Schwierige Verkehrssituation wegen Elterntaxis vor der Schule

Bad Wimpfen  Parken auf dem Gehweg oder sogar in zweiter Reihe - das ist gefährlich. Das Bürgerstift motiviert Schüler zum Laufen.

Von Ute Plückthun

Elterntaxis vor der Ludwig-Frohnhäuser-Schule sorgen für schwierige Verkehrssituation

Chris, Maxim, Kaan, Line, Stefan, Sophia, Max, Bernadette, Luisa und Chiara gehen mit gutem Beispiel voran und laufen von der Schule nach Hause.

Foto: Ute Plückthun

Der gefährlichste Ort in Bad Wimpfens ist hier vor der Schule", beschreibt Rektorin Sabine Keidel die Verkehrssituation an der Ludwig-Frohnhäuser-Schule (LFS). Wenn die Elterntaxis in morgendlicher Dunkelheit oder mittags anrollen, werde auf dem Gehweg oder sogar in zweiter Reihe gehalten.

Bisweilen seien an den Autos die Türen aufgegangen und jüngere Kinder herausgepurzelt, weil sie ihren Geschwistern entgegenlaufen wollten. Auch werde auf dem Gehweg gewendet, sagt Elternbeiratsvorsitzende Julia Laras. Wolfgang Friz kritisiert, dass viele Eltern zudem mit laufendem Motor warten würden. Mittendrin in diesem Chaos bewegen sich die Schüler.

Hundert Fahrzeuge zwischen 7.40 und 7.50 Uhr

"Gruselig, was man da sieht", bekräftigt die Schulleiterin. Mitte November 2018 hat sie deshalb den Verkehr zählen lassen: Mit dem Ergebnis, dass zwischen 7.40 und 7.50 Uhr hundert Fahrzeuge vor der Schule und weitere 25 in der Tillystraße vorfahren. Um dem Trend entgegen zu wirken, dass Eltern ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer bringen würden, hat sich die Bürgerstiftung Bad Wimpfen etwas überlegt: 800 Euro hat der Arbeitskreis "Umwelt, Naturschutz und Landschaftspflege" gesetzt, um den Nachwuchs zum Laufen zu motivieren. Ab 1. Februar werden Schüler und Lehrer der 26 Klassen, zehn davon im Grundschulbereich, in einen Wettbewerb treten.

Läuferklassen winkt Belohnung

Den drei fleißigsten Läuferklassen winkt als Belohnung der Eintritt in die Kletterarena, ins Kino inklusive Popcorn und Getränk oder ins Aquatoll-Bad. Ausgezeichnet werden sie beim Schulfest am 20. Juli. Die wöchentlich Laufleistung dokumentieren die Lehrer in einem Balkendiagramm. Das Programm hat Philipp Schmiedeknecht, Abteilungsleiter der Stephen-Hawking-Außenstelle Bad Wimpfen, ein Programm installiert: "Auf der Homepage können die Schüler einsehen, welche Klasse vorne liegt".

Stempel dokumentieren Laufleistung

Wer in die Schule läuft, erhält pro Tag einen Stempel. Um kleinere Klassen oder erkrankte Schüler nicht zu bestrafen, wird die Laufquote prozentual ausgerechnet. Jeder sollte mitmachen können: "Da viele Schüler aus umliegenden Gemeinden kommen, zählt als autofrei auch, wenn ab dem Seegarten- oder Klingengassenparkplatz gelaufen wird", erläutert Martina Burkert. Auch Rad- und Rollerfahrer gehörten zu den autofreien Verkehrsteilnehmern.

"Die Schüler der Stephen-Hawking-Schule können ihren Teil beitragen, indem sie nicht direkt am Schulgebäude, sondern davor aussteigen und die letzten 200 Meter selbständig zurücklegen", unterstreicht sie den inklusiven Charakter.

Nicht belehren, sondern Anreize schaffen

"Vorsicht Kinder, hier fahren eure Eltern": Den Kern des Problems macht Julia Laras mit einem Schild deutlich, das an manchen Schulen zu sehen ist. "Wir wollen niemanden belehren, sondern Anreize zum Laufen schaffen", versichert sie. Denn frische Luft, Eigenverantwortung beim Meistern des Schulwegs und die Freiheit, sich ungestört zu unterhalten, sei für Kinder wichtig. Berufstätige Eltern könnten sich dadurch sogar den Weg zur Schule sparen. Selbst Kinder aus dem Tal können nach Ansicht von Rektorin Keidel zur Schule laufen. Das dauere etwa 30 Minuten. Martina Burkert fände es bereits gut, wenn sie von einem der Treffpunkte aus zu Fuß gingen.

Weitere Verschärfung

Die Situation müsse dringend entschärft werden, betont Keidel. Zumal hinter der Schule ab Herbst eine provisorische Kita an den Start gehe und weitere Einrichtungen in direkter Nachbarschaft entstünden. Das Vereinsheim bei der Stauferhalle werde zum Beispiel zunächst für vier Kleinkindgruppen unter drei Jahren genutzt. "Die Käferle-Kinder müssen gebracht werden", räumt Laras ein. "Dann sollen wenigstens die laufen, die es schon können."

 


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