Fotografien zeigen, wie das zerstörte Neckarsulm wiederaufgebaut wurde

Neckarsulm  75 Jahre nach dem Angriff auf Neckarsulm widmet sich eine Foto-Ausstellung in der Volkshochschule dem Wiederaufbau der Stadt. 34 Doppelfotos stellen Szenen der Zerstörung dem heutigen Neckarsulm gegenüber - es ist die Arbeit von Schülern des Albert-Schweitzer-Gymnasiums.

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Die mächtige Stadtkirche und das Neckarsulmer Rathaus haben dem Angriff der Alliierten getrotzt: Die zentralen Gebäude recken sich auf dem Foto aus den 1940er Jahren in die Höhe, während drumherum Schuttberge liegen und Fassadenreste stehen. 75 Jahre später: Neckarsulm prosperiert. Gebäude stehen. Ein Kran im Hintergrund zeigt, dass die Grenzen des Wachstums nicht erreicht sind.

Zwei Fotos stehen für den Wiederaufbau der Stadt

Den Wiederaufbau der Stadt symbolisieren diese beiden Fotos eindrucksvoll: Das Historische, aufgenommen nach der Zerstörung am 1. März 1945, stammt aus dem Fundus des Heimat- und Museumsvereins Neckarsulm. Das zweite haben Elftklässler des Kunst-Grundkurses des Albert-Schweitzer-Gymnasiums fotografiert - in ähnlicher Perspektive. Insgesamt werden 34 Doppelfotos in einer Ausstellung ab März in der Volkshochschule zu sehen sein. An der Vernissage bringen sich vermutlich auch Neuntklässler mit ein.

Jugendliche steuern Drohne über der Innenstadt

Kiara Grunwald und Eray Gültekin starren auf den kleinen Kasten, den die Jugendliche in der Hand hält. Er hat einen Bildschirm und Hebel, mit denen sie eine Drohne in Richtung Rathaus und Kirche steuert. Zu sehen ist, was die Drohnen-Kamera im selben Moment einfängt. Eray Gültekin blickt auf die historische Aufnahme, dann auf den aktuellen Ausschnitt: "Ich glaube, da ist alles drauf." Mit dem Flug sind die beiden zufrieden. "Es macht Spaß", sagt er.

Fünf historische Motive bringen die beiden so ins 21. Jahrhundert, gut 150 Aufnahmen haben sie an diesem Vormittag gemacht. "Ich finde es toll, dass man uns ausgesucht hat", sagt Kiara Grunwald. Auch Eray Gültekin ist froh, dass er sich einbringen kann. "Man sieht auf den Bildern, wie sich Neckarsulm entwickelt hat." Ums Fotografieren ging es bereits im Unterricht, erzählt die Lehrerin Julia Kopecki. Zudem sei auch thematisiert worden, wie in der Kunst mit Erinnerungsarbeit umgegangen werde.

Zerstörung Neckarsulms: Gymnasiasten beteiligen sich an Foto-Projekt
Die Gymnasiasten Tom Plieninger (von links), Ben Lombacher und Mihailo Vasovic kümmern sich um Motive mit der Stadtkirche. Foto: Simon Gajer

Fürs Gymnasium ist es das erste Projekt mit Bezug zur Stadtgeschichte seit langem

Schüler engagieren sich in der Stadt, das ist nächsten Sonntag eindrucksvoll zu erleben: An der Andacht zum Volkstrauertag am Sonntag, 17. November, ab 17.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Dionysius sind auch Gymnasiasten und Jugendliche der Hermann-Greiner-Realschule beteiligt.

Direktor Marco Haaf überlegt: Für das Gymnasium ist trotzdem das Foto-Projekt seit langem wieder das erste an der Schule mit einem direkten Zusammenhang zur Stadtgeschichte. Seiner Ansicht nach profitieren die Jugendlichen davon - gerade auch im Unterricht, wenn es in den Stufen neun und 13 um den Zweiten Weltkrieg geht. Durch solche Aktionen gebe es einen lokalen Bezug, sagt der Direktor.

Zerstörung Neckarsulms: Gymnasiasten beteiligen sich an Foto-Projekt
Kiara Grunwald und Eray Gültekin steuern eine Drohne über Neckarsulm. Foto: Simon Gajer

Heimatverein will mehr Jugendliche für die Stadtgeschichte begeistern

Davon könnte es noch mehr geben. Respektvoll berichtet Bernd Herrmann, Vorsitzender des Heimatvereins, davon, dass in anderen Orten Hobbyforscher und Schulen sehr eng miteinander kooperieren. So etwas schwebt ihm auch in Neckarsulm vor. 200 Mitglieder habe zwar der Verein, doch der Altersdurchschnitt liege bei 75 Jahren.

Er wünscht sich, dass langfristig noch mehr Schüler über Neckarsulm forschen. Die Fotoausstellung sei die erste Aktion, mit der bei Jugendlichen das Interesse für Stadtgeschichte geweckt werden solle, sagt Bernd Herrmann, der dem Gymnasium für die Zusammenarbeit dankt. Als er die Idee präsentierte, habe er offene Türen eingerannt.

Der Wiederaufbau hat es in sich, manche historische Aufnahme konnte nicht wiederholt werden, berichtet das Schülertrio Ben Lombacher, Tom Plieninger und Mihailo Vasovic. "Es sind viele Häuser neu gebaut worden, wir hatten manchmal keinen guten Blick", erzählt Ben Lombacher. Das Projekt sagt ihm zu. "Man sieht die Auswirkungen der Zerstörung und wie Neckarsulm wieder aufgebaut wurde." Am Interessantesten findet Tom Plieninger, dass die katholische Kirche weitestgehend stehen blieb, während der Rest von Neckarsulm zerstört war.

 


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen in Neckarsulm, Ilsfeld, Untereisesheim und Weinsberg.

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