Bad Friedrichshall hat sein Gesicht verwandelt

Bad Friedrichshall  Die starke Bautätigkeit in der Stadt hält an. Der Schwerpunkt ist in Kochendorf. Generell gibt es eine große Nachfrage nach Wohnraum und Bauplätzen.

Von Sabine Friedrich
Email
Bad Friedrichshall: Eine Stadt hat ihr Gesicht verwandelt

Stadtenwicklung ist eine Daueraufgabe und ein wichtiger Teil der Kommunalpolitik: Das sagt Bürgermeister Timo Frey. Und das lässt sich an vielen Stellen in Bad Friedrichshall aufzeigen.

Baugruben, Kräne, Bagger, Handwerker zeugen von einer regen Bautätigkeit. So hat sich die Kommune teilweise stark verändert. "Die neue Stadtmitte hat in den vergangenen 15 Jahren an Qualität und an Gesicht deutlich gewonnen", sagt Frey mit Blick auf den Friedrichsplatz und die Friedrichshaller Straße in Kochendorf.

Es sei gelungen, mehrere markante Vorhaben zu realisieren - mit Laden- und Büroflächen sowie Wohnungen - und alte Bausubstanz abzureißen. So hat sich der dörfliche Charakter in ein städtisches Erscheinungsbild verwandelt.

Maßvolle Entwicklung der Flächen

Ein Plus von 1200 Einwohnern in den vergangenen zehn Jahren bedeutet für den Stadtchef eine maßvolle Entwicklung der Flächen. Der Plattenwald mit seinen rund 3000 Einwohnern sei als Wohnbauschwerpunkt ausgeschöpft, das gelte auch für Untergriesheim, Duttenberg und Hagenbach. Der Zuwachs erfolge vor allem in Kochendorf.

Bad Friedrichshall: Eine Stadt hat ihr Gesicht verwandelt

Markante Wohn- und Geschäftshäuser sind in der Bad Friedrichshaller Straße und am Friedrichsplatz entstanden. Die neue Mitte bietet ein städtisches Erscheinungsbild.

Foto: Ralf Seidel

Die starke Bautätigkeit lässt sich an 129 Baugesuchen, die 2017 bei der Baurechtsbehörde im Rathaus eingegangen sind, ablesen. "Die Nachfrage nach Wohnraum ist relativ groß", beobachtet Frey. Er geht davon aus, dass durch Firmenansiedlungen im Bereich Neckarsulm/Bad Friedrichshall - etwa das Lidl-Vorhaben in der "Oberen Fundel" - Wohnraum zusehends knapp werde.

Ungebrochen groß ist die Nachfrage nach Bauplätzen. Ein Beispiel: Für die zehn kommunalen Grundstücke im Gebiet "Hübsch-Jörgen-Siedlung II" in Kochendorf hat es 150 Interessenten gegeben. Insgesamt sind hier 32 Plätze erschlossen worden.

Sozialquote im Baugebiet "Rabenäcker"

"Die Zahl derer, die sich Wohnraum nicht mehr leisten können, nimmt zu", macht Frey auf eine Problematik aufmerksam. Es werde mehr Menschen geben, die potenziell von Obdachlosigkeit bedroht sind. Da versucht die Stadt, ein wenig gegenzusteuern: Stichwort sozialer Wohnungsbau.

Erstmals habe der Gemeinderat für das neue Baugebiet "Rabenäcker" in Untergriesheim bewusst eine Sozialquote beschlossen. Ein Drittel der Einheiten in den drei Geschosswohnungsgebäuden - das sind zehn Wohnungen - müssen preisgünstig sein für Leute mit Wohnberechtigungsschein. Im Plattenwald hat die Gewo in diesem Jahr 36 Wohnungen preisgünstig gebaut, erzählt Frey, allerdings ohne öffentliche Förderung.

Eine Kaltmiete von unter 6,50 Euro pro Quadratmeter anzubieten, sei ein ehrgeiziges Ziel angesichts der heutigen Baupreise. "Auf dem regulären Wohnungsmarkt wird es schwierig sein, Angebote unter acht Euro für den Quadratmeter zu finden", meint der Bürgermeister.

Lieber innen als außen entwickeln

Sein Credo lautet: "Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Nachverdichtung vor zusätzlicher Versiegelung." Deshalb versucht die Stadt, alte Häuser innerorts aufzukaufen, abzubrechen und die Grundstücke an Investoren für eine Neubebauung zu veräußern.

"Wir haben täglich Anfragen von Bauträgern und Investoren, die händeringend nach Flächen suchen", berichtet Frey. Über baurechtliche Voraussetzungen und Grundstücksmanagement könne die Stadt Einfluss nehmen. "Wir versuchen, eine maßvolle Bebauung hinzubekommen, die Kubatur und Optik an die Umgebungsbebauung anzupassen und die Parksituation im Auge zu behalten", sagt Frey. Er spricht von einem Spannungsfeld. Da sei der oft gehörte Vorwurf, Grundstücke würden ausgemostet, wodurch Nachbargebäude beeinträchtigt und im Wert vermeintlich gemindert würden, und die Forderung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

 

Kommentar hinzufügen