Zwei Gesichter einer Stadt: Berlin zwischen früher und heute

Der Heilbronner Fotograf Frank Paul Kistner und Rainer Hartmann werfen einen Blick auf die Hauptstadt vor und nach dem Mauerfall

Von Uwe Grosser

Zwei Gesichter einer Stadt: Berlin zwischen früher und heute
Das Brandenburger Tor in Berlin ist heute zwar für jeden zugänglich und davor rauscht der Verkehr vorbei, doch zu DDR-Zeiten sah der Blick aus dem Westen wie auf dem rechten Foto aus: Mauer und Stacheldraht verdeckten den Blick.Foto: Kistner

Bildband - Das Verfahren ist raffiniert. Um gestern und heute vergleichen zu können, nimmt man zunächst ein aktuelles Foto. Will man den Zustand von einst sehen, wird einfach eine alte Aufnahme als Folie darübergelegt. Mit diesem Trick ist Rainer Hartmann (Texte) und dem in Heilbronn geborenen und aufgewachsenen Frank Paul Kistner (Fotos) ein faszinierender Berlin-Band gelungen, der im 20. Jahr nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besonders spannend wirkt. „Berlin. Ein Rundgang vor und nach dem Mauerfall“ heißt der querformatige Band.

Beispiel Brandenburger Tor: Das Kistner-Foto zeigt das Bauwerk in seinem heutigen Umfeld mit Stretchlimousine und Bus davor. Blättert man die Folie darüber, bedecken Mauer und Stacheldraht die Fahrzeuge, und auch die Gebäude daneben verschwinden.

20 Orte haben sie auf diese Art genauer beleuchtet, vom Reichstag über den Bahnhof Friedrichstraße, die Hackeschen Höfe und den Checkpoint Charlie bis zum Potsdamer Platz. Immer mit dem gleichen verblüffenden Ergebnis: Man kann kaum glauben, dass bei einigen Fotos zwischen dem Gestern und Heute gerade mal 20 Jahre liegen.

Der feine Band ist zugleich Geschichtsbuch und Anleitung für einen Streifzug durch die Bundeshauptstadt, die man danach wieder mit anderen Augen sieht.

Frank Paul Kistner, Rainer Hartmann: Berlin. Ein Rundgang vor und nach dem Mauerfall. Edition Braus, Heidelberg. 96 Seiten, 75 Abbildungen, 20 Folien, 14,90 Euro.