Neustart für Circus Carl Althoff in Neckarsulm

Neckarsulm  Vier Wochen nach einem verheerenden Sturm gibt der Circus Carl Althoff seine erste Vorstellung. Für Besucher ist sie kostenlos - als Dank für alle, die die Zirkusfamilie in den vergangenen Wochen unterstützt haben. Es soll noch eine zweite Dankesvorstellung geben.

Die Artisten des Circus Althoff sind allesamt Profis. Lampenfieber kennen sie eigentlich nicht. Ihre Vorstellungen bringen sie routiniert über die Bühne. Doch seit ungefähr vier Wochen ist bei dem Zirkus, der nach einem Sturm um seine Existenz bangen musste, gar nichts mehr Routine. Und so war auch die Nervosität im ganzen Team groß, als es am Donnerstagabend in Neckarsulm-Amorbach wieder hieß: Manege frei!

Die Vorstellung war für die Besucher kostenlos - als Dankeschön an alle, die den Zirkus in den vergangenen Wochen unterstützt haben. "Das war das einzige, was wir machen konnten, um uns bei der Allgemeinheit zu bedanken", sagt Direktionsmitglied Joanna Weisheit. Eine zweite Dankesvorstellung findet am Donnerstag, 19. September, statt.

Kinder sind Teil der Show

Über 400 Zuschauer kommen zu der ersten Vorstellung seit des Unwetters. Da das Hauptzelt damals stark beschädigt wurde, tritt der Zirkus in einem geliehenen, kleineren Zelt auf. Nur eine Seite der Tribüne konnte aufgestellt werden, da die andere eingestürzt ist. Auf einer Seite sitzen die Zuschauer deshalb auf Stühlen, erklärt Weisheit. Manche bekommen nur noch Stehplätze, "abweisen mussten wir aber niemanden." Vor allem Familien mit Kindern nutzen die Gelegenheit, um sich die Zirkus-Vorstellung anzusehen. Und die Kleinen werden sogar Teil der Show. Immer wenn der Clown Freiwillige sucht, gehen zahlreiche Finger in die Höhe.

So auch beim fünfjährigen Loki. Er darf bei einer Nummer mit Hunden auf einem Stuhl Platz nehmen und hält einen silbernen Reifen mit ausgestreckten Armen nach oben. Auf ein Zeichen rennt einer der Vierbeiner los, springt ab und fliegt durch den Reifen und über Lokis Kopf. "Das war toll", sagt der Fünfjährige. Besonders gut gefallen ihm und seiner Sitznachbarin Jocy (5) aber auch die Pferde, die mit rot-gelbem Federschmuck auf dem Kopf vor ihren Augen vorbeitraben. Senior-Zirkuschef Stefan Frankordi dirigiert die stattlichen Tiere durch die Manege.

Akrobatik in luftiger Höhe

Mit großen Augen wandert der Blick nach oben, wenn die Artisten an Gurten durch die Luft fliegen, waghalsige Kunststücke in glitzernden Kostümen in einem Reifen unter der Zirkuskuppel zeigen und einarmige Handstände auf immer höher werdenden Gestellen machen. Die Mischung aus anmutiger Akrobatik, Tierdressur und witzigen Clownsnummern begeistert die großen und kleinen Zuschauer.

Spenden in Praxis gesammelt

Unter ihnen sind einige, die dem Zirkus in letzter Zeit unter die Arme gegriffen haben. Wie Siegfried Mössner, der in seiner Naturheilpraxis für Tiere in Lehrensteinsfeld Spenden in Höhe von ungefähr 500 Euro gesammelt hat. "Wir sind nach der Katastrophe gleich hergekommen und haben die Not gesehen", erzählt er. Nun freue er sich zu sehen, dass der Zirkus einen Neuanfang geschafft hat.

Als solchen versteht auch Joanna Weisheit den ersten Auftritt. In einer emotionalen Rede zum Ende der Vorstellung bedankte sie sich für die Spenden - es kamen bislang 23.000 Euro zusammen - aber auch für den "seelischen Beistand." Es habe anfangs so ausgesehen, als ob es mit dem Zirkus und seiner 150-jährigen Tradition zu Ende gehe, doch nun "hoffen wir, dass der Circus Althoff wieder einmal so werden kann, wie er war."


So geht es weiter

Der Circus Carl Althoff ist noch bis 22. September in Amorbach. Bis auf Dienstag und Mittwoch gibt es täglich Vorstellungen: werkstags um 17 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr. Dann zieht der Zirkus weiter nach Mosbach. Wäre der Sturm nicht gewesen, wäre das Team bereits in Wiesbaden, sagt Joanna Weisheit. Das beschädigte Hauptzelt soll in etwa zwei Wochen repariert sein. Ein neues Tierzelt und ein Bistrozelt müssen noch neu gebaut werden. Aber auch wenn der Zirkus noch lange nicht alles überstanden hat, „Neckarsulm ist für immer in unseren Herzen“, betont Weisheit.

 


Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller kam Anfang 2019 zur Heilbronner Stimme und schreibt nun seit September für die Regionalredaktion. Sie kümmert sich um Themen im östlichen und nördlichen Landkreis.

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