Baustart für ECE-Logistikzentrum vermutlich erst im Spätjahr

Möckmühl/Widdern  Zwei Städte rätseln, wie es mit zwei wichtigen Projekten von Firmen auf ihrem Gemeindegebiet weitergeht. In Möckmühl will ECE ein Logistikzentrum errichten. Und in Widdern ist unklar, wie sich der ehemalige Raiffeisenmarkt entwickelt.

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So stellt sich die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG das neue Logistikzentrum bei Möckmühl vor. Dem Unternehmen gehört bereits die Fläche, im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen.

Darstellung: ECE

Zwei Städte rätseln, wie es mit zwei wichtigen Projekten von Firmen weitergeht: In Möckmühl will ECE ein Logistikzentrum errichten. Und in Widdern ist unklar, wie sich der ehemalige Raiffeisenmarkt entwickelt. Der Gebäudeeigentümer ist zuversichtlich, dass es für die Bürger eine "gute Lösung" geben wird.

Für Möckmühl war es der größte Coup seit Jahren: Die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG hat eine 13,4 Hektar große Fläche im Industriegebiet Habichtshöfe an der A81 gekauft, um dort ein Logistikzentrum zu erstellen. Im Frühjahr sollte es losgehen. Davon war jedenfalls die Rede, als das Projekt im vergangenen Jahr erstmals öffentlich vorgestellt worden war. Dieser Zeitplan ist vom Tisch.

Verspätungen sind aus Sicht von ECE üblich

"Der Baubeginn wird nach aktuellem Stand im Herbst 2020 erfolgen", teilt ECE-Pressesprecher Lukas Nemela auf Anfrage unserer Redaktion mit. Es fänden gerade die Konkretisierung und Detailausarbeitung der Planungen für das Logistikzentrum statt. Terminliche Anpassungen für den weiteren Bauablauf seien "absolut üblich", betont er. "Hinzu kommt im konkreten Fall, dass das Grundstück deutliche Höhenunterschiede aufweist, die eine Herausforderung für Planung und Bau darstellen, die es im Rahmen der laufenden Planungen zu berücksichtigen gilt."

In der Stadtverwaltung müssen diese Verzögerungen zu keinem Stirnrunzeln sorgen: Das Grundstück hat ECE nach eigenen Angaben bereits gekauft. 12,9 Millionen Euro flossen an die Stadt. Selbst für den Kämmerer sind das gewaltige Summen: Als Andreas Konrad den Haushalt präsentiert hat, sprach er vom höchsten Erlös, an den er sich überhaupt erinnern kann.

ECE-Logistikzentrum: Baustart vermutlich erst im Spätjahr

Keine Lkw: Das wird sich bei Möckmühl in diesem Jahr ändern.

Fotos: Simon Gajer

Weiterhin unklar ist, wer in die Hallen ziehen wird. "Der oder die Nutzer für das Logistikzentrum stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest", erklärt ECE-Pressesprecher Lukas Nemela. "Wir führen derzeit Gespräche mit zahlreichen Interessenten aus Logistik und Industrie." Deshalb könne er auch über die Anzahl der Arbeitsplätze noch nichts sagen. Anders hatte sich Bürgermeister Ulrich Stammer beim Publikwerden der Ansiedlung geäußert: Er rechnete damals mit bis zu 500 Arbeitsplätzen.

Möglicherweise wird die Immobilie später verkauft

Ebenfalls offen ist, wem die Immobilie zukünftig gehören wird. ECE hat in der Region Heilbronn bereits Zeichen gesetzt: An der A6 bei Bad Rappenau hat der Projektentwickler das Hermes-Logistikzentrum errichtet und nach einiger Zeit an Tochtergesellschaften von Frasers Property Investments Europe verkauft. Ob ein ähnlicher Schritt auch für Möckmühler Objekt folgt, wird sich zeigen. Bleibt die Immobilie im Portfolio von ECE oder nicht? Lukas Nemela: "Wir verfolgen momentan beide Optionen: den Verkauf an einen Investor oder das Behalten im eigenen Bestand."

Ein paar Kilometer weiter war im vergangenen Jahr in Widdern die Enttäuschung groß, als die Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Franken ihr Lagerhaus mit Raiffeisenmarkt schloss. Grund waren die rote Zahlen, die der Standort geschrieben hat. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat hatten zwar zunächst überlegt, das Anwesen zu kaufen und die Nahversorgung zu erhalten. Davon hat Widdern nun Abstand genommen.

Gespräche über eine Discounter-Ansiedlung in Widdern

Bürgermeister Kevin Kopf sagt, dass ein Kauf nicht darstellbar gewesen wäre. Nicht aufgegeben hat er die Hoffnung, einen Discounter nach Widdern zu bekommen. Mit Netto habe es Gespräche gegeben, doch für die Kette sei der Standort nicht wirtschaftlich gewesen. Davon lässt sich Kevin Kopf nicht beirren. Mit Blick auf neue Wohnflächen hofft er, dass sich für einen Discounter die Zahlen wandeln. "Für mich ist wichtig zu schauen, dass wir die Nahversorgung erhalten können."

ECE-Logistikzentrum: Baustart vermutlich erst im Spätjahr

Der BAG-Raiffeisenmarkt in Widdern ist Geschichte. Die Agrargenossenschaft aus Bad Friedrichshall will die Immobilie verkaufen.

Die BAG aus Bad Friedrichshall hält daran fest, die Immobilie zu verkaufen. Es gibt entsprechende Gespräche. Uwe Schöttle, geschäftsführender Vorstand der Agrargenossenschaft, will sich nicht näher dazu äußern. Nur eines betont er: Es werde eine "gute Lösung" für Widdern. Ob es auf einen Nahversorger hinausläuft, kommentiert er nicht. "Da bin ich ruhig."


So läuft es aktuell bei den Agrargenossen

Die Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Franken aus Bad Friedrichshall hat zuletzt den Jahresabschluss 2018 veröffentlicht. Demnach entwickelte sich das Geschäft "in den einzelnen Sparten recht unterschiedlich". Der Gesamtumsatz lag bei 63,6 Millionen Euro. Zu den Raiffeisenmärkten heißt es im Geschäftsbericht: Aus betriebswirtschaftlichen Gründen sei Ende Oktober 2018 der Raiffeisenmarkt Schefflenz geschlossen worden, dennoch sei der Umsatz in den verbliebenen Märkten um 3,2 Prozent auf 6,6 Millionen Euro gestiegen. "Bemerkenswert dabei ist, dass nicht nur der renovierte Markt in Neuenstadt, sondern alle unsere großen Märkte, also auch Bad Friedrichshall und Möckmühl, Umsatzzuwächse verzeichnen konnten." 

 
 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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