Großer Run auf die Ganztagsschule in Jagstfeld

Bad Friedrichshall  53 Prozent der Grundschüler sind für die neue, offene Form in Jagstfeld angemeldet. Die Variante mit drei Tagen zu je sieben Stunden ist gewählt worden. Künstlerische, sportliche, sprachliche und technische Angebote gibt es am Nachmittag.

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Schulleiterin Kerstin Walter (links) und Ann-Katrin Schmauder, die das Sachgebiet Bildung und Betreuung bei der Stadt leitet, im neuen Werkraum. Dieser wird künftig auch für die Nachmittagsangebote genutzt.

Foto: Mario Berger

Das hatte sie nicht erwartet: "Wir wurden überrannt von den Anmeldungen", sagt Kerstin Walter. 53 Prozent der Schüler wollen von Anfang an mit im Boot sein bei der freiwilligen Ganztagsschule in Jagstfeld. Das hat die Schulleiterin und das Kollegium positiv überrascht. "Normal sind 30 bis 40 Prozent, habe ich gehört", meint Walter.

Am 11. September beginnt an der Bildungseinrichtung in Bad Friedrichshall eine neue Ära. Damit gibt es in der Kernstadt dann alle drei Formen: in Kochendorf die "normale", verlässliche Grundschule, in Hagenbach die verbindliche Ganztagsschule und in Jagstfeld die offene. "Die Schüler freuen sich", weiß Walter und hat schon vor den Sommerferien eine Aufbruchsstimmung gespürt.

Schulleiterin ist vor dem Start freudig angespannt

"Ich bin angespannt, freudig gespannt", sagt Walter, die Ende Juli Nachfolgerin des verstorbenen Rektors Gerald Losert wurde. "Wir wollen es so gut wie möglich machen." Die Eltern hätten der Schule einen Vertrauensvorschuss gegeben. 98 der 185 Erst- bis Viertklässler werden an drei Tagen sieben Stunden unterrichtet und betreut. Und was nicht nur die Kinder, sondern auch den Lehrern ganz angenehm ist: Es geht künftig eine halbe Stunde später in den Klassenzimmern los, erst um 8 Uhr.

Eine große Vesperpause und zwei Bewegungspausen sind in den Vormittag eingebaut. Mittags ist eine Stunde Zeit für Essen - das in der Mensa des Gymnasiums eingenommen wird - für Spiel- und Ruhephasen. Von 13.25 bis 14.10 Uhr ist montags, mittwochs und donnerstags Lernzeit. Walter ist stolz, dass hier nicht nur die Lehrer bei den Hausaufgaben helfen, sondern die Stadt auch die Kernzeitbetreuerinnen einsetzt. "Diese doppelte Besetzung ist außergewöhnlich", sagt die Schulleiterin. Überhaupt ist sie voll des Lobes über die "grandiose Unterstützung" der Stadt.

FSV Bad Friedrichshall und VHS machen mit

Das Kernzeitpersonal ist auch bei den Nachmittagsangeboten der freiwilligen Ganztagssschule dabei. Der FSV Bad Friedrichshall ist mit "Kiss" vertreten, der Kindersportschule. Die VHS ist für die Medien- und Sprach-Arbeitsgemeinschaften zuständig. Lernbegleiter sorgen für die Öffnungszeiten der Schulbücherei. Walter konnte auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen, wie sie anmerkt. Es sei nicht schwierig gewesen, Verein und VHS zu gewinnen.

Für jede der vier Lerngruppen der einzelnen Klassenstufen bekommt die Grundschule sechs zusätzliche Lehrerstunden. So fällt das Nachmittagsangebot umfangreich aus mit Koch- und Back-AG, Näh- und Märchenwerkstatt, Naturentdeckung oder Werkeln im neuen Werkraum, den die Stadt in den Sommerferien für 35.000 Euro als zusätzlichen Fachraum geschaffen hat. Zudem, so Walter, könne die Peripherie mit Wald, See und Gaudium eingebunden werden.

"Es ist alles abgedeckt: das Künstlerische, Sportliche, Sprachliche, Technische. Wir bieten die ganze Bandbreite an, um möglichst viele Interessen und Talente abzubilden", ergänzt Walter.

Schüler, Lehrer und Eltern müssen sich umstellen

Die neue Schulform bedeute eine Umstellung für alle, für die Schulleitung, die Lehrer, die Schüler und die Eltern, die in einem Arbeitskreis am neuen Konzept mit eingebunden waren. Walter erinnert an einen holprigen Start vor rund fünf Jahren. Anfangs habe es Unstimmigkeiten zwischen Schulleitung und Eltern über das richtige Konzept gegeben. 71 Elternstimmen waren für die freiwillige Ganztagsschule, 45 für die verbindliche. Dann habe man sich auf die drei-, statt die viertägige Ganztagsschule mit sieben statt acht Stunden geeinigt.

Diese Form sei bei der Elternumfrage am stärksten nachgefragt worden. Mit der Wahlform - Halbtags- oder Ganztagsschule - bediene man die unterschiedlichen Lebenskonzepte, meint Walter. Eltern, die für ihre Kinder die Ganztagsschule benötigen, werden finanziell entlastet, weil sie weniger Kernzeitenbetreuung buchen müssen.

"Das Vorbereitungsjahr war schon sehr aufwendig", gibt Walter zu. Die Vorfreude entschädigt jedoch. Auch im Lehrerkollegium macht die Schulleiterin eine positive Grundstimmung aus.

Zu den Klassen und zur Kernzeitbetreuung

Die Grundschule Jagstfeld ist in allen Klassenstufen zweizügig. Von den 48 Abc-Schützen werden ab September 28 die freiwillige Ganztagsschule besuchen. In Klasse zwei sind es 23 von 40 Kindern, in Klasse drei ebenfalls 23 von 50 Mädchen und Jungen. In Klasse vier ist die Quote am geringsten. Hier sind nur 19 von 48 Kindern für die neue Form angemeldet. Das Lehrerkollegium besteht aus 13 Pädagogen, darunter sind zwei männliche. Auch Ganztagsschüler können weiterhin die Kernzeitbetreuung in Anspruch nehmen, vor dem Unterricht von 7 bis 8 Uhr und nach den Nachmittagsangeboten von 15 bis 17 Uhr.

Fürs nächste Schuljahr sind laut Schulleiterin Kerstin Walter 62 Mädchen und Buben aus der Halbtags- und freiwilligen Ganztagsschule für die Kernzeitbetreuung angemeldet. Es sind verschiedene Module buchbar. Da das Kernzeitpersonal auch in der neuen Schulform eingesetzt ist, hat die Stadt den Umfang um 24 Wochenstunden erhöht, so dass künftig der Stellenanteil 325 Prozent beträgt.

"Wir waren von den Räumen und der Umgebung prädestiniert für die freiwillige Ganztagsschule", sagt Schulleiterin Kerstin Walter. Mit den Gegebenheiten komme man gut hin. Nachmittags seien die Klassenzimmer multifunktional nutzbar. Es gibt Fachräume wie Werk- und Computerraum, ein Vorbereitungszimmer und einen Rückzugsraum für die Lehrer. Die Schulsozialarbeiterin hat ihren eigenen Bereich.

 


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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