Geschichtchen aus dem orangenen Koffer

Heilbronn - Uwe Kröger bittet um Applaus für Britta. Immer wieder. Doch verdient hat es das Karussellpferdchen, auf dem er als Kind einige Ausritte machte, nicht. Warum auch? Uwe Kröger wünscht ein Klatschen für einen Koffer, der angeblich einige seiner Lebensgeschichten zu erzählen weiß. Wieder und wieder.

Von Marcel Auermann

Geschichtchen aus dem orangenen Koffer
Uwe Kröger weicht nicht von der Seite seines orangenen Koffers, für den er Applaus einfordert und damit die Geduld des Publikums arg strapaziert.Foto: Thomas Braun

Heilbronn - Uwe Kröger bittet um Applaus für Britta. Immer wieder. Doch verdient hat es das Karussellpferdchen, auf dem er als Kind einige Ausritte machte, nicht. Warum auch? Uwe Kröger wünscht ein Klatschen für einen Koffer, der angeblich einige seiner Lebensgeschichten zu erzählen weiß. Wieder und wieder.

Dieses Utensil zieht sich wie ein lästiger roter − nein, orangener − Faden durchs Programm. Mal neigt Kröger es nach vorne, nach rechts, dann nach links. Alles erinnert ein bisschen ans Kasperletheater, bei dem die Kinder ja auch immer schön brav mitmachen. Aber das soll "Absolut Uwe" sein. Das Typische, das Beste, das Schönste, was der (einstige?) Musicalstar zu bieten hat.

Gute Musiker Uwe Kröger holt tief Luft, schmunzelt und fordert − erneut − vom Publikum, das gerade einmal ein Drittel der Heilbronner Harmonie füllt, Applaus ein. Dieses Mal für seine Wiener Big Band unter Leitung von Herwig Gratzer. Das geht in Ordnung. Denn die Musiker machen einen guten Job. Sie spielen sämtliche Musicalmelodien glasklar, ohne Schnörkel und voluminös wie ein üppig besetztes Orchester. Doch die etwa 300 Zuschauer gefühlte 50 Mal auf die Herren aufmerksam zu machen, ist nervig.

Auf der Stelle Immerhin sind bereits kostbare 40 Minuten vergangen. Uwe Kröger hat gerade drei Titel gesungen: "Ich bin nur für die Liebe da", "Born Free" und "California Dreamin"". Dabei umspielen den etwas füllig gewordenen 45-Jährigen vier Tänzerpärchen, die auch den vokalen Background beisteuern. Dass das Programm etwas auf der Stelle trippelt wie Karussellpferdchen Britta, scheint auch eingefleischte Fans im Saal zu langweilen. Ein Mittfünfziger in Reihe fünf verdreht sogar die Augen.

Dann − endlich − die ersten Takte von "Starlight Express". Dieses Paradestück aus dem Bochumer Musical, in dem Kröger den ersten deutschsprachigen "Rusty" gab. Das war 1988/1989, noch bevor er die Ausbildung abschloss. Er brillierte Abend für Abend als rostige, veraltete und doch liebenswerte Dampflok. Doch diesmal kommt Kröger ordentlich ins Schnauben. In den Höhen wirkt seine Stimme brüchig und schwach, teils presst er die Töne heraus oder näselt. Die Tiefen hingegen hat er auf Abruf parat. Bei "Aquarius" und "Goldfinger" wendet er einen Kniff an. Das Ensemble hilft ihm über musikalische Schwachstellen hinweg.

Kuriose Situation Schließlich kommt es zu einer kuriosen Situation. Uwe Kröger holt seine Kollegin Annemieke van Dam auf die Bühne. Dieses 28-jährige Fräulein, das die Zuschauer aus Stuttgarter "Elisabeth"-Zeiten kennen dürften, singt den an die Wand, in dessen One-Man-Show sie sich befindet. Respekt. Sie übertönt Kröger bei "Wenn ich tanzen will" wie auch bei "Der letzte Tanz", obwohl er bei diesen Titeln sein Können zeigt. Kaum einer verkörpert die Figur des Todes so gut wie er. Van Dams "Ich gehör" nur mir" steigert sich von Takt zu Takt und ist so herrlich jauchzend zum Schluss − gerade so wie es sich Komponist Sylvester Levay wohl einst vorstellte.

Der Sänger bittet natürlich mal wieder um Applaus. Und erstmals ist dieser − um Kröger selbst zu zitieren − "absolut" angebracht.


Kommentar hinzufügen