Die Herzen erreichen

Preisträgerkonzert „Jugend musiziert“ in der Kreissparkasse

Von Leonore Welzin

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Mozarts C-Dur Sonate ist für Dominic Huang ein Kinderspiel: Einer von vielen, die beim Preisträgerkonzert „Jugend musiziert“ dem Publikum in der Kreissparkasse Heilbronn Begeisterungsrufe entlocken.Foto: Leonore Welzin  

Heilbronn - Das Publikum unter der Glaspyramide ist sich einig. An Qualität und Vielfalt übertrifft das Preisträgerkonzert des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ die Erwartungen. 50 Kinder und Jugendliche im Alter von acht Jahren bis Anfang 20 geben ihr Bestes mit wunderschönen Stimmen sowie auf Klavier, Streich- und Blasinstrumenten. Kurze, kompakte Stücke von 22 Komponisten vom Barock bis in die Moderne.

Souverän am Klavier Stark erweist sich der Jahrgang in der Kategorie Klavier Solo. Raunen geht durch den Saal, wenn die nervenstarke Bundespreisträgerin Anja Mörk sich an Lachenmanns Variationen über ein Schubert-Thema macht, wenn der jüngste unter den Pianisten, Dominic Huang, mit dem Allegro aus Mozarts C-Dur Sonate bezaubert, wenn Christian Renninger seine Anfangsfehler bei Beethovens c-Moll Sonate weg schmunzelt und ein furioses Finale hinlegt.

Überwältigend die Ausdruckskraft von Fabian Gehrings „Suggestion diabolique“ (Prokofjew) wie auch Hannes Kerns Interpretation von Bachs Präludium und Fuge a-Moll. Eine Spitzenleistung gelingt Philipp Renninger, der zwei Sätze aus Scarlattis Sonate E-Dur spielt.

Feiner Gesang und Blechbläser Ansteckend heiter ist der Swing des Blockflöten-Quartetts Friederike Friedmann, Tina Schmitt, Pamela Spohn und Theresa Böhringer. An drei Austragungswochenenden hatten zuvor 16 Juroren über 50 Stunden die Musikbeiträge der Jugend begutachtet. Und zum Abschluss nun gab es drei Stunden Musik auf höchstem Niveau. Kurzweilig und hörenswert wie die Beiträge der fünf Gesangssolistinnen Vanessa Beck (Wagner), Frederike Wimmer (Händel), Paula Sophie Bohnet (Bellini), Lisa Böhm (Weill) und Tanja Stromsky (Baur), die nicht nur durch schöne Stimmen und fein artikulierten Gesang überzeugen, sondern mit edler Garderobe einen optischen Blickfang bieten.

Erfrischend kommen die Blechbläser daher: Ein Quintett aus zwei Trompeten, Posaune, Waldhorn und Tuba macht den Auftakt mit Smetanas Marsch aus der Prager Studenten-Legion. Erfreulich, dass sich neben diesen lautstarken Bläsern auch Block- und Querflöten-Spieler zu kleinen Ensembles zusammenschließen.

Ehrlich und uneitel Schwieriger scheint dies bei den Streichern zu sein. Umso bemerkenswerter die Leistung, neben einem Geigenduo (Annalena Kohde, Lena Dorsch) ein Quintett (Sophia Friedmann, Nora Marie Petereit, Oscar Silcher, Michael Bänsch und David-Raphael Lang) zusammenzustellen. Humorvoll setzt der Ehrenvorsitzende und ehemalige WKO-Chefdirigent Jörg Faerber einen nachdenklichen Akzent: „Lasst nicht zu, dass Bandbreite und Tiefe in der Musik geringer werden. Beschäftigt euch ernsthaft, ehrlich und uneitel mit allen Fragen der Kunst, dann werdet ihr die Menschen nicht nur unterhalten, sondern ihre Herzen erreichen“.