Es ist leichter, eine Kita zu bauen als Personal zu finden

Erlenbach  Die Einrichtung im Erlenbacher Schanzweg wird derzeit für eine knappe Million Euro umgebaut. Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen, bald geht es mit dem zweiten los.

Email
Es ist leichter, eine Kita zu bauen als Personal zu finden

Erlenbachs Bürgermeister Uwe Mosthaf (links) und Haupt- und Bauamtsleiter Andreas Fleisch studieren vor Ort die Unterlagen für die weiteren Bauabschnitte der Kita Schanzweg.

Foto: Dennis Mugler

Ein wichtiges Etappenziel ist geschafft: Der erste Bauabschnitt beim Umbau der Kita Schanzweg in Erlenbach ist abgeschlossen. Ab der kommenden Woche kann der neue Anbau zumindest in Teilen genutzt werden. Demnächst geht es mit Abschnitt zwei los: Abbruch des alten Anbaus an das traditionsreiche Gebäude und Neubau des Treppenhauses.

Ein Badehaus für alle

Von außen sieht das helllila-blassblau gestrichene Haus eher unscheinbar aus. Doch es hat seine Geschichte: 1926 erbaut, zu einer Zeit, da Bäder in Privathäusern in etwa so selbstverständlich waren wie Bananen auf dem Mars, beherbergte das Gebäude nicht nur die "Kinderschule", sondern im Keller auch ein öffentliches Dorfbad. Einen kleinen Turnsaal gab es ebenfalls. Für die Kinder war eine Ordensschwester zuständig. Erst als es etwa 100 Jungen und Mädchen waren, wurde ihr laut Ortschronik eine Helferin zur Seite gestellt - ein Personalschlüssel, der heutzutage undenkbar wäre.

Das Klagelied vieler Kommunen

Apropos Personal: Erlenbach geht es wie vielen anderen Kommunen: Laufend sucht die Gemeinde Personal - mit wenig Erfolg. Rathauschef Mosthaf stimmt in das Klagelied seiner Kollegen ein und sagt: "Es ist leichter, eine Kita zu bauen, als Personal zu finden."

Dann also lieber bauen. In etwa zwei Wochen, schätzt Haupt- und Bauamtsleiter Andreas Fleisch, geht es los mit dem Abbruch des alten Anbaus an den Kindergarten. "Das wird dann ein bisschen laut." Die bisherigen Anbauarbeiten hätten den Alltag im Kindergarten kaum beeinträchtigt. Das bestätigt Einrichtungsleiterin Sandra Melzer. "Wir haben nicht viel Störung, sondern nur beschäftigte Kinder", sagt sie und lacht. Die Jungen und Mädchen finden es natürlich aufregend, wenn immer wieder Handwerker auftauchen. "Wir freuen uns aber auch, wenn alles fertig ist", schaut Sandra Melzer nach vorne.

Immerhin: Die neuen Sanitär- und Wickelräume sind ab nächster Woche nutzbar. In freundlichem Lindgrün strahlt der Linoleum im Flur des neuen Anbaus. Niedlich sind die Mini-Toiletten mit rutschfesten Klobrillen. Am Montag geht eine Putztruppe durch. Bis auch die neue Küche mit dem Gastro-Aufzug - nur Essen passt rein, kein Mensch - nutzbar ist, dauert es noch etwas.

Der weitere Zeitplan

Bauamtsleiter Fleisch geht im Geist den weiteren Zeitplan für die Kita durch, die seit Anfang des Jahres eine Baustelle ist. Nicht nur der Anbau wurde hochgezogen, auch im Bestand wurde einiges auf Vordermann gebracht: Böden, Beschattung und Beleuchtung zum Beispiel.

In etwa zwei Wochen wird der alte Anbau abgerissen. "Völlig ausgeschlossen" sei es gewesen, die alten Toiletten zu sanieren, sagt Fachmann Fleisch. Das hätte sich nicht mehr gelohnt. Im zweiten Bauabschnitt wird auch das neue Treppenhaus samt neuem Eingangsbereich gebaut.

Neue Plätze werden dringend gebraucht

"Im dritten Abschnitt wird dann das alte Treppenhaus zurückgebaut und die Geschossdecke geschlossen." Der Deckenschluss ist für die Sommerferien 2020 vorgesehen. "Drei Wochen sollten dafür reichen", sagt Andreas Fleisch. Dadurch, dass die Geschossdecke geschlossen wird, entsteht neuer Raum - rund 200 Quadratmeter für eine weitere Gruppe samt Nebenräumen. Das ist dann die vierte im Schanzweg; sie bietet 25 Plätze. Diese werden laut Bürgermeister Uwe Mosthaf auch dringend gebraucht.

Hier ging der Bürgermeister in den Kindergarten

Die reinen Baukosten beziffert der Erlenbacher Rathauschef, der übrigens selbst seine Kindergartenzeit im Schanzweg verbracht hatte, mit rund 900 000 Euro. Es gibt einen Landeszuschuss in Höhe von 130 000 Euro. Nicht eingerechnet sind weitere Kosten wie etwa das Honorar für Architekt Jürgen Galetzka, der auch die Baustelle gegenüber, die alte Schule, betreut. Nicht eingerechnet ist zudem der Außenbereich zwischen Kita und alter Schule, der auf Vordermann gebracht werden muss - zumal der Gemeinde inzwischen der Schnipsel mit dem Schuppen zwischen den beiden Gebäuden gehört. Der Schuppen wird abgerissen.


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

Kommentar hinzufügen