Klangvolle Töne, nachdenkliche Texte

Violinistin Nanna Koch und Schriftstellerin Gertrud Zelinsky im Schießhaus

Von Theophil Hammer

Heilbronn - „Innen-Räume“ - ein Dialog aus Tönen und Worten, nennt sich ein ambitioniertes Programm, das Nanna Koch (Violine und Viola) und Gertrud Zelinsky (Lesung) zur Passionszeit zusammengestellt haben. Zwar sind Musik und Texte aufeinander bezogen, zum Dialog über Tod und Leben kommt es allerdings nicht, weil die Gewichte zu ungleich verteilt sind.

Die kurzen Texte von Gertrud Zelinsky, Tankred Dorst und Else Lasker-Schüler sind oft nur Gedankensplitter („Das Kreuz, es strahlt von Osten - Hoffnung“), bilden bestenfalls Intermezzi zwischen den ausgedehnten und anspruchsvollen Streicher-Werken von Lera Auerbach, Manfred Trojahn, Eugène Ysaÿe und Benjamin Britten. Erschwerend kommt hinzu, dass Gertrud Zelinsky zwar eine angenehm-warme Sprechstimme besitzt, aber für die hallende Akustik zu rasch und zu wenig artikuliert liest.

Vieles ist deshalb nur mit Mühe zu verstehen. Es hätte einer ausgebildeten Rezitations-Stimme bedurft, um mit dem akustisch problematischen Schießhaus-Saal zurechtzukommen. Für Nanna Koch ist der üppige Raumklang hingegen von Vorteil. Ungehindert und dennoch nuancenreich können sich die Töne von Violine und Viola entfalten. Es ist erstaunlich, mit welch geigerischer Souveränität und Gestaltungskraft die stellvertretende Konzertmeisterin des Württembergischen Kammerorchesters auch neueste Solo-Werke zu interpretieren weiß.

Bis ins kleinste Detail

Da gibt es keine Unsauberkeiten. Hinzu kommt, dass sie die für Viola bearbeitete Cello-Suite von Benjamin Britten nach der Pause mit der gleichen Sorgfalt und Tonschönheit interpretiert, wie die Violinwerke davor. Das neunsätzige Opus erfährt eine bis ins kleinste Detail ausgefeilte Wiedergabe. Während Lera Auerbachs „T'filah“ eher meditativ angelegt ist, bevorzugt „Ginevras Lied“ von Manfred Trojahn den eruptiven Gestus. Nanna Koch hat sowohl für das inständige Bitten wie auch für die berstende Intensität den entsprechenden Tonfall gefunden.

Ysaÿes einsätziger dritter Sonate d-Moll bleibt sie geigerisch nichts schuldig. Bravourös meistert sie Doppelgriffe und entfesselte Virtuosität. Heftiger Beifall für eine außerordentliche Leistung.