In der Region und in der Welt zu Hause

Heilbronn - Es war eigentlich ganz normal, zu malen", erinnert sich Katarina Bendixen an ihre Kindheit und Jugend. Schließlich beschäftigten sich im Hause Busse-Bendixen irgendwie alle immer mit Kunst. Und so hat auch Katarina nach dem Abitur in Hamburg Kunst studiert und lebt heute überwiegend in Ligurien, wo sie im einstigen Atelier des Vaters arbeitet.

Von Claudia Ihlefeld

In der Region und in der Welt zu Hause
Stehen für die künstlerische Tradition einer Familie: Die Malerinnen Hal Busse (links) und Tochter Katarina Bendixen vor Busses "Luft/Raum" (1983).Foto: Klaus Schaeffer

Heilbronn - Es war eigentlich ganz normal, zu malen", erinnert sich Katarina Bendixen an ihre Kindheit und Jugend. Schließlich beschäftigten sich im Hause Busse-Bendixen irgendwie alle immer mit Kunst. Und so hat auch Katarina nach dem Abitur in Hamburg Kunst studiert und lebt heute überwiegend in Ligurien, wo sie im einstigen Atelier des Vaters arbeitet.

Immer öfter aber kehrt die Künstlerin nach Heilbronn zurück zu ihrer Mutter, der Malerin Hal Busse. In deren Haus stapeln sich nicht nur die eigenen Bilder, sondern auch die Leinwände von deren Vater Hermann Busse, von Klaus Bendixen, ihrem Mann, und Arbeiten der Tochter Katarina. Jetzt widmet sich das Künstlerhaus in der Zigarre dieser bemerkenswerten Familie. In einer Ausstellung im Scheddachraum direkt unterm Dach dokumentieren die Bilder der vier Maler aus drei Generationen die Tradition der Familie Busse-Bendixen: eine kleine Künstlersozialgeschichte, die nicht nur in der Region einzigartig ist. Der Fundus an Bildern, aus denen Siegfried Simpfendörfer schöpfen durfte, ist enorm. Auf seine Anregung hin ist nun diese sehr private Schau entstanden mit Arbeiten, die teils noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

Der Region ist der Busse-Bendixen-Clan seit 1920 verbunden, als der impressionistische Landschaftsmaler Hermann Busse (1883-1970) aus Berlin während einer Studienreise im Gasthof "Schöne Aussicht" in Jagstfeld die Wirtstochter kennenlernte. 1926 kommt Tochter Hannelore auf die Welt in einer Umgebung künstlerischer Anregungen. An der Stuttgarter Akademie lernt Hal Busse während ihres Studium Klaus Bendixen kennen, beide studieren bei Willi Baumeister.

Internationale Szene

1959 wird Tochter Katarina geboren, als der gebürtige Hannoveraner Bendixen als Professor and die Hochschule für Bildende Künste nach Hamburg berufen wird, zieht die Familie von Stuttgart an die Elbe. Nach seiner Emeritierung lebt Bendixen in Hamburg und Diano Marina in Ligurien, 2003 stirbt er in Heilbronn, wohin es Hal Busse zurückgezogen hatte, ihre alte Mutter zu pflegen.

Mischten Hal Busse und Klaus Bendixen in den 50er und 60er Jahren bei der nationalen und internationalen Avantgarde mit, gründete Hermann Busse 1995 den Jagstfelder Kreis, der unteren anderen Robert Förch, Friedrich Knödler und Hans Schreiner angehörten: eine lose Künstlervereinigung, die die Verbindung der Region Heilbronn zur internationalen Kunstszene darstellte. Im obersten Stockwerk im Kulturwerkhaus Zigarre hängen nun gut 50 Arbeiten, die aller unterschiedlicher Handschrift zum Trotz ein gemeinsames Bekenntnis verbindet: die Lust an der Farbe, am großzügigen Malduktus.

Impressionen vom Bodensee und Rügen (Hermann Busse) hängen neben Katarina Bendixens atmosphärischen Momentaufnahmen von Diano Marina, neben den Container-Bildern von Vater Klaus Bendixen und anderen Abstraktionen. Und neben großformatigen Bildern Hal Busses, auf denen sie etwa die Stimmung auf dem Lido in Venedig bannt während des WM-Finales Deutschland gegen Italien 1982. Schwungvolle Gartenimpressionen sind zu sehen, Hal Busses Nagel-Reliefs indes fehlen in der Ausstellung, die sie als frühe Vertreterin der Avantgarde auszeichnen.

"Drei Generationen − Vier Künstler" wird am Freitag, 19 Uhr, in der Heilbronner Zigarre, Weststraße 28, eröffnet. Bis 9. Oktober, Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.