Fluch auf den sinnlosen Krieg

Heilbronn - Wie zahm es doch klingt, wie irritierend weich, dieses gehauchte "Amao Omi." Auf der Zunge zergehen lassen möchte man die Sentenz, doch ein Blick in die Konzertnotizen lässt einen zurückschrecken. Um den sinnlosen Krieg geht es also?

Von unserer MitarbeiterinMichaela Adick

Fluch auf den sinnlosen Krieg
Maike Krullmann, Christoph Einzel, Jan Schulte-Bunert und Kathi Wagner (von links) bilden das Saxofonquartett Clair-Obscur.Foto: Kirchenmusiktage

Heilbronn - Wie zahm es doch klingt, wie irritierend weich, dieses gehauchte "Amao Omi." Auf der Zunge zergehen lassen möchte man die Sentenz, doch ein Blick in die Konzertnotizen lässt einen zurückschrecken. Um den sinnlosen Krieg geht es also?

Gegen den Krieg als solchen hatte sich der georgische Komponist Gija Kantscheli ausgesprochen, der längst an der Königlich Flämischen Philharmonie in Antwerpen sein Auskommen gefunden hat. Damals zu Beginn der 2000er Jahre, als vom Kaukasus-Konflikt im Westen noch keine Rede war. Verstanden wird "Amao Omi", Fluch auf den sinnlosen Krieg, auf der ganzen Welt. In einer gemeinsamen Aufführung von Vokalensemble Heilbronn (Leitung: Stefan Skobowsky) und dem Berliner Saxofonquartett Clair-Obscur wurde nun Kantschelis 25-minütiges Stück "Amao Omi" in der Kilianskirche aufgeführt: Eine eindringliche, leicht zugängliche Studie über den Wahnsinn des Krieges.

Trügerischer Frieden

Wortmalereien glaubt man zu erkennen, georgische Volks- und Wiegenlieder, Mädchen- und Pflanzennamen, ein trügerischer Frieden, der in einem resignativen Aufschrei endet. Eindringlich ziehen Vokalensemble und das Saxofonquartett, das seine Heimat wiederum in der Neuen Musik hat, ihre Kreise: in einer bewundernswerten klaren, pointierten Artikulation, die die Besucher fasziniert.

In jeder Hinsicht ist diese Stunde der Kirchenmusik, die im Rahmen der 64. Heilbronner Kirchenmusiktage stattfand, ein Leckerbissen. Da ist das bestens aufgelegte Vokalensemble, das sich der schweren Kost mit großer Leichtigkeit annähert, was sich im nicht unkomplizierten Sprechgesang "Singet dem Herrn − Psalm 96" des Rilling-Schülers Siegmund Schmidt beweist, der an diesem Abend seine Uraufführung hat.

Furchtlos agiert das Vokalensemble, das von Clair-Obscur, das sind Jan Schulte-Bunert (Sopransaxofon), Christoph Enzel (Tenorsaxofon), Maike Krullmann (Altsaxofon) und Kathi Wagner am Baritonsaxofon, getragen wird. Für ihre klaren Konturen sind sie längst berühmt, die Saxofonvirtuosen. Dabei sind sie immer um ein gewisses Gleichgewicht bemüht.

Bei aller Sympathie für klare Konturen, sorgen sie immer wieder für kleine Irritationen. Ohne Irritationen, dafür mit ehrlicher Freude wird Hermann Rau, Nestor des Vokalensembles, geehrt.

1965 hatte er, der Gründer der Musikstation Sontheim, den Chor ins Leben gerufen. Gerührt und belustigt nimmt Hermann Rau den vom Förderkreis Neue Musik ausgelobten Förderpreis an − um ihn kurzerhand zurückzustiften.


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