Virtuoses Sprachrohr

Heilbronn - Nanna Koch, stellvertretende Konzertmeisterin im Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, beim Alleingang durch die Tonlandschaften der Neuen Musik zu erleben, ist wie eine Studienreise, nach der man spontan entscheidet: Hier möchte ich nicht zum letzten Mal gewesen sein.

Von Susanne Walter

Heilbronn - Nanna Koch, stellvertretende Konzertmeisterin im Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, beim Alleingang durch die Tonlandschaften der Neuen Musik zu erleben, ist wie eine Studienreise, nach der man spontan entscheidet: Hier möchte ich nicht zum letzten Mal gewesen sein.

Die Geigerin, die 2008 mit dem Preis des Förderkreises für Neue Musik Heilbronn ausgezeichnet wurde, bot in der Konzertreihe "Perspektiven" selten zu Hörendes für Violine solo, komponiert von renommierten Musikschaffenden wie Peter Sculthorpe, Manfred Weiss, Bela Bartok und Ernst Helmuth Flammer.

Unter Flammers Verantwortung wurden die "Perspektiven" zu einer viel beachteten Reihe. Beim Abend mit Nanna Koch reichten im Foyer der Städtischen Museen die Stühle zunächst kaum aus wegen ihres Rufs als exzellente Interpretin nicht nur von Neuer Musik. Seit zehn Jahren legt die Künstlerin ihr Augenmerk auf diese Möglichkeiten an Ausdruck und Technik. Dabei macht sich Nanna Koch zum virtuosen Sprachrohr jener Komponisten, hinter deren Werken eine erkennbare Absicht steckt.

Der Australier Peter Sculthorpe, der an den Universitäten von Sydney, Yale und Sussex lehrte, will Klänge aus dem australischen Outback mit denen des Westens vereinen. Die Sonate für Violine solo von Manfred Weiss, der als Dozent für Musiktheorie und Komposition an der Musikhochschule Dresden unterrichtet, entstand vier Jahre nach dem Mauerfall und ist voll von Aggression und schreiender Anklage.

Schließlich ist Nanna Koch beim Wasserzeichen im Schaffen Ernst Helmuth Flammers angekommen: Musik als existenzielle Erfahrung, expressiv in ihren Kontrasten zwischen Lyrik, Sphärenklang und Ausbruch. Flammer fordert mitdenkende Zuhörer. Bartoks Sonate, ein Lieblingsstück von Lothar Heinle, Organisator der Reihe, beschließt einen Abend, der sich einbrennt.