So läuft die Sanierung am Blauen Turm

Bad Wimpfen  Die Arbeiten am Blauen Turm in Bad Wimpfen gehen weiter: Jetzt sollen Bohrungen zeigen, ob die Mauerwerksicherung mit Mörtel erfolgreich war.

Email
Die Antwort steckt im Kern

Um mit der Bohrmaschine die drei Meter dicke Wand zu durchbohren, müssen Michael Hoffmann und Toska Alket (rechts) ordentlich Kraft einsetzen.

Fotos: Ralf Seidel

Unzählige Löcher sind seit dem Start der Sanierungsarbeiten im März 2018 in den Schaft des Blauen Turms gebohrt und anschließend mit flüssigem Mörtel verfüllt worden. Ziel der Maßnahme ist es, die Tragfähigkeit des 800 Jahre alten Mauerwerks wieder herzustellen. Doch hat das aufwendige Prozedere eigentlich den gewünschten Effekt? Die Antwort kommt anhand von Bohrkernen aus dem Mauerwerk ans Licht.

Schweres Gerät

Zwei Arbeiter der Firma Pressbau aus Erfurt sind dafür an der Ostseite des Turmes zugange. Michael Hoffmann kurbelt, Toska Alket schiebt. Die Bohrmaschine, die auf einem fahrbaren Gestell, einer Lafette, liegt, schafft sich kreischend Stück für Stück in die Steinwand. Beide Männer schwitzen. "Das hat alles ordentlich Gewicht", erklärt Hoffmann, schiebt den Helm nach oben und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

Eine Stunde für ein Loch

Immer wieder halten die Bauarbeiter die Maschine an und verlängern den Bohrer indem sie ein weiteres Hülsenteil anschrauben. Denn an manchen Stellen ist die Mauer drei Meter dick. Es ist das vierte Loch, das die Arbeiter an diesem Tag bohren. Manchmal brauchen die Männer 30 Minuten, manchmal auch eine ganze Stunde bis sie durch sind. Das hängt davon ab, ob an der Stelle mehr Mörtel verfüllt wurde oder sie auf altes Gestein stoßen. "Mörtel hat nur einen Bruchteil der Festigkeit von Stein", erklärt Stefan Schädel, Architekt bei Strebewerk Stuttgart.

Die Antwort steckt im Kern

Die Bohrkerne geben Aufschluss darüber, ob die Mörtelinjektion geglückt ist.

Dann ist auch das vierte Loch gebohrt. Hülse für Hülse wird wieder herausgezogen und abgeschraubt. Mit einem Hammer klopft Toska Alket die Bohrkerne aus dem Innern der Stangen heraus. "Das sieht gut aus", findet Architekt Schädel, als er das Ergebnis näher betrachtet. Der Bohrkern erinnert optisch an einen heterogenen Teig. Schädel zeigt auf die hellgrauen Linien, die mal dick und mal haarfein zu erkennen sind. "Das ist der Grund, warum der Mörtel bei der Injektion ganz dünnflüssig sein muss. So kann er in die feinsten Ritzen laufen und sie verfüllen."

Löcher werden gebohrt

Anschließend wandern die Bohrkerne in nummerierte Holzkisten. Mitarbeiter der Materialprüfanstalt aus Stuttgart kommen regelmäßig vorbei und schauen sich die Ergebnisse an. "Durch die Nummern können wir die Kerne dem entsprechenden Loch zuordnen." Denn auch das Loch wird einer Prüfung unterzogen. "Mit einer Endoskopkamera begutachten wir die Innenseiten und schauen nach Hohlräumen." Allein in den ersten sechs Metern sind über 50 Kubikmeter Mörtel verfüllt worden. "Aktuell können wir sagen, dass die Maßnahme erfolgreich war."

Um den Blauen Turm weiter zu stärken, werden in in der nächsten Zeit in regelmäßigen Abständen weitere Löcher mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern gebohrt, durch die Stangen gesteckt werden. "Wir verschrauben sie auf beiden Seiten und setzen damit das Mauerwerk unter Druck. Das erhöht die Tragfähigkeit zusätzlich."

Brandschutz abgestimmt

Die Antwort steckt im Kern

Sowohl 1850 als auch 1985 geriet der Turm durch einen Blitzeinschlag in Brand. Der Dachstuhl brannte komplett aus. Um das zu verhindern, wurde vor kurzem der Blitzableiter erneuert. "Außerdem haben wir mit Ingenieur Ralf Kludt aus Winnenden ein Branschutzkonzept erarbeitet. Derzeit sind wir mit der örtlichen Feuerwehr und Kreisbandmeistern in der Detailabstimmung", berichtet Stefan Schädel. Dabei gehe es zum Beispiel um die Qualität der Türen.

"Die Tür zwischen Türmerwohnung und Dachstuhl muss beispielsweise 90 Minuten lang das Feuer abhalten können." Auf dem Zwischenplateau auf halber Höhe des Turmes wird ein Schrank seinen Platz bekommen. "Das wird das Depot für Anschlüsse und Schläuche, damit die Feuerwehr im Ernstfall nicht ihre komplette Ausstattung hochschleifen muss."

1971

Auf Anraten von Professor Klaus Pieper aus Braunschweig brachte man schon 1971 rund 80 Ankerstangen über die komplette Länge der vier Seiten des Turms ein, um ihn zu festigen. Verschraubt wurden sie mit massiven Stahlplatten, die anschließend eingemauert wurden. "Diese haben wir nun freigelegt und untersucht. Sie sind noch intakt, aber reichen ganz offensichtlich nicht aus", berichtet Stefan Schädel. "Durch die vielen dünneren Stangen, die wir nun aktuell ins Mauerwerk einbringen, üben wir überall einen gleichmäßigen Druck aus und nicht nur punktuell wie damals", so der Architekt. 

 
 

Kirsi-Fee Rexin

Kirsi-Fee Rexin

Autorin

Kirsi-Fee Rexin begann im Jahr 2014 ein Volontariat bei der Heilbronner Stimme. Seit 2016 ist sie als Redakteurin im Ressort Landkreis hauptsächlich für Kommunen im nördlichen Landkreis zuständig. 

Kommentar hinzufügen