Startschuss für bessere Wasserversorgung in Hardthausen ist gefallen

Hardthausen  Dem Gemeinderat wurden die Ergebnisse eines Strukturgutachtens vorgestellt. Klar ist: Hauptproblem sind die hohen Verluste.

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Der Wasserturm Hardthausen könnte auf lange Sicht stillgelegt werden. Die in die Jahre gekommene Einrichtung würde laut eines Gutachtens nach einer Ertüchtigung des Hochbehälters Mostbrunnen nicht mehr gebraucht.

Foto: Archiv/ Agentur Kochertal

Eigentlich hat die Gemeinde Hardthausen genug eigenes Wasser, um alle Ortsteile zu versorgen. Trotzdem gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Engpässe, so dass Wasser in Tanklastern von Langenbrettach in die Gemeinde gefahren werden musste. Maurice Matthé vom Ingenieurbüro RBS wave erläutert in der Gemeinderatssitzung den Grund: Auf dem Weg von den Quellen zu den einzelnen Haushalten geht zu viel Wasser verloren. Die Verluste betragen jährlich im Schnitt über 30 Prozent.

Das Thema ist in Hardthausen zwar nicht neu, mit den Ergebnissen des Strukturgutachtens ist nun aber erstmals klar, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss. Bürgermeister Thomas Einfalt rechnet damit, dass für entsprechende Maßnahmen in den kommenden Jahren rund fünf Millionen Euro in die Hand genommen werden müssen. Dadurch steige über kurz oder lang auch der Wasserzins.

Trübung und marode Leitungen

Die wichtigste Frage war zunächst: Warum sind die Wasserverluste in Hardthausen so hoch? Das liegt zum einen an der teils starken Trübung des Wassers und zum anderen am schlechten Zustand des Leitungsnetzes, teilt Matthé in der Sitzung mit. Durch schadhafte Rohre fließt Wasser schlichtweg davon. Deshalb muss das Netz dringend erneuert werden.

Den Berechnungen des Ingenieurbüros zufolge müssten in Hardthausen in den kommenden 20 Jahren 50 Prozent der Trinkwasserleitungen ausgetauscht werden. Die Trübung des Wassers, die an den Quellen und in den Tiefbrunnen etwa durch Starkregen entsteht, sorgt dafür, dass das vorhandene Wasser gar nicht erst im Leitungsnetz ankommt. Messvorrichtungen verhindern, dass zu trübes Wasser in den Hochbehälter fließt, erläutert Einfalt. Die Lösung für das Problem könnte der Einbau von sogenannten Ultrafiltrationsanlagen sein.

Hochbehälter muss ertüchtigt werden

Für das Strukturgutachten haben Matthé und sein Team auch alle Wasserversorgungsanlagen im Gemeindegebiet unter die Lupe genommen. Dabei kristallisierte sich unter anderem heraus, dass der Speicherinhalt des Hochbehälters (HB) Mostbrunnen erhöht werden muss. Als ersten Schritt in diese Richtung beschließen die Gemeinderäte in der Sitzung deshalb, die Förderleitungen von den Tiefbrunnen Spitzau zum HB zu erneuern. Dafür fallen Kosten von 230 000 Euro an.

Als Folge der späteren Ertüchtigung des HB Mostbrunnen könnte der Wasserturm Hardthausen stillgelegt werden, informiert Matthé.

Eine weitere Maßnahme, die die Wasserversorgung verbessern würde, wäre eine Verbundleitung zwischen Kochersteinsfeld und Gochsen. So wären alle drei Ortsteile verbunden. Bisher versorgt sich Gochsen laut Einfalt komplett selber mit Wasser. Die Kosten für den Verbund sind bereits in der mittelfristigen Finanzplanung eingestellt.

Fremdwasser als zweites Standbein

Als zweites Standbein für die Wasserversorgung brachte Matthé das Thema Fernwasser ins Gespräch. Aktuell gebe es Gespräche mit dem Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW), der bereits der Gemeinde Langenbrettach Wasser liefert, berichtet Einfalt.

Die Gemeinde Hardthausen wolle sich zwar nicht von einem solchen Anbieter abhängig machen, als Notversorgung wäre eine Zusammenarbeit aber denkbar, so der Rathauschef. Trotzdem liege die erste Priorität auf der Ertüchtigung des eigenen Netzes. "Keine Frage, das machen wir."


Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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