Hundebesitzer wehren sich gegen Steuererhöhung

Bad Friedrichshall  Hundebesitzer in Bad Friedrichshall müssen seit diesem Jahr 25 Prozent mehr Steuern zahlen. In einer Online-Petition gegen die Erhöhung haben bereits mehr als 200 Hundehalter unterschrieben. "Die Stadt braucht Geld", sagt Bürgermeister Timo Frey.

Von Michelle Christin List

Für viele Gemeinden ist die Hundesteuer eine wichtige Einnahmequelle. Foto: Archiv/dpa

"Wahrscheinlich ist es für die Katz", sagt Andreas Munz. Dabei ist seine Online-Petition für den Hund. Oder besser gesagt: für den Hundebesitzer. Denn dass der nun für seinen Vierbeiner 25 Prozent mehr Hundesteuer zahlen soll, findet der Bad Friedrichshaller unfair: "360 Euro kosten meine beiden Goldies jetzt zusammen. Das ist zu viel."

Hat der erste Golden Retriever von Munz im vergangenen Jahr noch 96 Euro gekostet, sind es jetzt 120. Die Steuern für den zweiten Hund hat die Stadt Bad Friedrichshall seit Jahresbeginn von 192 auf 240 Euro erhöht.

"Es kann nicht sein, dass immer die Hundebesitzer die Dummen sind", sagt Munz. "Wir werden die Steuererhöhung nicht akzeptieren", heißt es in seiner Petition. Über 200 Hundehalter haben sie mittlerweile unterschrieben.

Mit 120 Euro für den Ersthund ist Bad Friedrichshall an der Spitze

"Die Stadt braucht Geld", betont Timo Frey, Bürgermeister von Bad Friedrichshall. Deshalb wurden zum Beispiel auch die Gewerbesteuer, die Vergnügungssteuer oder der Eintritt ins Freibad erhöht. Wenn es der Gemeinde finanziell besser gehe, könne man die angehobenen Steuersätze ja eventuell wieder senken, so Frey. Dass das jemals passiert wäre, sei ihm aber nicht bekannt.

Zuletzt wurden Bad Friedrichshaller Hunde im Jahr 2004 teuerer. "Aber nirgendwo sind Hunde so teuer wie in Bad Friedrichshall", betont Munz. "Selbst die Stadt Heilbronn ist mit 110 Euro billiger." Frey gibt zu: "Wir sind hier mit 120 Euro wirklich an der Spitze." Aber es gebe auch Städte wie Mainz oder Wiesbaden, wo der Ersthund mindestens 60 Euro teuerer sei.

Hunde aus dem Tierheim kosten im ersten Jahr keine Steuern

Was Munz und die anderen Hundebesitzer besonders ärgert: Die Hundesteuer ist nicht zweckgebunden. Sie fließt also in die Kasse der Stadt, wird aber nicht für die Beseitigung von Hundekot oder für neue Hundebeutel-Stationen genutzt.

Timo Frey widerspricht: "Überall in der Stadt stehen kostenlose Hundestationen. Auch im Rathaus gibt es kostenlose Beutel." Außerdem unterstütze die Stadt Bad Friedrichshall finanziell das Tierheim. "Und wer Hunde aus dem Tierheim übernimmt, der muss im ersten Jahr keine Steuern zahlen", betont Frey.

Für Andreas Munz sind Hunde kein Luxusgut

Und er ergänzt: "Eine Hundesteuer soll gar nicht zweckgebunden sein. Als Luxussteuer soll sie den Bestand regulieren und zur Gesamtfinanzierung des Haushalts beitragen." Munz kann das nicht verstehen: "Ein Hund ist doch kein Luxusgut, sondern Sozialpartner."

Bei der Bürgerfragestunde in der Gemeinderatssitzung konnte der DJ und Event-Veranstalter aus beruflichen Gründen nicht anwesend sein. Warum auch kein anderer Hundebestitzer sich zu Wort meldete, das verstehe Munz nicht.

Munz will nicht provozieren

Plant er neben der Petition noch weitere Aktionen? "Nein, ich will nicht provozieren, sondern auf vernünftiger Basis diskutieren. Es würde auch nichts bringen, wenn wir mit 100 Hunden eine Demo vor dem Rathaus machen würden. Am Ende würde das nur irgendwelche Hundehasser animieren."

Bis nach Ostern will Munz noch weiter Unterschriften sammeln. "Mal schauen, ob sich bis dahin noch was bewegt. Vermutlich aber nicht." Frey sieht das ähnlich: "Selbst wenn die Unterschriftenliste dem Gemeinderat vorgelegt wird, wird er die Steuer nicht rückgängig machen. Denn dann müsste ja das gesamte Steuerpaket gesenkt werden."

 


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