Schlummern im Seckachtal Bodenschätze?

Roigheim  Im Osten Roigheims fallen hinter einer Christbaumschonung ein eigenartiges großes Arbeitsgerät und weitere Fahrzeuge auf. Eine Spezialfirma führt derzeit zahlreiche Bohrungen durch und erkundet Gipsvorkommen.

Von Rudolf Landauer
Schlummern im Seckachtal Bodenschätze?
Am Waldrand des Hemmrichsholz und beim Korber Weg ist derzeit eine Spezialfirma tätig, um Gipslagerstätten zu erkunden. Foto: Rudolf Landauer

Am Waldrand beim "Hemmrichsholz" in der Nähe des Korber Weges fallen im Osten Roigheims hinter einer Christbaumschonung ein eigenartiges großes Arbeitsgerät und weitere Fahrzeuge auf. Es handelt sich um ein Bohrgerät, die Fahrzeuge bringen das Zubehör. Spezialisten einer Firma bohren damit tiefe Löcher in den Boden. An zahlreichen Stellen zuvor haben sie das bereits getan.

Viele Menschen kommen in dem Gebiet hoch oben über dem Ort und der Seckach nicht vorbei: "Im Ort wird von den Einwohnern aber darüber geredet und auch spekuliert, was diese Bohraktion wohl bedeutet", hat der Roigheimer Bürgermeister Michael Grimm in Gesprächen erfahren.

Nicht das erste Mal

Viel weiß er auch nicht über die aktuelle Maßnahme. Nur so viel: Es sei ja nicht das erste Mal, dass man sich Gedanken über einen Abbau von Gips in Roigheim macht. Anfang der 1970er Jahre habe man wohl 100 Bohrungen gemacht und sogar Angebote für Maschinen für den Untertageabbau eingeholt. "Von einem Tag auf den anderen hat man damals beschlossen, die Sache einzustellen und was anderes zu machen", hat Grimm erfahren.

Zuletzt wurde etwa am Beginn seiner ersten Amtszeit vor acht Jahren in Roigheim nach Gips gebohrt. Passiert sei dann aber nichts, informierte der Bürgermeister. Für Unruhe im Ort sorgen derzeit Gespräche, die Firma Rigips würde bereits Grundstücke auf der Gemarkung aufkaufen, was aber bisher nicht bestätigt wurde. Was Grimm aber bestätigen konnte: Die Firma Rigips besitzt Abbaurechte für zwei Lagerstätten, und im Flächennutzungsplan der Gemeinde ist ein "Sondergebiet Gipswerk" eingetragen. Die rechtliche Seite scheint also gegeben zu sein.

Qualität und Volumen

Andreas Bosch von dem Unternehmen Saint-Gobain Rigips GmbH in Bodenwerder ist Leiter der Steinbrüche und Rohstoffsicherung. Er informierte auf Anfrage unserer Zeitung: "Derzeit erfolgen aktuell Erkundungsbohrungen durch unser Unternehmen auf der Gemarkung Roigheim. Dies geschieht, um die Qualität und das Volumen der verfügbaren Lagerstätten besser abschätzen zu können. Ob ein Abbau in Zukunft möglich und wirtschaftlich sein wird, können wir noch nicht bewerten. Auch weitere Details können wir noch nicht liefern."

Was aber aus dem Ganzen wird, darüber kann nur spekuliert werden, sagt Grimm und erklärt, dass es angeblich einen neuen Geschäftsführer mit neuen Zielen gebe. Wie der Bundesverband der Gipsindustrie mitteilt, kommen für einen Abbau nur Vorkommen mit einem Reinheitsgrad von über 80 Prozent Gipsgehalt in Frage. Insbesondere auf einen möglichst geringen Gehalt gelöster Natriumsalze wird höchster Wert gelegt, heißt es von dort.

Künftig weniger REA-Gips

Gips wurde bisher in Deutschland zu mehr als der Hälfte aus der Abgasreinigung in Kohlekraftwerken hergestellt (REA-Gips). REA ist die Abkürzung von Gips, der aus den Abgasen von Rauchgasentschwefelungsanlagen gewonnen wird. Durch die Schließung der Braunkohlekraftwerke fällt künftig immer weniger REA-Gips an, natürliche Gips-Ressourcen kommen wieder ins Spiel. Womöglich könnte dies der Grund für die Aktivitäten in Roigheim sein.

 

 


Kommentar hinzufügen