Ein Liszt-Abend schlägt selten so ein

Obersulm - Während der TV-Sendung "Mainz wie es singt und lacht" wären im Rheinland Konzerte schlecht besucht. Doch bei der Pianistin Cora Irsen (1974) aus dem rheinischen Troisdorf ist das Kulturhaus voll. Ein Liszt-Abend schlägt selten so ein.

Von unserem Mitarbeiter Martin Betulius

Ein Liszt-Abend schlägt selten so ein
Cora Irsen aus Weimar beeindruckte mit ihrem Liszt-Programm.Foto: Ralf Seidel

Obersulm - Während der TV-Sendung "Mainz wie es singt und lacht" wären im Rheinland Konzerte schlecht besucht. Doch bei der Pianistin Cora Irsen (1974) aus dem rheinischen Troisdorf ist das Kulturhaus voll. Ein Liszt-Abend schlägt selten so ein. Öfters gibt es begeisterte Bravosalven, obwohl die trockene Heizungsluft dem Diskant des Flügels Glanz nimmt.

Lyrisches Zwischen der selten gespielten elften Ungarischen Rhapsodie und der Rhapsodie espagnol, einem der allerschwersten Klavierstücke, bietet Irsen Lyrisches: La Regata Veneziana, den dritten Liebes-traum, die Bearbeitung von Schu-berts "Forelle", Andacht, Wasser-spiele der Villa d‘Este, sowie Liszts fast atonalen Spätstil (Trübe Wolken). An zentraler Stelle erklingt die imposant aufrauschende Legende "Franziskus über die Wogen schreitend". Cora Irsens geniale Wiedergabe dieser Werke lässt sich gut anhand der Spanischen Rhapsodie schildern. Nach der virtuosen, aber glasklaren Kadenz steigert sie die in Moll beginnende Chaconne über das "La Folia"-Thema eindrucksvoll, wobei ihr die Triolen des Mittelteils vor dem zweiten Höhepunkt der Chaconne in rascher, aber apart huschender Dezenz gelingen.

Ausdruck Hier und im anfangs spielerischen "Jota aragonesa" fällt Irsens agogisches Rubato auf, also jene Tempo-Nuancierung, die den Ausdruck unterstreicht, wobei Unterlassungen trocken und Übertreibungen vulgär wirken würden. Doch Irsens überzeugende Eloquenz mündet in eine grandiose motorische Steigerung, die mit dem nach D-Dur versetzten Chaconne-Thema endet. Die von Weimar aus weltweit wirkende, große Pianistin zeigt, welche Substanz Liszts von andern oft trivial gespielte Musik besitzt. Den pausenlosen Abend verbindet Irsen mit einer frei gesprochenen Liszt-Biographie. Eine große, zu Recht bejubelte Leistung.