Frisch und unbekümmert jazzt das Sebastian Böhlen Quintett in der Ebene 3

Heilbronn - Jazz-Gitarristen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Hatte es bislang nicht genügt, mal bei den Herren Wes Montgomery, Joe Pass oder Pat Metheny reinzuhören? Sebastian Böhlen gibt sich damit nicht zufrieden. Klar waren sie irgendwann wichtig für ihn, so mit 14, 15 Jahren als er den Jazz für sich eroberte. Doch der gerade einmal 22-jährige Böhlen, der in der Ebene 3 so abgeklärt über seine Entdeckerphase spricht, war schon immer klar, dass er etwas anders tickt.

Von Michaela Adick

Heilbronn - Jazz-Gitarristen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Hatte es bislang nicht genügt, mal bei den Herren Wes Montgomery, Joe Pass oder Pat Metheny reinzuhören? Sebastian Böhlen gibt sich damit nicht zufrieden. Klar waren sie irgendwann wichtig für ihn, so mit 14, 15 Jahren als er den Jazz für sich eroberte. Doch der gerade einmal 22-jährige Böhlen, der in der Ebene 3 so abgeklärt über seine Entdeckerphase spricht, war schon immer klar, dass er etwas anders tickt. Zurzeit etwa interessieren ihn die Partituren von Brahms und Beethoven. „Ist doch toll, über solch klassische Konzepte zu improvisieren.“ .

Alles Studenten

Lauter Eigenkompositionen, die man im weitesten Sinne der klassischen Avantgarde zurechnen muss, präsentiert der Ostfriese mit seinem Quintett in der Ebene 3. Frisch und unbekümmert geht Böhlen mit seinen Kumpels ans Werk. Alle studieren sie noch, in Basel und in Berlin. Böhlen selbst hat in Mannheim bei Frank Kuruc, einem der profiliertesten jungen Gitarristen, eine Heimat gefunden. Und der lässt ihn machen. Kleine polyphone Exkurse? Nur zu. Zu fünft stehen sie auf der Bühne, treiben ihre Kleinjungenspäßchen und knipsen sich gegenseitig, schließlich muss dringend eine Homepage gebaut werden. Ohne Klavier, dafür mit zwei Saxofonen treten sie an. Auch das gehört zum Soundkonzept des Gitarristen, der seiner starken Rhythmusgruppe mit Jakob Dreyer (Kontrabass) und Martin Kümmling (Schlagzeug) etwas entgegensetzen will.

Melancholie

Bruder Andreas Böhlen am Altsax und Stefan Schmid am Tenorsax sollen es richten, mit starken Unisono-Phasen, die Sebastian Böhlen nonchalant aufbricht. Er darf das schließlich, als Komponist und Bandleader. Und überhaupt. Allzu üppig hat er es sowieso nicht gerne. Mit der gepflegten Melancholie schon eher. „Sie fehlt erneut“ ist so ein zartbitteres Stück, mitten aus dem Leben gegriffen.