Kernkraftwerk Neckarwestheim: So soll es weitergehen

Neckarwestheim  Bis Ende 2018 sollen die Rückbaueinrichtungen für das Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) fertig werden. Im vergangenen Jahr machten vor allem die fünf Castortransporte Schlagzeilen.

Von Reto Bosch

Das Kernkraftwerk in Neckarwestheim: So soll es weitergehen

Die EnBW transportiert ausgediente Brennelemente von Obrigheim ins GKN-Zwischenlager nach Neckarwestheim.

Foto: Klug

 

Genauso wie das Ziel der Obrigheimer Castor-Schiffe bekannt war, steht fest, wohin die Reise für das Kernkraftwerk in Neckarwestheim geht: in den Ruhestand. Ende 2022 soll GKN II vom Netz gehen. Atomkraftgegnern dauert das viel zu lange. Sie nutzten die Schiffstransporte des Jahres 2017 ins GKN-Zwischenlager, um auf ihre Position aufmerksam zu machen. Abseits dieser Auseinandersetzungen läuft der Rückbau des 2011 abgeschalteten Reaktors GKN I. Und die Vorbereitungen für den Abschied von GKN II laufen bereits.

GKN I und GKN II - so soll es weitergehen:

Die EnBW arbeitet daran, GKN I abzubauen. Ein Mammutprojekt, das noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Insgesamt geht der Betreiber von 15 bis 20 Jahren aus. Hauptkühlmittelleitungen sind bereits abgetrennt, die Fachleute demontieren Einrichtungen des Reaktordruckbehälters unter Wasser. Damit ist die EnBW auch 2018 beschäftigt. Ein Jahr darauf steht die Zerlegung des Reaktordruckbehälters an, auch die mächtigen Dampferzeuger stehen 2019 auf dem Programm. Obwohl GKN II noch fünf Jahre Strom produzieren soll, hat der Karlsruher Energieversorger schon die ersten Rückbau-Anträge gestellt. Die Genehmigungsverfahren dauern in der Regel drei bis vier Jahre.

Um die Kernkraftwerke abbauen zu können, benötigt die EnBW für Neckarwestheim und Philippsburg ein Reststoffbearbeitungszentrum (RBZ) und ein Standortabfalllager auf dem Neckarwestheimer Gelände. "Dadurch wird eine Vielzahl an Transporten vermieden", erklärt das Unternehmen. Im Februar 2016 haben die Bauarbeiten begonnen, abgeschlossen sind sie noch nicht. Im RBZ sollen Anlagenteile zerlegt und so behandelt werden, dass sie entweder in den Wertstoffkreislauf abgegeben oder deponiert werden können. Die EnBW geht davon aus, dass die Einrichtung Ende 2018 fertig ist. Das Abfalllager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe ist deshalb nötig, weil das Endlager des Bundes, Schacht Konrad in Salzgitter vor 2022 nicht in Betrieb gehen kann.

Eine Frage beschäftigt die Gemüter besonders: Was geschieht mit Bauschutt, dessen Reststrahlung extrem niedrige Grenzwerte unterschreitet. Der gesetzliche Weg sieht vor, dass dieses sogenannte freigemessene Material auf spezielle Deponien gebracht werden soll. Dagegen formiert sich im Kreis Ludwigsburg Widerstand. Dieser ist für einen Teil des Materials zuständig, weil GKN I auch auf Gemmrigheimer Gemarkung steht. Nachdem der Aufsichtsrat der Abfallverwertungsgesellschaft Ludwigsburg im Dezember die Handlungsanleitung zum Umgang mit diesen Stoffen um weitere Sicherheitsmaßnahmen ergänzt hat, scheint etwas Ruhe eingekehrt zu sein. Der Landkreis Heilbronn entsorgt seinen Teil des freigemessenen Mülls auf der Heilbronner Deponie Vogelsang. Entsprechende Verträge wurden verlängert.

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Das ist 2017 passiert:

Die fünf - unfallfreien - Castortransporte von Obrigheim nach Neckarwestheim brachten die Region bundesweit in die Schlagzeilen. Zum ersten mal gingen in Deutschland Behälter mit hochradioaktiven Brennelementen auf einem Fluss auf die Reise. Damit kann die EnBW auf ein Zwischenlager in Obrigheim verzichten, der Standort wird viel früher kernbrennstofffrei als ursprünglich gedacht. Dafür stehen im GKN-Zwischenlager nach dem Betriebsende von GKN II irgendwann einmal insgesamt 140 Behälter - 15 davon stammen aus Obrigheim.

Atomkraftgegner halten von der Verlagerung gar nichts, weisen auf die Risiken hin, betonen, dass die laufenden Reaktoren weiter hochgefährlichen Atommüll erzeugen. Sie veranstalteten Protestaktionen an der Strecke, Demonstrationen, Mahnwachen. "Diese fünf Transporte lösen kein einziges Problem, aber sie schaffen ein Bündel neuer Probleme", meint etwa Franz Wagner von der Arbeitsgemeinschaft Atomerbe Neckarwestheim.

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