Anti-Rassismus-Demo auf dem Kiliansplatz

Heilbronn  Mehr als 100 Menschen demonstrierten am Samstag. Organisiert wurde die Kundgebung von der Heilbronner Gruppierung von Fridays for Future.

Von Jan Söfjer
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Geschätzt 100 bis 150 Menschen haben sich am Samstagnachmittag auf dem Kiliansplatz versammelt, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Es sind vorwiegend Jugendliche und junge Menschen gekommen, dazu ein paar Anhänger von der Antifa, den Jusos und der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands.

Gülistan Ates skandiert mit den Teilnehmern antirassistische Parolen. Auf dem Boden liegen Transparente, auf denen Sätze stehen wie: „Rassismus ist keine Meinung.“ Grit Harfensteller hält ein Schild in der Hand mit der Aufschrift: „We all bleed the same colour“ („Wir bluten alle in der selben Farbe.“) „Rassismus sollte kein aktuelles Thema mehr sein“, sagt Harfensteller.

Organisiert wurde die Kundgebung von Fridays for Future 

Organisiert wurde die Kundgebung von der Heilbronner Gruppierung von Fridays for Future. Eigentlich demonstrieren sie für das Klima und die Umwelt, aber nachdem im Mai in den USA der Afroamerikaner George Floyd bei seiner gewaltsamen Festnahme von Polizisten getötet wurde, sahen sie sich in der Verantwortung, dagegen zu demonstrieren. „Wir hatten uns schon gefragt, warum es in Heilbronn keine Demo zu 'Black Lives Matter' gibt“, sagt der Teilnehmer Wolfram von Specht. „Was mit Floyd passiert ist, sollte ein Weckruf sein, dass wir zur Menschlichkeit zurückkehren“, sagt Ahmadou Bah, einer der Redner des Tages. Der Schüler Niklas Rosche ist einer der Organisatoren der Demo und sagt: „Es gibt in jeder Stadt ein Problem mit Rassismus. Auch in Heilbronn.“

Eine Teilnehmerin erinnert sich an rassistische Beleidigungen im Kindergarten

„Für schwarze Menschen ist es nicht leicht, eine Wohnung oder eine Arbeit zu finden“, sagt etwa eine der Rednerinnen Catherine Nzimbu Mpanu-Mpanu-Plato. Auch die 15-jährige Schwarze , Lohann, die an der Demo teilnimmt, erinnert sich an rassistische Beleidigungen im Kindergarten und in der Schule in Heilbronn. „Es ist an der Zeit, etwas in den Köpfen der Menschen zu bewegen“, findet sie.

„Der Rechtsextremismus erlebt eine Revolution“, sagte jüngst Landes-Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2019. So stieg die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Straftaten in Baden-Württemberg von 1375 im Jahr 2018 auf 1549 im Jahr 2019. Die darin enthaltenen rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten fielen von 48 auf 39. Im Vergleich dazu gab es 2019 486 linksextremistische Straftaten (2018: 334), darunter 112 Gewalttaten (2018: 60).

Oft würden Menschen nicht wegen ihrer Nationalität abgewertet, sondern wegen ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Kulturkreisen

„Es hat in den vergangenen Jahren eine Zunahme an rassistischen Denkweisen und Diskursen in der Gesellschaft gegeben“, sagt etwa Seán McGinley, Geschäftsführer vom Flüchtlingsrat in Baden-Württemberg. Dabei würden Menschen nicht unbedingt wegen ihrer Nationalität, sondern vielmehr wegen ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Kulturkreisen abgewertet und als Gefahr dargestellt.

Als der Co-Organisator der Kundgebung, Obai Algahed, die Teilnehmer dazu aufrief, setzen sich alle schweigend auf den Boden.


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