Herbe Schönheit einer selten gehörten Messe

Heilbronn - Wenig spektakulär beginnt die Stunde der Kirchenmusik in der Kilianskirche. Auf ein artig rhythmisiertes "Wer nur den lieben Gott lässt walten" aus dem "Orgelbüchlein" folgt Bachs "Herr Gott, wir loben dich", eine Art deutsches Te Deum.

Von Lothar Heinle

Heilbronn - Wenig spektakulär beginnt die Stunde der Kirchenmusik in der Kilianskirche. Auf ein artig rhythmisiertes "Wer nur den lieben Gott lässt walten" aus dem "Orgelbüchlein" folgt Bachs "Herr Gott, wir loben dich", eine Art deutsches Te Deum. Das Vokalensemble Heilbronn verteilt sich im Chorraum, immerhin bringt räumlich geteilte Aufstellung zwischen Hochaltar und Chororgel akustische Abwechslung in die liturgische Einförmigkeit der schnell ermüdenden Verswechsel.

Erhabene Eleganz Stefan Skobowsky rettet die Situation an der Hauptorgel, weckt auf mit emsiger Motivarbeit in der Choralbearbeitung "Wenn wir in höchsten Nöthen sein". So gar nichts Endgültiges hat "Alle Menschen müssen sterben", spielerisch erhabene Eleganz bereitet auf den Weg danach vor. "Ach wie nichtig, ach wie flüchtig" zeigt Vergänglichkeit in ausgeprägten musikalischen Figuren. Ist das "Kleine harmonische Labyrinth" wirklich von Bach? Die Freude barocker Gartengestalter an künstlichen Labyrinthen ist hier ohrenfällig auf die Harmonik der Zeit übertragen.

Klangkultur Höhepunkt ist die doppelchörige Messe (1922) von Frank Martin, hier beweist ein sichtbar verjüngtes Vokalensemble homogene Klangkultur. Vom zehnten Kind eines calvinistischen Genfer Pfarrers erwartet man kontrollierte Architektur, doch Martin reichert sein Werk mit impressionistischer Melodik an, das Doppelchörige wirkt weit weniger verkopft als manches deutsche Produkt der 20er Jahre.

Schlank und schwebend formt das Vokalensemble "Kyrie" und "Sanctus", Teile wie das "Credo" erfahren eine prägnante, nicht überpointierte Deklamation. Sehr gut gelingen dynamische Nuancen, dabei lässt Skobowsky den Chor auch mal kraftvoll aussingen. Tadellos offenbart das Vokalensemble die herbe Schönheit der viel zu selten aufgeführten Messe.