Bauarbeiten statt Veranstaltungen im Erlenbacher Weinbaumuseum

Erlenbach  Das Erlenbacher Weinbaumuseum wird derzeit umfangreich saniert. Rund eine Million Euro kosten die Arbeiten am Gebälk und an der Sandsteinmauer. Für Veranstaltungen kann das Gebäude noch längere Zeit nicht genutzt werden.

Von Werner Glanz
Neue Balken eingezogen, Mauerwerk repariert
Die Sanierung des Erlenbacher Weinbaumuseums ist in vollem Gange. Die Arbeiten sind voraussichtlich bis Oktober/November beendet. Foto: Werner Glanz

Die beiden großen Tore am Weinbaumuseum Erlenbach-Binswangen sind seit Monaten aus Sicherheitsgründen geschlossen − zumindest für Führungen und für Besucher der Veranstaltungsreihe "Wein und Kultur". Der Grund: An der einzigartigen, freitragenden Dachkonstruktion der im Jahre 1574 vom Deutschorden erbauten Zehntkelter nagt bereits seit längerem der Zahn der Zeit. Bei einer umfangreichen Sanierung Anfang der 80er-Jahre wurde versucht, die bereits erkennbare Verformung des Daches kostengünstig aufzuhalten. "Das wurde damals wenig fachgerecht ausgeführt", urteilt Bürgermeister Uwe Mosthaf im Gemeinderat.

Manche Schäden waren damals noch nicht erkennbar

Unter der weißen Abdeckplane auf dem rund 900 Quadratmeter großen Dach des Gebäudes wird seit wenigen Wochen kräftig gewerkelt. An den ersten zwei Sparrenfeldern sind schon einige neue Balken und Streben eingezogen. Doch auf die Handwerker wartet noch viel Arbeit, zumal beim Freilegen des Gebälks noch manche marode Stelle aufgedeckt wurde. "Die waren bei der Bestandsaufnahme vor zwei Jahren absolut nicht erkennbar", sagt Uwe Rössel, Mitarbeiter der Firma Heyd aus Heilbronn, auf der Baustelle. Der Zimmermann geht davon aus, dass die Arbeiten bis Oktober/November dauern werden.

Heute weiß man: "Durch das Einbetonieren einiger Balken wurde das Holz im Laufe der Jahre so stark beschädigt, dass die Auflager des Sprengwerks komplett erneuert werden müssen", bestätigt Andreas Fleisch, Leiter des Erlenbacher Haupt- und Bauamtes. Dieses Vorgehen habe den Zerfall der Tragkonstruktion noch beschleunigt. "Die Balken aus Fichte sind regelrecht erstickt", sagt auch Uwe Rössel.

Beschädigte Sandsteinmauern und marode Balken

Bei den aktuellen Sanierungsarbeiten habe sich nun herausgestellt, so Fleisch weiter, dass das Sandstein-Mauerwerk an den Traufseiten stark beschädigt sei. Dies habe dazu geführt, dass sich der Dachstuhl durch die maroden Auflager teilweise gesetzt hat. Laut Rössel wurde das Mauerwerk an den besagten Stellen bereits gerichtet und das Tragwerk mit Pressen um fünf Zentimeter angehoben. "Jetzt werden auf die Mauerschwelle noch 30 Zentimeter breite Eichenbalken angebracht und darauf das Sprengwerk endgültig fixiert." Vorher müssen aber noch einige marode Balken ausgetauscht oder verlängert werden. So wird in den nächsten Monaten Sparrenfeld um Sparrenfeld aufgearbeitet.

Das Denkmalamt begleitet die Gemeinde bei der Sanierung. Fleisch bescheinigte der Zimmerei Heyd eine "sehr gute Arbeit" − wie schon vor Jahren bei der Sanierung der West- und Ostgiebel.

Veranstaltungsreihe "Wein und Kultur" kann vermutlich ab Mai 2020 stattfinden

Die für 2017 geplante Veranstaltungsreihe "Wein und Kultur" konnte in jenem Jahr nur durchgeführt werden, weil das freitragende Gebälk an einigen Stellen provisorisch verstärkt wurde. Aus Sicherheitsgründen strich man für 2018 dann alle Veranstaltungen. Events fanden nur in stark reduziertem Umfang und nur außerhalb des Gebäudes statt. So wird es auch dieses Jahr sein. Mosthaf geht davon aus, dass der 2013 gegründete Förderkreis ab Mai 2020 die Reihe "Wein und Kultur" wieder fortsetzen kann.

Die Mannschaft um den Vorsitzenden Thomas Herrmann hatte in den vergangenen Monaten dennoch alle Hände voll zu tun. Es galt, die wertvollen Exponate zu verpacken und andernorts einzulagern. Laut Herrmann wird die Zeit jetzt auch genutzt, um einige Geräte zu restaurieren. Maschinen und Apparate, die nicht herausnehmbar waren, wie die rund 200 Jahre alte Baumpresse, wurden zum Schutz eingehaust.

 


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