Wo Kunstvolles unter den Hammer kommt

Heilbronn - Spontan kann sich Jürgen Fischer nicht erinnern, was am 30. März 1984 geschah. Dabei hat dieser Tag für den Inhaber des gleichnamigen Auktionshauses eine besondere Bedeutung. Vor 25 Jahren beschloss der Heilbronner Gemeinderat, dass Fischers Unternehmen in das Trappenseeschlösschen ziehen darf.

Von Stephan Sonntag

Wo Kunstvolles unter den Hammer kommt
Karriere mit Glas und Keramik: Auktionator Jürgen Fischer.Foto: Sonntag

Heilbronn - Spontan kann sich Jürgen Fischer nicht erinnern, was am 30. März 1984 geschah. Dabei hat dieser Tag für den Inhaber des gleichnamigen Auktionshauses eine besondere Bedeutung. Vor 25 Jahren beschloss der Heilbronner Gemeinderat, dass Fischers Unternehmen in das Trappenseeschlösschen ziehen darf. Vorausgegangen war eine jahrelange Debatte darüber, wie das 1977 von der Stadt gekaufte Gebäude genutzt werden könnte.

Am 30. September 1982 hatte die Heilbronner Stimme vier Vorschläge vorgestellt: die Nutzung als städtisches Gästehaus, als Wochenendgalerie für Künstler, als Bürohaus, als Mehrfamilienhaus. Bei der letzten Option muss Jürgen Fischer heute lachen: „Das wäre unvorstellbar.“ 1974 ist der gebürtige Rumäne mit zwei Koffern nach Deutschland gekommen. Grundstock seiner ersten Auktion sind die eigene Kunstsammlung und Erbstücke des Urgroßvaters. Seine Drei-Zimmer-Wohnung mit 70 Quadratmetern in Böckingen ist sein erstes Lagerhaus, obwohl da „kein Gemälde durch die Tür gepasst hat“.

Platzprobleme begleiten ihn bis heute. Auf der Suche nach einem Lager- und Auktionshaus macht der damalige Direktor der Städtischen Museen, Andreas Pfeiffer, Fischer auf das Trappenseeschlösschen aufmerksam. „Eigentlich zu klein“, ist Fischers Reaktion. Doch die Stadt erklärt sich bereit, die 400 000 Mark teure Innensanierung auf Fischers Bedürfnisse zu finanzieren, ein Lastenaufzug wird eingebaut. Fischer unterschreibt einen Pachtvertrag über zehn Jahre und zieht 1985 mit dem Auktionshaus an den Trappensee. Die Gesamtnutzungsfläche des Schlösschens von nur 230 Quadratmetern ist aber bis heute ein großes Problem. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich liebe die Schönheit und Individualität des Hauses, aber die Funktionalität ist leider mangelhaft“, sagt Fischer.

Über 100 Auktionen mit einem Umsatz von 70 bis 80 Millionen Euro hat er am Trappensee durchgeführt: „Das Gebäude hat sich in den 25 Jahren als fruchtbar erwiesen.“ Auf den Gebieten Glaskunst und Keramik gilt das Auktionshaus als weltweit führend. Gerade bereitet Fischer seine insgesamt 179. Auktion „Europäisches Glas und Studioglas“ vor. Highlight ist ein Objekt des US- Glaskünstlers William Morris mit einem Schätzwert von 48 000 Euro. Die Wirtschaftskrise hat sich bisher nicht als Hemmschuh erwiesen. „Es kommen weniger Sachen auf den Markt, weil die Leute nicht verkaufen wollen“, hat Fischer festgestellt.

Als Wertanlage taugen Kunstobjekte aber allemal. „Es gibt Stücke, die haben eine jährliche Wertsteigerung von zehn Prozent.“ Und gegenüber Wertpapieren einen weiteren Vorteil: Sie sehen auch noch gut aus. Genau wie ihr Domizil, das Trappenseeschlösschen.

Die Auktion „Europäisches Glas und Studioglas“ findet am Samstag, 21. März, 10 Uhr statt. Vorbesichtigungen: täglich 11 bis 17 Uhr.