Das sind die neuen Pächter am Erlenbacher Marktplatz

Erlenbach  Gerüchte gab es schon, doch nun hat der Bürgermeister es offiziell verkündet: Jochen und Tina Müller werden die künftige, gemeindeeigene Gaststätte am Erlenbacher Marktplatz pachten.

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Gemütlich, aber nicht im Schwarzwald-Look

Noch sind es nur Werbebanner. Doch Uwe Mosthaf (li.) und die künftigen Gaststättenbetreiber, Tina und Jochen Müller, freuen sich schon auf das Bauvorhaben.

Foto: Krezer

Diese Chance lassen sie sich nicht entgehen: Tina und Jochen Müller werden das Lokal pachten, das die Gemeinde am Marktplatz bauen will - nur einen Katzensprung entfernt vom "Traubenkeller", der seit Generationen in der Hand der Müllers ist.

"Es hat alles gepasst. Die beiden brennen drauf, und die ganze Familie steht dahinter": Bürgermeister Uwe Mosthaf freut sich auf das, was die Eheleute im Ortskern vorhaben.

Bürgermeister lüftet das Geheimnis

Gerüchtehalber ist er schon gefallen, der Name Müller, wenn es um die Frage ging: Wer macht's? Wer betreibt einmal die Gaststätte in dem geplanten Ensemble mit vier Gebäuden, das dem Erlenbacher Marktplatz ein neues Antlitz verleihen wird?

Nun hat Bürgermeister Mosthaf das Geheimnis gelüftet und Tina und Jochen Müller als Betreiber präsentiert. Dass der Gemeinderat sich in nichtöffentlicher Sitzung für sie entschieden hatte - fünf Bewerbungen waren eingegangen, drei waren in der engeren Auswahl - dafür gibt es mehrere Gründe.

Beide wissen, was auf sie zukommt

Gastronomie ist ein hartes Brot - und die Eheleute wissen das. Tina Müller arbeitet derzeit im Verkauf der Schlosskellerei Affaltrach, ist gelernte Restaurantfachfrau und hat eine Weiterbildung zur Sommelière gemacht. Jochen Müller ist Küchenmeister und kocht im Neckarsulmer Audi-Restaurant "Nuvolari". Seit drei Generationen betreibt Jochen Müllers Familie den "Traubenkeller", die Wirtschaft im Gewölbekeller, nur ein paar Meter vom Marktplatz entfernt.

Jochen Müller wird die vierte Generation sein, denn mit dem neuen Projekt wird er den "Traubenkeller" von seinen Eltern Theo und Rose Müller übernehmen, die dann in den Ruhestand gehen. Schon jetzt hilft der 38-Jährige im Lokal, das nur für geschlossene Gesellschaften oder zu bestimmten Anlässen geöffnet ist.

Und über dem "Traubenkeller" wohnen Tina und Jochen Müller mit ihren beiden Töchtern (elf und zwölf Jahre). Auf der einen Seite ein uriger Gewölbekeller, auf der anderen ein Lokal mit hellem, modernen und luftigen Ambiente: Dieser Kontrast reizt die beiden Erlenbacher, und er spornt sie an.

Muss eine Kommune sich in der Gastronomie engagieren?

Ist es tatsächlich Aufgabe einer Gemeinde, sich in der Gastronomie zu engagieren? Eine Pflicht ist das natürlich nicht. Aber es werde immer wichtiger, dass sich eine Kommune in Bereiche einbringe, die die soziale Infrastruktur betreffen - wie zum Beispiel auch beim Ärztehaus. Woanders - in Ellhofen oder Lehrensteinsfeld etwa - ist das ebenso.

Auch weil das Haus mit der Gastronomie den Marktplatz beleben soll - bei schönem Wetter wird draußen bewirtet - und weil es an ortsbildprägender Stelle steht, ist es dem Rathauschef wichtig, dass die Gemeinde "den Daumen drauf hat". Das heißt eben: Eines der vier Häuser lässt die Kommune auf eigene Kosten errichten.

Ein Millionenprojekt in der Ortsmitte

Darin untergebracht sind die Gaststätte samt Saal mit insgesamt 90 Sitzplätzen sowie eine Wohnung. Das Haus soll komplett an die Müllers vermietet werden. Einen Vertrag gibt es noch nicht, wohl aber eine Absichtserklärung. Außerdem ist eine Pachtspanne vereinbart worden, so Uwe Mosthaf.

Der Mietpreis orientiert sich, wenn es so weit ist, an den tatsächlichen Investitionskosten. Bauamtsleiter Andreas Fleisch kalkuliert mit rund einer Million Euro. Die Kosten des Investors - das ist die örtliche Baufirma Vogt - für den Rest beziffert Fleisch mit vier Millionen Euro.

Auf der Brachfläche ist eine hochwertige Bebauung mit insgesamt zwölf Wohnungen und einer Tiefgarage geplant. Wichtig ist Mosthaf: "Wir subventionieren die Gastronomie nicht. Denn es soll ja eine marktgerechte Miete gezahlt werden."

Schwäbische Küche mit Potenzial für mehr

Wie darf man sich das Lokal vorstellen? "Schwäbische Küche mit Potenzial für mehr" will Jochen Müller den Gästen servieren und viele regionale Produkte verwenden. Dazu soll es "eine schöne Weinkarte" geben, sagt Tina Müller. Mehr verrät das Ehepaar nicht.

Und die Einrichtung? Auch da geben die Müllers nicht viel preis: "Gemütlich soll es werden - aber nicht im Schwarzwald-Look." Der Name ist auch noch geheim. "Wir haben einen. Aber den kennt nur die Familie."

So sieht der Zeitplan aus

Im August erteilte der Gemeinderat dem Bauvorhaben am Marktplatz, das schon länger diskutiert wird und dem ein Architektenwettbewerb vorausgegangen war, das Einvernehmen. Jetzt ist es zur Bearbeitung im Landratsamt. "Wir hoffen, dass wir in drei, vier Monaten ein genehmigtes Baugesuch haben", sagt Bauamtsleiter Andreas Fleisch. Ziel sei, vorab eine Teilbaugenehmigung zu bekommen, um zügig mit Gründungs- und Aushubarbeiten beginnen zu können.

Im Idealfall soll das Kellergeschoss bis zum Erlenbacher Weinfest 2020 eine Decke haben, damit die Flächen dahinter für das Fest nutzbar sind. Wann könnte das elf Ar große Areal bezugsfertig sein? Fleisch:"Es gibt noch ein paar Unbekannte. Wir brauchen noch ein paar Fachplaner." Im Idealfall wäre es in etwa zwei Jahren bezugsfertig.

 


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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