Kommen, gehen und ein bisschen verweilen

"Kilians Nachtmusik" in der Kilianskirche begeisterte

Von Michaela Adick

Heilbronn - Dieser Panther. Überall und nirgendwo scheint er zu sein. Aber ob er wirklich je gesehen wurde, dieser rosarote Diamant in Form eines Panthers? Wie geschmeidig er doch ist, wie elegant und wie schrecklich flüchtig. Und irgendwo, das muss dem Publikum in der brechend vollen Kilianskirche gewiss sein, wird wohl auch schon der tollpatschige Inspektor Clouseau warten, der dem Phantom seit Jahr und Tag hinterherjagt.

Die fünf Blechbläser von Blechreiz unter der Leitung ihres Hornisten Jörg Hinderer sind jetzt der Fährte von Henry Mancini gefolgt, hinreißend interpretieren sie die Oscar-prämierte Filmmusik. Szenenapplaus ist ihnen sicher, wie auch den Kindern der diversen Kinderchöre, die die lange Musiknacht in der Kilianskirche eröffneten.

Gipfeltreffen Wieder hieß es, kurz bevor die Stunde der Kirchenmusik in die Sommerpause geht, Bühne frei für "Kilians Nachtmusik", dem Gipfeltreffen der Heilbronner Chöre und Bläser. In einem über vierstündigen Konzert-Marathon, nur unterbrochen durch kurze Verschnauf- und Imbisspausen, gaben sie ihre Visitenkarte ab.

Den Dreikäsehochs von Friedens-, Kilians- und Südgemeinde gehört die erste Stunde. Schmissig interpretieren die Peter Schindlers Kinderhits aus "Hans, mach Dampf", swingende Lieder über kleine Krokodile und die Abenteuer einer Käsebande. Und das Publikum, das sich im Laufe des Abends stetig neu zusammensetzen wird, es darf sich nicht einfach zurücklehnen: Mitmachen ist angesagt. Mittanzen. Mit dem Auftritt des Ensembles Salto Vocale unterLeitung von Markus Ortelt geht es nach einer Pause weiter. Händel wenden sie sich zu und Bach. Das Publikum kommt, wartet ab, verweilt ein paar Minuten oder auch Stunden. Keine Frage: Hier ist Sitzfleisch gefragt. Und eine gewisse Vorliebe für die Herren Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Harter Kern Konzessionen an einen langen Sommerabend machen sie nicht, die Chöre. Mit einem satten Konzert, das Mendelssohn-Bartholdy gewidmet ist, dem Vertreter der Romantik, melden sich das Vokalensemble und der Bach-Chor der Kilianskirche zu Wort. Kantor Stefan Skobowsky leitet das Konzert, Andreas Benz ist an der Orgel. Doch jetzt ist es das Heilbronner Bläserensemble unter Martin Schönfeld, das für die Bläser-Einlagen zuständig ist. Mendelssohn-Bartholdy erwartet einen. Wer sonst.

Die Zeiger rücken vor, Verspätungen müssen eingeholt werden, das Publikum lichtet sich. Ein harter Kern genießt zu vorgerückten Stunde den Heinrich-Schütz-Chor mit seinem Dirigenten Michael Böttcher. Ganz zart interpretieren sie die Lieder ihres Namensgebers, innig, meditativ. Noch einmal tritt das Heilbronner Bläserensemble auf. Die "Evening Hymn für Orgel und Bläser" des Engländers Henry Balfour Gardiner stimmen die Bläser an: ein üppiges Werk der Spätromantik. Der Sommer kann kommen.