Erinnerungen an bewegte Leben

Remseck/Heilbronn - „Schreiben, um zu leben.“ Über viele Jahre war das Heidi Gerlachs Lebensmotto. 1929 geboren, versuchte sie die Kriegs- und Alltagserlebnisse in Tagebüchern zu verarbeiten. Inzwischen schreibt Heidi Gerlach ihr 94. Tagebuch. Im Juni ist sie 80 Jahre alt geworden, sie lebt in Remseck.

Von Melanie Kräuter

Remseck/Heilbronn - „Schreiben, um zu leben.“ Über viele Jahre war das Heidi Gerlachs Lebensmotto. 1929 geboren, versuchte sie die Kriegs- und Alltagserlebnisse in Tagebüchern zu verarbeiten. Inzwischen schreibt Heidi Gerlach ihr 94. Tagebuch. Im Juni ist sie 80 Jahre alt geworden, sie lebt in Remseck.

Vor 25 Jahren hat sie die Lebensgeschichte ihrer Großmütter und ihre eigene in zwei Büchern verarbeitet. „Ich wollte ihnen ein Denkmal setzen. Es waren sehr arme Frauen, und sie haben furchtbar viel gearbeitet.“ Unterstützung bekam Gerlach von der Autorin Christa Wolf. „Man weiß von den einfachen Frauen so wenig“, sagte sie ihr damals bei einer Lesung in Stuttgart und ermunterte sie zum Schreiben.

„Rosemaries Großmütter“ und „Verkehrtes Kind“ heißen die beiden Bücher, die Gerlach damals unter Pseudonymen schrieb. Erst 17 Jahre war ihre Mutter alt, als sie Heidi als einziges Kind bekam. 1933, im „Jahr des Unglücks“, ließen sich die Eltern scheiden und Hitler kam an die Macht. Obwohl der Vater, langjähriger SPD-Stadtrat in Heilbronn, das Sorgerecht bekam, wuchs Heidi Gerlach bei ihrer Großmutter mütterlicherseits auf. Natürlich klingt in ihren Büchern auch das „ambivalente Verhältnis“ zu ihrer Mutter durch. Diese habe Heidi oft nicht akzeptiert und verstanden. „Mütterlicher Instinkt ist eben nicht angeboren“, sagt Gerlach. „Meine Mutter war sehr gekränkt. Nachdem sie das Buch gelesen hatte, hat sie ein halbes Jahr nicht mit mir geredet.“ Erst später hätten sie sich wieder angenähert. Heidi Gerlach selbst führte ein bewegtes Leben: „Nur zwölf Mädchen haben 1949 in Heilbronn Abitur gemacht.“ Sie war eines von ihnen. Sie begann ein Germanistik-Studium, das sie abbrach, weil kein Geld und Kinder da waren.

„Mein größter Fehler war, den falschen Mann geheiratet zu haben.“ Sie ließ sich scheiden, bekam acht Kinder: „Es galt als asozial, geschieden zu sein und viele Kinder zu haben. Meine Mutter hat sich für mich geschämt.“ Ihr Vater war gekränkt, als sie das Studium abbrach. Blickt sie zurück, wäre sie gern einen anderen Weg gegangen. „Ich wäre sehr gern Journalistin geworden, aber niemand hat mich gefördert.“

Hedwig Traub: „Rosemarie's Großmütter“ und Barbara Pflug: „Verkehrtes Kind“, ausleihbar in der Stadtbibliothek Heilbronn.