Salzschmuggler im Neckarbecken

Bad Wimpfen  Um 1820 schmuggelten Hunderte Männer und Frauen Salz in die Nachbarstaaten. Das bislang kaum erforschte Kapitel aus Wimpfens Geschichte hat nun der Autor Günther Beck in einem Buch mit dem Titel "Schmugglernest Wimpfen" veröffentlicht.

Von Bigna Fink
Salzschmuggler im Neckarbecken
Der Kupferstich "Wimpfen am Berg"um 1820: Zu dieser Zeit schmuggelten Hunderte Männer und Frauen von der Stadt aus Salz in die Nachbarstaaten. Foto: privat

Mit Säcken voller Salz fuhren sie heimlich nachts mit Booten über den Neckar. Einzeln und später in Gruppen umgingen sie die Grenzkontrollen und den Einfuhrzoll. Hunderte Menschen versuchten vor 200 Jahren - nicht immer erfolgreich - das günstige Salz von der hessischen Exklave Wimpfen in die benachbarten Staaten Württemberg und Baden zu schmuggeln. Der Schleichhandel mit diesem Produkt setzte ein, als 1818 in Wimpfen ein Salzwerk, die Saline Ludwigshalle, gegründet wurde. Von der Bevölkerung wurden die Schmuggler zum Teil tatkräftig unterstützt.

Günther Beck ist großer Experte der Salzgeschichte

Das bislang kaum erforschte, kriminologische Kapitel aus Wimpfens Geschichte hat nun der Autor Günther Beck in einem Buch mit dem Titel "Schmugglernest Wimpfen" veröffentlicht. Beck kennt sich aus mit der Materie: Der 79-Jährige ist Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung der Salzgeschichte und Herausgeber des Magazins "Journal of Salt History". Seine Doktorarbeit verfasste er über die Betriebs- und Arbeitsorganisation der Salinen in Wimpfen.

Salzschmuggler im Neckarbecken
Günther Beck mit seinem neuen Buch "Schmugglernest Wimpfen". Foto: privat

Im Ruhestand gab Beck Vorträge über die Historie des "weißen Goldes", auch in der ehemaligen Buchhandlung von Edith Götzfried in Bad Wimpfen. Dort stieß das Thema Schmuggel auf reges Interesse. Der Historiker beschloss, tiefer zu graben.

Viel Recherche und Übersetzungsarbeit 

Die in der Saline Ludwigshalle lagernden Akten waren die Hauptquelle für seine Recherchen. Die Dokumente wurden Beck durch den Wimpfener Studienrat Reinhold Bührlen und den damaligen Werksleiter der Saline, Johannes Rodepeter, zugänglich gemacht. Im Stadtarchiv Wimpfen und den Staatsarchiven von Hessen, Württemberg und Baden fand er weitere relevante Quellen. Darunter waren zahlreiche, in der alten Schrift Sütterlin verfasste Gerichtsakten, die er in mühevoller Arbeit übersetzte.

Verlegerin Edith Götzfried ist froh über die Arbeiten Becks: "Es ist wichtig, dass sein wertvolles historisches Wissen über das Salz nicht verloren geht."

Die Mächtigen finanzierten sich mit den hohen Salzsteuern ihren Lebensstil

"Es ist die Geschichte von Reichtum und Armut, Gesetz und Bürgerlist", sagt Autor Günther Beck. In dem Buch erfahren die Leser von Justizfällen erwischter Schmuggler und viel über das geheime Treiben am Neckar. Etwa, dass das Volk zwar sehr an Hunger, aber nicht an Salzmangel litt.

Beck erzählt, dass es in den Nachbarstaaten reichlich von dem begehrten Mineral gab. Das war aber im Gegensatz zum Wimpfener privaten Salzunternehmen in staatlicher Hand. Die Mächtigen setzten hohe Steuern auf Salz aus den Salinen im badischen Rappenau oder dem württembergischen Friedrichshall, "vor allem, um ihren Lebensstil zu finanzieren", sagt Beck. Der Sack Salz in Wimpfen kostete dagegen nur die Hälfte.

Ein Ehepaar begab sich professionell auf illegale Wege

Viele Wimpfener zeigten sich Beck zufolge solidarisch mit den Zollumgehern. So habe sich das Schmugglerpaar Kullmann aus dem badischen Billigheim "wie ein kleines Unternehmen organisiert. Das Paar hat viele Aufträge bekommen, das waren richtige Profis." Wenn es dunkel wurde, fanden sie Unterschlupf bei einem Hohenstädter Wirt, der sie deckte. Eines Nachts erwischten Grenzsoldaten die beiden und schlugen sie nieder. Die Kullmanns und die Soldaten wurden anschließend in Mosbach verhört.

Immer wieder fand Beck in seinen Recherchen Zeichen des Widerstands und die Erwähnung der "Wimpfener Bewohner, die sich von der Obrigkeit nicht belehren ließen."


Zur Person

Günther Beck wurde 1939 in Böhmen geboren und wuchs nach dem Krieg in Neckarsulm auf, wohin seine Familie 1950 gezogen war. Nach dem Abitur am dortigen Gymnasium, dem heutigen Albert-Schweitzer-Gymnasium, studierte er Geographie, Geschichte und Wirtschaftswissenschaft. Er war Professor für Wirtschafts- und Sozialgeographie in Göttingen und Flensburg. Von ihm sind zahlreiche Schriften zur historischen Entwicklung der Salzindustrie erschienen. Heute lebt er in Göttingen.


 

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