Leuchtende Hoffnung

Heilbronn - Es ist ein Fragment geblieben: Mozarts Kyrie d-Moll. Und dient dennoch ganz fabelhaft als stimmungsvolle Einleitung für das Oratorienkonzert in der gut besuchten Kilianskirche. Umweht vom Trauerflor des Orchesters, erheben sich die Stimmen wie zu einem Warnruf.

Von Monika Köhler

Heilbronn - Es ist ein Fragment geblieben: Mozarts Kyrie d-Moll. Und dient dennoch ganz fabelhaft als stimmungsvolle Einleitung für das Oratorienkonzert in der gut besuchten Kilianskirche. Umweht vom Trauerflor des Orchesters, erheben sich die Stimmen wie zu einem Warnruf. Und mit Nachdruck federt das "Kyrie Eleison" durch das Kirchenschiff, durchzogen von feinsten Gesangslinien, denen das "Christe" demutvoll entgegensteht.

Mozart pur Wie glänzend unter der Leitung von Kilianskantor Stefan Skobowsky das Vokalensemble Heilbronn und das Sinfonieorchester der Musikschule hier miteinander harmonieren, zeigt sich auch im folgenden, unvollendeten Requiem d-Moll, Mozarts letzter Komposition überhaupt, das hier − wie selten gehört − pur und ohne Ergänzungen erklingt. Deutlich ist an einigen Stellen die Auseinandersetzung des im Jahr der Entstehung 1791 Verstorbenen mit seinem nahen Ende zu spüren. Eindringlich wird die große Suggestionskraft des Werks in Szene gesetzt, vehementes Aufbrausen und stiller Rückzug mit dynamischen Abstufungen gestaltet. Spannungsvoll gelingt der Auftakt im Introitus, dem ein lebhaftes Kyrie folgt. Im Dies irae nehmen Streicherkaskaden gefangen, das zarte Lacrimosa endet abrupt; und im Offertorium berührt der Wechsel zwischen Chorfülle und solistischem Gesang. Meisterhaftes leisten die Gesangssolisten Tabea Schmidt (Sopran), Zografia-Maria Madesi (Alt), Florian Cramer (Tenor), Daniel Raschinsky (Bariton) und Patrick Pobeschin (Bass) auch bei Frank Martins 1944 im Vorfeld zum Kriegsende entstandenen Oratorium "In Terra Pax", dessen Wunsch nach Frieden man sich auch heute gerne anschließt.

Röhrenglocken Apokalyptische Reiter, demütiges Bitten um Vergebung, Einsicht und leuchtende Hoffnung: alles findet sich in der vergleichsweise modernen Musiksprache des Schweizer Komponisten, die mit dissonanten Farben und ungewöhnlichem Instrumentarium, wie etwa den Röhrenglocken, für Gänsehauteffekte sorgt. Wenn auch das Orchester, das selbst mit Solisten glänzt, bei den Gesangssolisten gelegentlich mehr Zurückhaltung zeigen könnte, wird hier doch ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk geboten, das mit melodiösem Reichtum und lautmalerischen Klangbildern nachhaltig beeindruckt.


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