Sanierung Blauer Turm: Wie laut wird's für die Anwohner?

Bad Wimpfen  12.700 Löcher sollen zur Sicherung des Mauerwerks gebohrt und mit Mörtel und Ankerstangen verfüllt werden. Bis zu drei Bohrer gleichzeitig kommen dafür zum Einsatz. Bei einer Probebohrung wurde jetzt der Lärm gemessen.

Von Kirsi-Fee Rexin
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Sanierung Blauer Turm: Wie laut wird"s für die Anwohner?

In verschiedenen Abständen zum Turm misst Bauphysiker Martin Tüllmann die Lärmemission beim Bohren mit seinem Handschallpegelmessgerät.

Mit einem kreischenden Geräusch gräbt sich der Spiralbohrer von Mario Simon an der Ostseite des Blauen Turms ins Mauerwerk. Zeitgleich macht sich sein Kollege von der Firma Pressbau Erfurt auf der Südseite des Wahrzeichens zu schaffen.

"Wir wollen mit der Probebohrung herausfinden, wie stark die Lärmbelastung für die Anwohner sein wird. Außerdem ob und welche Schalldämmmaßnahmen wir ergreifen müssen", erklärt Stefan Schädel, Bauleiter und Architekt bei Strebewerk Stuttgart. Immerhin müssen bis zum Ende der sieben Millionen Euro teuren Turmsanierung im Jahr 2020 rund 12 700 Löcher gebohrt werden. Zur Sicherung des Mauerwerks werden die bis zu zwei Meter tiefen Löcher in Fugen und Gestein mit Mörtel und Ankerstangen gestopft.

Startschuss fällt bei konstanten zehn Grad

Offizieller Start der Bohrarbeiten, die hauptsächlich dieses Jahr bis Anfang 2019 vonstattengehen werden, ist, wenn die Temperatur konstant bei zehn Grad liegt. "In die zwei Zentimeter breiten Bohrungen kommt Mörtel. Hierbei haben wir allerdings bei jedem Loch nur einen Versuch. Geben wir den Mörtel bei Temperaturen unter zehn Grad ins Mauerwerk, wird er nicht ausreichend fest und zäh. Dabei ist genau das ja das Ziel: den Blauen Turm wieder stabil machen", schildert Schädel.

"Bei einer Infoveranstaltung im vergangenen Jahr waren die Bürger der Sanierung gegenüber positiv eingestellt. Doch wenn ein Bohrer auf Stein trifft, macht das nun mal ein Geräusch. Und weil die Anwohner diesem Lärm längere Zeit ausgesetzt sein werden, haben wir ein Fachbüro ins Boot geholt, das den Lärm misst und das Ergebnis in Hinblick auf weitere Maßnahmen einschätzen kann", erklärt Roland Löffler, vom Amt für Bauen und Umweltschutz bei der Stadt. "Wir wollen ja weiterhin ein gutes Miteinander mit den Leuten."

"Wir können jetzt den dritten Bohrer einsetzen", ruft Martin Tüllmann den Mitarbeitern von Pressbau zu, und schon schafft sich ein dritter Spiralbohrer an der Ostseite ins Mauerwerk. Mit seinem Handschallpegelmessgerät misst der Bauphysiker der Firma Kurz & Fischer aus Winnenden in verschiedenen Abständen zum Turm die Schallemission in Dezibel. "Die Messpunkte und -werte fließen in ein 3-D-Modell vom Blauen Turm. Dadurch errechnet sich, wie laut die Schallquelle tatsächlich ist. Wir gleichen das mit den Tabellenwerten aus der Literatur ab und überlegen uns dann gegebenenfalls Maßnahmen zur Schalldämmung", erklärt der 30-Jährige.

Einhausen, abschirmen oder Schwerfolie?

Sanierung Blauer Turm: Wie laut wird"s für die Anwohner?

In verschiedenen Abständen zum Turm misst Bauphysiker Martin Tüllmann die Lärmemission beim Bohren mit seinem Handschallpegelmessgerät.

Überschreite der Lärm die zumutbare Grenze für die Anwohnerschaft, so könne der Arbeitsbereich zum Beispiel mit einer Schwerfolie abgedeckt werden, wodurch Schall abgefangen wird. "Man könnte auch die Bohrer abschirmen oder den kompletten Turm einhausen", zählt er auf. "Ob der Bau einer Einhausung allerdings leiser ist als das Bohren der Löcher - das bezweifle ich. Man muss das alles abwägen. Von der Erfahrung her würde ich aktuell sagen, dass der Baulärm in einem normalen Bereich liegt." Als Bauleiter müsse er alle Parteien im Blick behalten, sagt Stefan Schädel. "Natürlich könnten wir die Bereiche, in denen gebohrt wird, schalldicht abschirmen - aber was ist mit den Arbeitern? Die sind dann in einer Staubwolke eingeschlossen - das wäre Sklaverei."

Ein weiterer Anlass der Probebohrungen ist, zu prüfen, wie schnell die Bohrungen vonstatten gehen. "Obwohl man von solchen lokalen Tests nicht blindlings auf die gesamte Fassade schließen kann, und vor Widerständen im Mauerwerk ist man bei solch altehrwürdigen Objekten nie gefeit", weiß der Architekt. "Trotzdem: Wir wollten sehen, ob das Bohren wie geplant klappt, und diese Prüfung war erfolgreich."

Banner informieren über die Sanierung

Parallel zur Sicherung des Mauerwerks starten in circa einem Monat die Steinmetzarbeiten, beginnend am Turmaufsatz: Kaputte Steine werden durch neue Sand- und Muschelkalksteine von Steinbrüchen aus Bamberg und der Region ersetzt. "Fachleute aus dem Bereich Materialwirtschaft, dem Denkmalamt und Steinmetze wählen das Gestein sorgfältig aus, denn wir brauchen besonders gute Qualität, die dem Druck des Turmes standhält." Damit Passanten und Anwohner wissen, was am Turm los ist, sind nun drei Banner am Baustellenzaun angebracht, die über den Ablauf der Sanierung und die beteiligten Firmen informieren.

 

Die nächsten Schritte

Auch an der Turmhaube finden in den nächsten Wochen Wartungsarbeiten statt: Schieferplatten, Bleche und Holzleisten werden ausgetauscht. Die aus dem krebserzeugenden Stoff Eternit bestehende Regen- und Abwasserleitung im Inneren des Turms wurde bereits gegen einen flexiblen Schlauch getauscht. Außerdem wird das Treppenhaus für einige Zeit zurückgebaut und kommt raus, denn auch von Innen wird Mörtel ins Gestein eingebracht. "Dadurch kommt viel Feuchtigkeit ins Mauerwerk, und das tut der Treppe, die ja ein wesentlicher Teil des Kulturdenkmals ist, nicht gut. Nicht, dass sie uns wegschimmelt", sagt Architekt Stefan Schädel. 

 
 

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