Bürgerinitiative will keine Lidl-Tangente

Bad Wimpfen  Mit 733 Unterschriften stoßen Einwohner von Bad Wimpfen einen Bürgerentscheid an: Ziel ist, einen Ratsbeschluss aufzuheben, der den Bau einer Teilumgehung vorsieht.

Von Petra Müller-Kromer
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Bettina Scheid-Mosbacher und Silke Baltrusch (rechts) von der BI "Wimpfen entlasten" überreichen Bürgermeister Claus Brechter die Unterschriften.

Foto: Dennis Mugler

"Wir hatten viele fleißige Sammler, die rund fünf Wochen unterwegs waren." Bettina Scheid-Mosbacher ist sichtlich zufrieden. Gemeinsam mit Silke Baltrusch von der Bürgerinitiative (BI) "Wimpfener Straßen entlasten", kurz "Wise", überreichte sie Bad Wimpfens Bürgermeister Claus Brechter jetzt eine Liste mit 733 Unterschriften - gegen die geplante Lidl-Tangente.

Mit diesem Bürgerbegehren will die BI einen Gemeinderatsbeschluss vom Juli dieses Jahres aufheben, der die weitere Planung und den Bau der Teilumgehung vorsieht.

407 Unterschriften wären nötig gewesen - das wären sieben Prozent der kommunalwahlberechtigten Bevölkerung. Auch 16-Jährige durften unterschreiben. "Aber es ist immer gut, einen Puffer einzubauen", sagt der Rathauschef.

Die geplante Trasse soll von der Bonfelder Straße Richtung Bad Rappenau bis zur K 2040 Richtung Biberach verlaufen, quer zur Hauptverkehrsachse. Für Bettina Scheid-Mosbacher und ihre Gruppe ist klar: "Die Bürger sollen mitentscheiden dürfen, ob dieser Straßenbau für sie Sinn macht."

Ein Argument: Zu viel Landschaft wird versiegelt

"Die prognostizierte Entlastung ist nicht hoch genug, und es wird zu viel Landschaft versiegelt", bemängelt die niedergelassene Hausärztin. Ab der alten Kelter liegt die Restbelastung immer noch etwa bei 94 Prozent. Das Problem: Die Hauptverbindung zum Neckar werde nicht tangiert, "ab der Ampel nach Biberach haben wir die höchste Verkehrskonzentration." Gleichzeitig rollen dann aber 2000 Autos mehr täglich durch Biberach, für sie ein zusätzlicher negativer Effekt.

Ein weiteres Problem sieht die BI darin, dass die neue Trasse eine Sogwirkung auf Bad Rappenau haben könnte. Deshalb plädiert Bettina Scheid-Mosbacher dafür, erst alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen, etwa die Busanbindung nach Biberach zu verbessern sowie zum Wimpfener Bahnhof. "Wir wollen nicht umtost sein von Umgehungsstraßen."

Die Strecke wäre Ausweichroute bei Stau auf der Autobahn

Ein großes Problem sei es auch, dass "wir bei Stau auf der Autobahn eine gern genommene Ausweichroute für den Schwerlastverkehr sind", bemängelt die Bad Wimpfenerin. Bürgermeister Claus Brechter stimmt generell zu: "Wir leiden seit Jahrzehnten unter dem Verkehr. Es geht darum, wie wir eine Entlastung hinbekommen können." Er hält die Trasse für nötig. "Alle alternativen Möglichkeiten bringen uns nicht die Entlastung, die wir brauchen."

Als weiteren Schritt hat die Stadt nun zwei Monate Zeit, die Unterlagen zu prüfen, danach gibt es eine Anhörung der BI im Gemeinderat. "Möglicherweise könnte das schon im November sein", so Brechter.

Eine Einwohnerversammlung als Informationsveranstaltung soll folgen. Zwischen der Feststellung, dass die Angaben korrekt sind, und dem Bürgerentscheid liegen üblicherweise drei Monate. "Es sei denn, wir einigen uns mit der BI auf einen anderen Zeitraum", sagte der Verwaltungschef. Anfang 2019 sei der Bürgerentscheid denkbar.

 


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