Viel mehr als nur ein Trümmermaler

Heilbronn - Norbert Jung hat ein Werkverzeichnis des Bildhauers, Designers, Grafikers und Malers Karl Kämpf (1902-1987) erstellt

Von Andreas Sommer

Viel mehr als nur ein Trümmermaler
Karl Kämpf hat von 1946 bis 1948 das zerstörte Heilbronn festgehalten.

Heilbronn - Bekannt wurde er als „Trümmermaler“, dessen neusachliche Bilder der unheimlichen Stille in den Heilbronner Ruinenlandschaften des 4. Dezember 1944 nachspüren: Karl Kämpf (1902-1987). Norbert Jung, Rektor der Heilbronner Helene-Lange-Realschule, interessiert sich seit 1994 für den Künstler, als seine Schule eine Ausstellung zum 50. Jahrestag des 4. Dezember zeigte. Damals waren auch Kämpf-Bilder dabei: „Seitdem hat er mich nicht mehr losgelassen“, sagt Jung.

Die Werkschau zu Kämpf und seiner Frau Elfriede Glaser-Kämpf 2007 im Abstatter Rathaus sowie die Berichterstattung unserer Zeitung darüber war dann die Initialzündung für Norbert Jung, das Werkverzeichnis in Angriff zu nehmen.

Über 600 Arbeiten sowie eine biografische Übersicht zu Kämpfs Leben hat der 62-jährige Pädagoge und Heimatforscher in zweijähriger Arbeit auf einer CD zusammengetragen. Mit erfasst sind die Kämpf-Bestände in den Städtischen Museen Heilbronn, die knapp 60 Exponate umfassen.

Jungs Werkverzeichnis erweitert das Bild, das man gemeinhin von Karl Kämpf hat. Seine Verdienste als künstlerischer Dokumentar der Zerstörung Heilbronns sind unbestritten, aber Kämpf ist auch als Bildhauer, Designer und Grafiker sehr erfolgreich in Erscheinung getreten. Seine Eltern betrieben eine Bäckerei in der Heilbronner Wolfganggasse. 1908 verlor er bei einem Unfall den linken Arm. 1916 bis 1921 absolvierte er eine Lehre im Atelier der Silberwarenfabrik Bruckmann, wo er anschließen als Designer arbeitete.

Nach Fallingbostel 1925 trat Karl Kämpf dem Heilbronner Künstlerbund bei und studierte von 1927 bis 1935 an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. „Dennoch hat er die Verbindung zu Heilbronn nie abreißen lassen“, erklärt Norbert Jung, „er blieb im Künstlerbund aktiv und hielt den Kontakt zu Bruckmann.“ Karl Kämpf (Foto: Archiv/Welzin) lebte zunächst freischaffend in Berlin, bevor er 1938 an der Berliner Akademie zu lehren begann. 1945 flüchtete er mit seiner Frau zu einer Schwägerin nach Fallingbostel. Dort malt er menschenleere Heidelandschaftsbilder, die von Einsamkeit künden. 1948 trat er Künstlerbund und Kunstverein Heilbronn bei. Am 2. März 1987 starb er in Fallingbostel. Norbert Jung sammelt weiter: „An Werken ist sicher das Doppelte vorhanden.“

Norbert Jung ist über Telefon 07131/251304 oder WV.Karl.Kaempf@t-online.de zu erreichen.

Viel mehr als nur ein Trümmermaler
Norbert Jung hat drei Blätter von Karl Kämpf erworben.Fotos: Dittmar Dirks
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Karl Kämpf