Sanierung Blauer Turm: Mit dem Fuß am Abgrund

Bad Wimpfen  Das Wahrzeichen der Altstadt Bad Wimpfens wird bis Ende November komplett eingerüstet. Es folgen Steinmetzarbeiten und Mauerwerksicherung.

Von Kirsi-Fee Rexin
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Am Boden laden die Arbeiter Eisenstangen und -riegel in den Aufzug ein. Oben angekommen, werden sie zu Gerüstlagen verschraubt.

Fotos: Ralf Seidel

Es ruckelt kurz, dann setzt sich der Aufzug ratternd in Gang. Meter um Meter zieht der Metallkäfig ohne Dach die drei Männer mitsamt ihren 60 Eisenstangen und -riegeln am Schaft des Blauen Turms entlang nach oben. Vorbei an rund 800 Jahre altem Gestein, durch das sich tiefe Risse ziehen. Vorbei an der provisorischen Notsicherung, die das Wahrzeichen zusammenhält.

Vorbei an Blanca Knodels Türmerwohnung: "Guten Morgen! Na, bastelt ihr wieder?", begrüßt sie die Gerüstbauer aus dem gekippten Fenster. In luftigen 28 Metern Höhe ist Endstation an einer unfertigen Gerüstlage. Ganz oben sind sie noch nicht. Vier Meter müssen Manuel Bergmann, Massimo Dimauro und Mehmet Taskiran in den nächsten Tagen noch einrüsten. Erst dann können die eigentlichen, rund sieben Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten beginnen.

Höhe als Herausforderung

Mit dem Fuß am Abgrund

Anfang Oktober hat der Gerüstaufbau am Wahrzeichen begonnen.

Seit Anfang Oktober kümmern sich die Mitarbeiter der Firma Preuß aus Heilbronn um den Aufbau des Gerüsts am Wahrzeichen. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, für den ist allein die Fahrt nach oben eine Herausforderung. Der Wind braust einem um die Ohren und der Aufzug schaukelt leicht hin und her. Hinzu kommt die beachtliche Höhe: Wirkt der Blaue Turm von unten schon imposant, so ist der Blick von oben herunter noch um einiges spektakulärer.

Für Manuel Bergmann, Massimo Dimauro und Mehmet Taskiran ist das nichts Besonderes. Alle drei machen ihren Job schon jahrelang. "Es ist einfach Gewohnheit", erklärt Massimo Dimauro. Gerade sind die drei auf der Ostseite zugange und bewegen sich dabei auf den dünnen Metallbelägen in fast 30 Metern Höhe, als würden sie auf festem Boden stehen.

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Mit dem Fuß am Abgrund

Keine Höhenangst: Die Gerüstbauer arbeiten derzeit in 28 Metern Höhe.

Konzentriert und zügig verschrauben sie die Riegel, an denen sie die rund zehn Kilo schweren Metallstangen einhängen. Dabei sind sie nur wenige Zentimeter vom Abgrund entfernt, nur ein Gurt verhindert einen möglichen Absturz. Für eine Lage benötigen sie eine Stunde. "Das ist der schönste Job der Welt", findet Manuel Bergmann. "Wir sind immer an der frischen Luft, arbeiten ständig an anderen Plätzen und haben eine gigantische Aussicht", sagt der 43-Jährige.

Weitere Sanierungsmaßnahmen

"Ende November soll der Turm eingerüstet sein", verkündet Architekt Stefan Schädel vom Strebewerk Stuttgart die Planung. "Ich bin zuversichtlich, dass das klappt." Steht das Gerüst, beginnen die weiteren Sanierungsmaßnahmen. "Die Firma Bennert aus der Nähe von Thüringen wird sich um die Steinmetzarbeiten kümmern", berichtet Schädel. Einzelne Steine des Mauerwerks werden unter die Lupe genommen und gegebenenfalls ersetzt.

"Das Ziel ist aber, so viel Substanz wie möglich zu erhalten." Zeitgleich werden im Rahmen der Mauerwerksicherung Hohlstellen mit Mörtel verfüllt. Edelstahlstangen kommen ins Gestein. "Diese Spannung erhöht die Tragfähigkeit." Anschließend folgt die Reinigung. In zweieinhalb Jahren soll der Blaue Turm dann in neuem Glanz erstrahlen.

Vorkehrungen

"Wir sind bislang wirklich sehr zufrieden wie alles läuft", sagt Roland Löffler vom Amt für Bauen und Umweltschutz in Bad Wimpfen. Er kommt täglich auf die Baustelle und begutachtet den Fortschritt.

Wegen des Weihnachtsmarkts, der in wenigen Wochen startet, würden besondere Vorkehrungen zur Sicherung der Baustelleneinrichtung getroffen werden. "Es wird alles gut abgeschlossen und gesichert sein", so Löffler. 

 

 

 

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