Fast so beliebt wie die Autobahn

Stadtbibliothek legt ihren Jahresbericht vor

Von Uwe Grosser

Fast so beliebt wie die Autobahn
Zum Kerngeschäft der Stadtbibliothek Heilbronn gehört zwar das gedruckte Wort, doch sie hat weit mehr zu bieten.Foto: Archiv/Kugler

Heilbronn - Bibnetz? Das Bibnetz ist kein Netzwerk von Bibelkundigen oder Biberfreunden, sondern ein digitales Angebot der Stadtbibliothek Heilbronn, das seit Juni 2007 online ist: „Es ermöglicht, Literatur- und Informationsrecherchen über mehrere Datenbanken gleichzeitig auszuführen“, erklärte Bibliotheksleiterin Monika Ziller dem Kulturausschuss des Heilbronner Gemeinderats, dem sie jetzt ihren Jahresbericht vorlegte. Die Ratsrunde war beeindruckt von dieser Neuerung, deren Suchergebnisse die Nutzer sich sogar per E-Mail nach Hause schicken lassen können.

Rückkehr der Fernleihe Das Bibnetz erlaubt auch den Zugang zu 25 teils kostenpflichtigen Zeitungs- und Zeitschriftenarchiven und Datenbanken wie Brockhaus. Sogar die 2003 wegen Personaleinsparung eingestellte Fernleihe ist nun wieder möglich. Sie soll ins Bibnetz integriert werden, und schon kann der Kunde die Arbeit selbst erledigen.

Die Vorteile moderner Technik für die Kunden nutzbar machen. Auf diesem Sektor hat die Stadtbibliothek im K3 in der Vergangenheit viel geleistet, ohne ihr eigentliches Geschäft dabei zu vernachlässigen, was sich auch in Zahlen niederschlägt: Die Ausleihzahlen sind auf einem hohen Niveau geblieben und gegenüber 2005 lediglich von 1,14 Millionen auf 1,13 Millionen gesunken. Zum Vergleich: Fünf Jahre vorher waren es mit 876 000 Ausleihen noch 29,5 Prozent weniger. Und das, obwohl der Bestand damals um 16 Prozent höher lag. Von 304 800 ist der Medienbestand seither auf 255 500 gesunken.

Wie das? Ziller: „Das war Altbestand, den wir ausgemustert haben, aber nur, was nicht mehr genutzt wurde.“ Für Bibliotheken gelte generell, dass ihr Bestand alle zehn Jahre komplett erneuert sein sollte, „doch davon sind wir aus finanziellen Gründen weit entfernt“. Immerhin wurde der Buch- und Medienetat 2006 um 5,6 Prozent erhöht von 229 000 Euro (2005) auf 242 000 Euro. Damit stieg die Erneuerungsquote der Medien wenigstens auf knapp acht Prozent.

Erfreuliches vermeldete Ziller auch von den Zweigstellen in Biberach und Böckingen sowie vom Bücherbus: steigende Nutzung, beim Bus sogar um 6,2 Prozent. Interessantes bietet die Stadtbibliothek auch für Musikfreunde. Auf der Webseite finden sich unter „Heilbronner Musikleben“ Infos zu Chören, Ensembles und Orchestern, Jazz- und Rock-Szene, Fördervereine und Freundeskreise.

Nur eines bereitet dem Kulturausschuss Kopfzerbrechen: Heilbronn liegt im Bibliotheksranking der Bertelsmann-Stiftung unter 30 Bibliotheken in Städten über 100 000 Einwohner nur auf Platz 16.

Nur gute sind dabei Ziller nannte einleuchtende Gründe: „An diesem Ranking nehmen überhaupt nur gute Bibliotheken teil.“ Da werden „Input und Output ins Verhältnis gestellt“, so Ziller, „und oben stehen die Bibliotheken, die eine höheren Input haben, in die also mehr reingebuttert wird.“ So sind mit mehr Personal auch bessere Öffnungszeiten möglich, ein Café fördert ebenfalls die Beliebtheit, und bessere Standorte im Herzen der Stadt bringen auch mehr Laufkundschaft.

In der Gunst der Heilbronner Bürger steht die Bibliothek übrigens ganz weit oben. Bei einer Bürgerbefragung zu den Angeboten der Stadt zeigten die sich nur mit der Autobahnanbindung (98 Prozent) noch zufriedener als mit der Bibliothek (94 Prozent).