über 600 Bürger nutzen die Podiumsdiskussion als Entscheidungshilfe dafür, wo sie beim Bürgerentscheid am Sonntag ihr Kreuz machen sollen. Denn um Ja oder Nein zur Tangente von der Rappenauer Straße über die Bonfelder Straße bis hin zur Biberacher Straße geht es am Mittwochabend in der Stauferhalle mit Bürgermeister Claus Brechter, Heike Merkle (BS-Ingenieure) und zwei Sprecherinnen der Bürgerinitiative (BI) "Wimpfener Straßen entlasten".

Im Gespräch mit Moderatorin und Stimme-Redakteurin Vanessa Müller erleben die Zuschauer ein Duell auf Augenhöhe: Sowohl der Rathauschef (Pro-Tangente) als auch Martina Burkert und Bettina Scheid-Mosbacher (BI) können durch eine sachliche Argumentation beim Publikum punkten. Der Ausgang des Bürgerentscheids bleibt somit nicht absehbar.

Kernproblem: Lkw-Ausweichverkehr

"Das Kernproblem ist der Lkw-Ausweichverkehr, wenn auf der A6 Stau ist", erklärt Bettina Scheid-Mosbacher. "Da die Umgehung quer zur Hauptverkehrsachse verläuft, kann dieser durch die Trasse nicht abgefangen werden." Aus Straßenanalysen gehe hervor, dass an der Neckarbrücke trotz Trasse immer noch 94 Prozent des Restverkehrs ankomme. "Es wird immer noch zu viel Verkehr geben. Gleichzeitig versiegelt man viel Fläche und beschert der Biberacher Straße mehr Lkw-Verkehr. Davon sind dann auch unsere Schulwege betroffen." Ein weiterer Kritikpunkt: Da die Tangente im Westen der verlaufe, durchschneide man die Frischluftschneise. "Dafür bekommen wir Lärm und Abgase."

Verkehrsbelastung mit Tangente in den Griff bekommen

Ausgang des Bürgerentscheids ungewiss

Über 600 Bürger verfolgten am Mittwochabend die Infoveranstaltung zum Bürgerentscheid und stellten zahlreiche Fragen.

Fotos: Ralf Seidel

Bürgermeister Claus Brechter sieht im Bau der Trasse eine Chance, die seit Jahrzehnten wachsende Verkehrsbelastung endlich in den Griff zu bekommen, gibt aber zu: "Der Straßenbau alleine wird unsere Probleme nicht lösen." Deshalb wolle er weiterhin im Bereich ÖPNV möglich machen, was in seiner Macht stehe. "Durch den Mobilitätspakt sitzen Unternehmen, Kommunen und das Land jetzt an einem Tisch. Wird die Trasse später in überörtliche Verkehrslösungen eingebunden, kann Wimpfen noch mehr entlastet werden."

Durch die ortsferne Lage der Trasse sei zudem eine Luftverbesserung möglich. "Ich finde es bizarr, wenn Sie behaupten, dass die Luft mit 8000 fahrenden Autos auf der Trasse besser wird", hakte Bettina Scheid-Mosbacher ein. Bürgermeister Claus Brechter konterte: "Die Trasse ist 400 Meter weg von der nächsten Bebauung, und durch die Lufteinströmung haben wir hier eine andere Verwirbelung als mitten in der Stadt." Der Bau der Trasse unterliege ohnehin strengen natur- und umweltschützenden Kriterien. "Während der Planung werden wir in den kommenden Jahren also noch viel diskutieren. Doch dafür müssen wir das Projekt jetzt angehen."

Drei Jahre liegen die Pläne auf Eis, sollte der Bürgerentscheid zugunsten der BI ausgehen. "Hemmt die BI die Entwicklung der Stadt?", will Moderatorin Vanessa Müller wissen. "Die Bevölkerung entscheidet am Sonntag - und die muss wissen, dass ein Nein zur Tangente negative Auswirkung haben kann", so der Schultes. Er spricht von einem Abwägungsprozess. "Wir leben in einer boomenden Region, die aber auch eine entsprechende Infrastruktur benötigt."

Lösungsvorschläge der Bürgerinitiative

An Martina Burkert gewandt, will Müller wissen: "Welche Lösungen gibt es statt der Trasse?" Burkert schlägt einen massiven Ausbau der Radwege, eine Anbindung an den Stadtbus in Biberach und Shuttlebusse vor und betont: "Es gibt autofreie Städte." Das temporäre Lkw-Durchfahrtverbote müsse zu einer permanenten Sperre ausgeweitet werden. Dafür gibt es Applaus vom Publikum.

Werner Konrad kann in beiden Konzepten Gutes finden: "Man sollte überlegen, wie man sie zusammenführt." Die Frage, welches Tempolimit auf der Trasse gelte, konnte niemand beantworten. Das Projekt sei aufgrund des Bürgerbehregens ja bereits sehr früh gestoppt worden, so Brechter. "Ich frage mich, warum wir jetzt schon einen Bürgerentscheid durchführen? Wir haben doch gar keine Grundlage, um zu entscheiden", moniert ein Mann und erntete dafür kräftigen Applaus.

 

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