Ittlingen: Videoüberwachung schlägt Wellen
Ittlingen - Das Elsenztaldorf will mit Videoüberwachung gegen Blumendiebe auf dem Friedhof vorgehen. Die Entscheidung hat landesweit Wellen geschlagen, bedeutet sie für Baden-Württemberg doch Neuland. Der Verband der Friedhofsverwalter kritisiert den Schritt als überzogen.

Die Entscheidung des Ittlinger Gemeinderats, Videokameras zur Überwachung auf dem örtlichen Friedhof zu installieren, sorgt für Diskussionen. Fotos: Hettich/dpa, Montage: Petersen
Ittlingen - Ittlingen will mit Videoüberwachung gegen Blumendiebe auf dem Friedhof vorgehen. Nachbargemeinden sehen derzeit keinen Anlass, sich ein Beispiel am Elsenztaldorf zu nehmen. Die Entscheidung hat landesweit Wellen geschlagen, bedeutet sie für Baden-Württemberg doch Neuland. Der Verband der Friedhofsverwalter kritisiert den Schritt als überzogen.
Großes Interesse
Die Nachrichtenagentur dpa und in ihrem Gefolge überregionale Zeitungen oder Boulevardblätter: Sie haben dieser Tage einen Seitenblick auf Ittlingen geworfen. Die einstimmige Entscheidung des Gemeinderats, zwei Videokameras zur Überwachung auf dem örtlichen Friedhof zu installieren, wird aufmerksam verfolgt. Das große Interesse entspricht nicht ganz der Bedeutung, die das Thema am Mittwochabend im Gemeinderat einnahm.
Die Diskussion war schnell abgehandelt, war man sich doch schon zuvor bei einer Radrundfahrt durch den Ort weitgehend einig geworden. „Wir möchten den Bürgern signalisieren, dass wir ihre Ängste ernst nehmen“, begründete Bürgermeister Achim Heck den Vorstoß, den die Gemeinderäte einstimmig befürworteten. Dass immer wieder Blumen verschwinden, sei für die Angehörigen nur schwer zu ertragen. „Es geht um die Achtung der Pietät und der Totenruhe“, sieht Heck dringenden Handlungsbedarf.
Friedhofsverwalter kritisieren Entscheidung
Auf Kritik ist die Entscheidung beim Verband der deutschen Friedhofsverwalter gestoßen. „Ich finde das eher überzogen. Mir ist kein Friedhof bekannt, der wegen Blumendiebstählen gleich Kameras installiert, sagte die Verbandsgeschäftsführerin Simone Andruscheck gegenüber dpa. Gemeinden mit solchen Problemen sollten eher an die Bürger appellieren, pietätvoll die Gräberanlagen zu besuchen anstatt eine „Komplettüberwachung“ zu etablieren.
Stimme.de
Kommentare
am 11.08.2011 23:27 Uhr
Bürgermeister und Gemeinderat befassen sich schon länger mit diesem Problem und haben einen einstimmigen Beschluss gefasst. Und dann kommt der Verband der Friedhofsverwalter daher und fühlt sich ohne detaillierte Sachkenntnis bemüßigt, sich in die Belange der Gemeinde einzumischen und den oberschlauen Ratschlag zu erteilen, man solle an die Bürger appellieren. Das hat die Gemeinde doch garantiert schon zig Mal getan. Wer Blumen auf dem Friedhof entwendet, ist eine verrohte Person ohne Respekt, der Appelle am Allerwertesten vorbeigehen.
am 11.08.2011 22:12 Uhr
...die es nötig haben, auf Friedhöfe Blumen zu klauen. Kann man sich an Blumen erfreuen, die man vom Friedhof gestohlen hat? Eigentlich unmöglich! Normal geht so etwas gar nicht! Leider gibt es heutzutage immer mehr Menschen bei uns, die keinerlei Skrupel mehr haben. Seit wir die Grenzen richtung Ostblock geoffnet haben und alle von unseren Politikern so herzlich willkommen sind, greif der Klau immer mehr um sich. Auf Feldern, in den Geschäften und nun noch auf Friedhöfen. Insbesondere über letzteres kann man nur noch mit Unverständnis den Kopf schütteln. Es ist schon schlimm genug, dass wir heutzutage fast über all Videoüberwachung benötigen, um der Klau- und Zerstörungswut vieler, vor allem jüngeren Menschen, auf die Spur kommen. Es hat eben alles zu geringe, oder oft gar keine Konsequenzen, also, warum dann nicht? Genau dies ist ein rießen Fehler.
am 11.08.2011 20:12 Uhr
Sorry, gleichfalls. Sei mir nicht böse, aber Dein Kommentar, mit dem Filmen einer Beerdigung ist doch etwas weit hergeholt. Nun, ich denke, hier sollte man sich erst einmal die Frage stellen, wo denn die Kameras stehen. Ich glaube kaum, dass Diese den gesamten Friedhof überwachen werden und auch können. Und ob sie im Endeffekt zu den "Tätern" führen sei dahingestellt. Trotzdem wird etwas getan. Schon alleine das ist eine Beruhigung für uns.
Und es geht nicht nur um ein paar Blumen um das nochmals anzumerken. Aber wenn man selbst nicht Betroffener ist, kann man das sicherlich auch schwerer nachvollziehen.
Walter Müller am 11.08.2011 20:06 Uhr
sorry, ich würde nicht gern bei einer beerdigung gefilmt werden, wenn ich trauere, schwach bin... bzw andere menschen zusammenbrechen.
wegen ein paar blumen ein gebiet 24std video überwachen ist schon der hammer.
was komtm als nächstes?
am 11.08.2011 23:25 Uhr
Natürlich möchte niemand bei einer Beerdigung gefilmt werden. Insoweit sollt man aber auf das Fingerspitzengefühl der Gemeinde vertrauen. Eine Kamera lässt sich problemlos abstellen. Zum Beispiel für die Zeit einer Beerdigung oder an Tagen wie z.B. Allerheiligen, an denen viele Menschen den Friedhof besuchen. An solchen Tagen wird der Dieb sowieso nicht unterwegs sein, weil das Risiko zu groß ist, entdeckt zu werden.
am 11.08.2011 19:13 Uhr
Über den Vergleich mit Street-View musste ich den Kopf schütteln. Nun, dann spreche ich als Betroffene und sicherlich auch im Namen all derer, die darunter leiden müssen.
Auf diesem Friedhof befindet sich mein Elterngrab. Ich pflege es das ganze Jahr über mit so einer Hingabe und Liebe. Ein Zufluchtsort für mich. Der Friedhof ist wunderschön angelegt, und die Gräber werden sehr liebevoll gepflegt. So hat man dort doch seine nächsten Angehörigen liegen und möchte Ihnen auf diese Art und Weise nah sein und Ihnen Ehre erweisen. Es war immer ein Schlag für mich, wenn z.B. das Muttertagsgesteck -einen Tag später- oder frisch gepflanzte oder in die Vase gestellte Blumen fehlten. Und, wie ich feststellen musste war es kein Einzelfall. Es nahm Ausmaße an, die für die Angehörigen einfach nicht mehr zu ertragen gewesen sind.
Es tut einfach unermesslich weh. Und es geht hier nicht um das Materielle. Deshalb finde ich die Entscheidung richtig. Ich danke Herrn Heck für seinen Einsatz. Ich hoffe, dass dadurch diesen respektlosen Dieben Einhalt geboten wird. Was für Menschen sind das, die so etwas tun? !!!!!