Mit musikalischem Esprit

Unter der Glaspyramide

„Kontraste“ versprach das jüngste Kammerkonzert unter der Glaspyramide in der Kreissparkasse Heilbronn. Auf dem Programm überwiegend Komponisten, die als musikalische Weltenwanderer teils freiwillig, teils gezwungen neue musikalische Eindrücke mit eigener Tradition in Einklang brachten.

Kein Wunder also, dass Darius Milhauds Suite 157b nicht nach neobarocker Trockenübung klingt, wenn bereits die Ouvertüre quirlige südamerikanische Rhythmen und muntere „walking bass“-Elemente bietet. Nanna Koch (Violine), Norbert Kaiser (Klarinette) und Saoli Saito (Klavier) bedienen sowohl stilistische Phantasie als auch die formale Einheit der Sätze mit großem musikantischem Esprit.

Schon als Siebzehnjähriger verewigte George Enescu die Schönheiten seiner rumänischen Heimat in einer orchestralen Tondichtung, später hielt der Wahlfranzose mit den „Impressions d’enfance“ op.28 (1940) für Violine und Klavier programmatische Rückschau. Kernig, virtuos-behauptend und kompromisslos imitiert Nanna Koch das Solo des Dorfmusikanten (Ménétrier), da stimmt jeder Ton, jeder Taktwechsel. Sehr viel vermittelnder und symphonisch-elegischer speist das Solo-Motiv am Ende den ausladenden Sonnenaufgang (Lever du soleil), dazwischen reihen sich kurze, prägnante Stimmungsbilder: schlurfende Tonschritte und Seufzerfiguren kennzeichnen den alten Bettler, ein Bächlein murmelt, Vögel zwitschern in höchsten Geigenlagen, unheimlich rauscht der Wind im Kamin.

Bildhafte Phantasie spricht ebenso aus Tema con variazioni für Klarinette und Klavier (1974) von Jean Francaix, wenn etwa in der 3. Variation die Motivabspaltungen Slapstickszenen durchwandern. Norbert Kaiser akzentuiert mit Verve und pointiert-nasalem Klarinettenton, stürzt sich temporeich auf Skalenläufe oder tanzt gleichsam mit Duopartnerin Saito einen melancholischen Walzer.

Bartóks „Contrasts“ (1938) vereint als Titelstück des Abends zum Schluss wieder alle Solisten als homogenes Ensemble. Stilisierte Motivik und Anklänge an bulgarische Proportionen werden nicht überbetont, sondern gefallen als organisch gearbeitete Strukturen im tänzerischen Duktus. Ein trügerischer Ruhepunkt ist der zweite Satz „Pihenö“ mit lauernden Untertönen des Klaviers. Viel Beifall für ein vital musizierendes Trio.