Wege zum Göttlichen

Heilbronn - Himmel und Erde, Mensch und Gott will Weihnachten einander näher bringen. Kaum ein Ort in Heilbronn ist geeigneter für dieses Unterfangen als das Hauptschiff der spätgotischen Kilianskirche, sind ihre nach oben filigran werdenden Stein-Verästelungen doch wie ein feines Klettergerüst für die Seele.

Von Susanne Walter

Wege zum Göttlichen
Vokalensemble, Württembergisches Kammerorchester und vier Solisten brachten Bachs Weihnachtsoratorium zur Aufführung.Foto: Ulrike Kugler

Heilbronn - Himmel und Erde, Mensch und Gott will Weihnachten einander näher bringen. Kaum ein Ort in Heilbronn ist geeigneter für dieses Unterfangen als das Hauptschiff der spätgotischen Kilianskirche, sind ihre nach oben filigran werdenden Stein-Verästelungen doch wie ein feines Klettergerüst für die Seele.

Traditionell zieht man vor Weihnachten hier alle Register: Das Vokalensemble bringt mit dem Württembergischen Kammerorchester und vier renommierten Solisten Bachs Weihnachtsoratorium zur Aufführung. Durch die hohe Professionalität beider Klangkörper, dem daraus resultierenden Umgang mit dem unsterblichen Werk ist Gänsehaut garantiert. Erstmals brachen Vokalensemble und WKO, beide unter dem Dirigat des neuen Kantors Stefan Skobowsky, die jahrelange Tradition teilweise auf.

Gleichklänge

Den Teilen I, II und V aus Bachs Weihnachtsoratorium stellten Vokalensemble und WKO entsprechende geistliche Werke mit ähnlich motiviertem Inhalt von Felix Mendelssohn-Bartholdy gegenüber. "Schuld" daran ist das Mendelssohn-Jahr 2009, das Skobowsky zum Anlass nahm, hier stilistische Gleichklänge wie bewusst gewählte Zitate Mendelssohns und Unterschiede zwischen den Kompositionsweisen beider zu zeigen.

Chor und Orchester unterziehen Bachs Kantaten aus dem Jahr 1734 einer Konfrontation mit dem rund 100 Jahre später geschaffenen Kantatensatz "Jesu meine Freude", der Choralkantate "Vom Himmel hoch" und dem unvollendet gebliebenen Oratorium "Christus" aus Mendelssohns Feder. Erfahrene Solisten mit individuellem Timbre würzen diesen dezent hintergründig angelegten Werkvergleich. Die Freiburger Mezzosopranistin Barbara Ostertag etwa legt ihre versöhnlich warme Lyrik in die Waagschale. Sopranistin Jeannette Bühler lässt markant, aber nie schrill die klaren Töne in rezitativen Stellen sprechen.

Gesangsgrößen

Mit bewusst akzentuiertem Beifall verabschiedeten 1000 Zuhörer im vollbesetzten Kirchenschiff auch die beiden männlichen Gesangsgrößen, den Heidelberger Tenor Rüdiger Linn und den Bassisten Matthias Horn. Bei beiden schimmerte persönlich geprägter Interpretationsgeist durch und setzte Glanzlichter. Reizvoll gestaltete sich die erste Begegnung mit dem Weihnachtsteil aus Mendelssohns "Christus". Die sich auf die Weihnachtshistorie beziehenden Stellen erfahren hier eine romantisch geprägte Interpretation.


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