Ein schönes Album zum langen Abschied

Heilbronn - Die Rockband Jealous? hat eine professionelle Studio-CD eingespielt und gibt ein letztes Konzert am Ostersonntag

Von Andreas Sommer

Ein schönes Album zum langen Abschied
Satter Sound im Keller: Jealous? proben für ihren Abschied (von links): Martin Mack, Clarissa Rentsch, Matthias Stolla, Matthias Gessler, Sascha Jakob.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Weipertstraße 17, ein Hinterhof-Probenkeller im Industriegebiet. Nach der Adresse muss man nicht schauen, man kann sich auf sein Gehör verlassen. "Ocean", ein Song der Rockband Jealous?, liegt in der lauen Frühlingsluft. Nach fast sechs Jahren Bühnenabstinenz will es das Quintett noch einmal wissen. Im Oktober haben Jealous? in einem Pfullinger Studio eine Woche lang eine technisch perfekte CD mit zwölf Eigenkompositionen aufgenommen: "Until now". Am Ostersonntag kommt die Band für ein Konzert aus der Versenkung zurück: CD-Release-Party und Abschied in einem.

Eigenkompositionen

Von 1996 bis 2004 hatte sich die Band zwischen Gundelsheim und Stuttgart, Mulfingen und Eppingen einen guten Namen erspielt mit ihrem ambitionierten, selbstgeschriebenen Gitarrenrock zwischen Grunge und Britpop. Besondere Kennzeichen: Sängerin, mehrstimmige Gesangsharmonien, keine Covers, anspruchsvolle Harmonik und wenig radiokompatible Songlängen von über fünf Minuten. In den Jahren ihres Bestehens verschliss die Gruppe 15 Mitglieder, in ihrer besten Zeit 1997/98 spielten Jealous? zehn Konzerte im Jahr, darunter in der Stuttgarter Röhre und 2001 vor 2000 Menschen beim Gassenfest in Eberbach an der Jagst. An diesem Samstag proben vier Mitglieder der Urbesetzung in der Weipertstraße: Matthias Stolla (42, Gitarre), Martin Mack (44, Gitarre), Clarissa Rentsch (33, Gesang) und Matthias Gessler (34, Bass). Anstelle des verhinderten Schlagzeugers Martin Wolfinger, der das CD-Projekt angestoßen hatte, trommelt Sascha Jakob (29). Die vier haben seit 1998 nicht zusammengespielt, aber der Sound klingt fett: "Die Finger haben rasch ihren Weg wieder gefunden", meint Stolla, im Brotberuf Redakteur der Hohenloher Zeitung.

In der Musikkneipe Red River liegen die Wurzeln der Band, ihren ersten Auftritt hatte sie 1997 bei der Musiknacht im Ars Vivendi. Aber es gab auch Gigs, wo vor der Bühne kaum mehr Leute standen als auf ihr. "Anreisen, aufbauen, spielen, abbauen: Acht Stunden Arbeit wegen zehn Zuhörern, das hat schon frustriert", erinnert sich Gessler. Die Auflösung geschah in Raten. "Wir haben andere Prioritäten gesetzt", erklärt Gessler, der in Ilsfeld eine Firma für Insektengitter führt. "Und uns musikalisch in verschiedene Richtungen entwickelt", ergänzt Stolla. Martin Mack, der Stolla aus Pfadfindertagen kennt, betreibt in Untergruppenbach einen Outdoorladen, Clarissa Rentsch ist Mutter einer 16 Monate alten Tochter und arbeitet in Stuttgart im Büro. Sascha Jakob verdient seine Brötchen als Software-Entwickler.

Als die Band warmgespielt ist, schneit Stefanie Schiemer aus Dahenfeld herein, die für "Hills Down By The Sea" ein gefühlvolles Querflöten-Solo beisteuert, aber erst, nachdem sie die ganze Crew ausgiebig geherzt hat. Das Solo klappt. Auf Schiemers Frage: "Probt ihr nochmal?" kontert Stolla: "Proben ist für Anfänger." Schiemer verabschiedet sich, und die Band stimmt "Parallel Rainbow" an. Sogar oben auf dem Parkplatz klingt die Stimme von Clarissa Rentsch noch wunderbar.

Abschiedskonzert von Jealous? am Sonntag, 4. April, 20.30 Uhr, im Pfläumli Heilbronn, Viehweide 4. Mit dabei: Arrowhead. Die Jealous?-CD "Until Now" kostet 12 Euro, Bezug über www.lous.de