Passt der Zapfhahn unter die Brücke?

Das Heilbronner Theaterschiff hat seine vierte Reise unbeschadet überstanden

Von Waltraud Langer

Passt der Zapfhahn unter die Brücke?
Das Theaterschiff passiert auf seiner Fahrt vom Neckarsteinacher Trockendock nach Heilbronn die zauberhafte Kulisse von Bad Wimpfen. (Foto: Langer)

Das Heilbronner Theaterschiff ist wieder da. Nach fast zwei Wochen auf dem Trockendock in Neckarsteinach hat es wieder an seinem angestammten Platz bei der Friedrich-Ebert Brücke angelegt. Die vierte Reise des schwimmenden Theaters verlief fast ohne Zwischenfälle.

Willi Langbein sieht aus wie ein alter Seebär, dabei war die Flussschifffahrt sein Metier. Ein Arbeitsleben lang hat er als Schiffsführer, als Schiffsmechaniker und schließlich als Betriebsleiter für die Ebertwerft in Neckarsteinach gearbeitet.

Jetzt ist er pensioniert, aber für das Theaterschiff ergreift er noch einmal das Steuerrad. „Ich habe das Schiff vor mehr als zehn Jahren geholfen umzubauen und es vor fünf Jahren zum Überholen nach Neckarsteinach geführt,“ erzählt er. Wegen des neuerlich fälligen Schiffst-TÜV kam er nach Heilbronn. Dort war alles bereit zum Start, der Foyeraufbau demontiert, der Motor überholt, die Helfer parat. Nur das Theaterschiff wollte nicht tuckern.

Durch einen Sicherheitsmechanismus hatten sich die Batterien entladen. Zunächst ging gar nichts. „Beim zweiten Start hatten wir Probleme mit den Funkgeräten“, sagt Theaterschiffleiter Heinz Kipfer. Schließlich gelangte die schwimmende Bühne doch nach Neckarsteinach. „Neben der Jungfernfahrt nach dem Umbau, einer Fahrt zu den Theatertagen nach Heidelberg und der Überholung vor fünf Jahren ist das unsere vierte Reise“, erzählt Kipfer.

Eine Schiffsuntersuchungskommission begutachtete den Kahn, der in seinem ersten Leben der französischer Frachter Roanber war. „Dementsprechend haben wir die Wartungsarbeiten durchgeführt“, erklärt Dirk Schaller, der jetzige Betriebsleiter. Auch ihn hat das Theaterschifffieber gepackt. Er begleitet das Schiff nach der Überholung zurück bis zur ersten Schleuse in Richtung Heilbronn: „Damit ich sehe, ob auch alles funktioniert“.

Danach ist Willi Langbein mit seiner Crew alleine. Noch sieben Schleusen und etwa zehn Stunden Fahrt liegen vor ihnen. Das 39 Meter lange und 5,05 Meter breite Schiff schafft mit dem 120 PS-Motor lediglich eine Spitzengeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde. Ohne Aufbau und nur ansatzweise mit einer Reling ausgestattet, bietet es einen ungewöhnlichen Anblick für Uferspaziergänger, Paddler und Camper. Es fährt unter der Flagge der Werft, mit einer Harfe auf schwarz, rot, goldenem Grund.

Die schwierigste Passage für den Schiffsführer ist die Einfahrt in den Altneckar, denn er muss das Boot rückwärts zum Anlegeplatz steuern. „Mit dieser Motorisierung ist das fast nicht machbar“, sagt Willi Langbein. Zentimeter für Zentimeter und nicht immer auf direktem Kurs schiebt sich das Boot in Richtung Stadtzentrum.

Auf dem abgeräumten Deck ragt der Bierzapfhahn ein paar Zentimeter heraus. Wird er unter der Götzenturmbrücke durchgehen ohne anzuecken? Absägen oder nicht, die Frage muss blitzschnell entschieden werden. Schließlich gleitet das Theaterschiff haarscharf unter dem Brückenbogen hindurch. Beim Anlegeplatz verfolgen zahlreiche Zuschauer, wie das Schiff schließlich vertäut wird.

Der Rumpf hat jetzt eine aparte silbergraue Färbung. „Die Farbpalette bei den Schiffsfarben ist größer geworden“, erklärt der Schiffsführer. Zwei Tage Aufbau, dann ist das Schiff wieder ganz und darf die nächsten zehn Jahre als schwimmende Bühne amtlich weiter im Neckar ankern.