Hund, Frauchen und ein Weltmeistertitel

Oedheim  Katharina Rohr hat mit Ätsch an Hundesport-WM in der tschechischen Republik teilgenommen und gemeinsam mit fünf weiteren deutschen Mensch-Hund-Teams den Mannschafts-Weltmeistertitel geholt.

Von Kirsi-Fee Rexin
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Katharina Rohr beim Training mit Ätsch am Ortsrand von Oedheim: Auf das Kommando "Pack" hin versucht Ätsch, den Ball zu schnappen. Foto: Andreas Veigel

Die Sonne strahlt mit voller Kraft vom Himmel. Katharina Rohr steht auf einem Acker im tschechischen Pisek. Sie kennt das Gelände nicht, ein Lotse hat sie hierher gebracht. Zehn Meter entfernt schnüffelt Ätsch konzentriert den Boden ab. Über die Leine zieht der Malinois, eine Varietät des belgischen Schäferhunds, die Oedheimerin in eine bestimmte Richtung. Der karamellfarbene Rüde hat eine Fährte aufgenommen. Plötzlich legt er sich auf den Boden, zeigt damit an, dass er etwas gefunden hat. Zwischen seinen Vorderpfoten liegt ein Gegenstand.

Mit einem Blick zu den beiden Wertungsrichterinnen holt sich Katharina Rohr die Erlaubnis, zu Ätsch gehen und das Stück Kork aufheben zu dürfen. Kommunizieren darf sie in diesem Moment mit dem Rüden nicht, das würde Punktabzug bedeuten. Denn in der Internationalen Gebrauchshunde-Prüfung (IGP) ist alles strikt vorgegeben. Gemeinsam mit fünf weiteren deutschen Mensch-Hund-Teams hat Katharina Rohr in dieser Sparte des Hundesports den Mannschafts-Weltmeistertitel geholt.

Passion Pferde und Hunde

"Pferde und Hunde haben es mir schon in der Jugend angetan", schwärmt Katharina Rohr. Allerdings sind ihre Eltern gegen die Anschaffung eines Hundes. Bei einem Tierheimbesuch verliebt sich Rohr in den Dobermann-Mischling Maxx. Dass sich der fünfjährige Rüde aggressiv gegenüber Artgenossen verhält, schreckt sie nicht ab. "Ich hab mir das zugetraut." Rohr entscheidet sich für Maxx und zieht mit 18 Jahren von Zuhause aus. Sie besucht Seminare und lernt viel über das Verhalten von Hunden. Sie schafft es, Maxx zu sozialisieren. "So bin ich dann auch irgendwann in den Hundesport reingerutscht", erinnert sich die 36-Jährige.

"Belgische Schäferhunde sind Workaholics"

Mit Strike zieht der erste belgische Schäferhund bei ihr ein, einige Jahre später folgt Ätsch. "Malinois sind super Familienhunde, wenn man sie entsprechend auslastet", weiß Rohr. "Sie sind richtige Workaholics. Sie wollen immer arbeiten - geistig und körperlich." Vor allem Ätsch, der in Folge eines Blutergusses ein Ohr nicht mehr aufrichten kann, sei ein sehr bewegungsfreudiges Exemplar. Rohr trainiert täglich mit den Vierbeinern und besucht regelmäßig Wettkämpfe.

2018 qualifiziert sich Rohr mit Ätsch beim Championat des Deutschen Malinois Club (DMC) im niedersächsischen Syke für die Weltmeisterschaft.

Training auf dem Acker und dem Sportplatz

Fortan intensiviert die Projekttrainerin das Training. Übt täglich mehrere Einheiten mit Ätsch. Um die Kondition zu stärken, lässt sie Ätsch neben dem Fahrrad herlaufen. Sie fragt bei Landwirten in Oedheim an, ob sie auf deren Felder Kommandos wie Sitz, Platz und die Fährtensuche üben kann. Bürgermeister Matthias Schmitt gibt sein Okay für Trainingseinheiten auf dem Degmarner Sportplatz. "Der Hund muss lernen, sich auch in einer fremden Umgebung zu konzentrieren", erklärt Rohr. Ätsch bekommt zusätzlich Physiotherapie, um gezielt Muskeln aufzubauen. Während des Trainings ist der vierjährige Sohnemann Lukas meist mit von der Partie. Nach getaner Arbeit gibt es für Ätsch ein Spiel mit seinem Lieblingsball, eine Runde Planschen im Kocher oder etwas Käse.

Disziplinen

Im Mai ist es soweit: Mit Freundin Verena Koehnke und Ätsch fährt Rohr in die tschechische Republik. "Ich war angespannt und auch noch erkältet", erzählt die Hundetrainerin. Mit 93 von 100 erreichbaren Punkten besteht Ätsch die Fährtensuche auf dem Acker. In der zweiten Disziplin "Schutzdienst" muss er einen Scheintäter stellen und ihm dafür in den behandschuhten Arm beißen. Ätsch verletzt sich dabei im Nacken. "Aufgrund dessen habe ich ihn nicht mehr zur letzten Prüfung, der Unterordnung, antreten lassen. Er ist ja kein Sportgerät." Damit scheiden sie aus dem Wettbewerb aus. Doch die gute Punktzahl der ersten beiden Prüfungen fließt in die Wertung der deutschen Mannschaft ein, und das reicht für den Weltmeistertitel.


Details zur WM

Bei der WM in der tschechischen Republik sind Teilnehmer aus 40 Nationen und 200 Hunde angetreten. Geprüft wird in den Disziplinen Fährte, Unterordnung und Schutzdienst. Die Sparte IGP ist einer der ältesten Zweige der Hundeausbildung.

 


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