Die Frau mit dem unruhigen Geist

Ilsfeld - Selten war sie in den letzten Jahren in der Region zu sehen. Gut, im Flüchttor in Brackenheim hatte sie vor einiger Zeit ihre Skulpturen und Objekte vorgestellt, gelegentlich auch im Raum Ludwigsburg, ihrer alten Heimat. Doch Michaela A. Fischer lacht auf. "Eine richtige, das heißt auch konsequente Ausstellungstätigkeit oder ein Engagement wie etwa im Künstlerbund Heilbronn, das ist für mich purer Luxus."

Von Michaela Adick

Die Frau mit dem unruhigen Geist
Die Künstlerin Michaela A. Fischer in ihre Atelier.Foto: Thomas Braun

Ilsfeld - Selten war sie in den letzten Jahren in der Region zu sehen. Gut, im Flüchttor in Brackenheim hatte sie vor einiger Zeit ihre Skulpturen und Objekte vorgestellt, gelegentlich auch im Raum Ludwigsburg, ihrer alten Heimat. Doch Michaela A. Fischer lacht auf. "Eine richtige, das heißt auch konsequente Ausstellungstätigkeit oder ein Engagement wie etwa im Künstlerbund Heilbronn, das ist für mich purer Luxus."

Sie ist keine Hobbykünstlerin, sie lebt von ihrer Kunst. Mit allen Konsequenzen. "Ich habe mir dummerweise das falsche Material ausgesucht." Unwirsch fährt sich Michaela A. Fischer durchs Haar. Die zierliche, 1953 in Alpirsbach geborene Bildhauerin, liebt die Überspitzung. "Bronze und Stein sind schrecklich teuer. Überlegen Sie doch einmal, ständig muss ich in Vorleistung treten. Weiß ich denn, ob ich in der Lage bin, meine Objekte an den Mann oder die Frau zu bringen?"

Die Besucher, die vor ein paar Jahren noch einfach mal in ihrem Atelier vorbeikamen und etwas mitnahmen, kommen nicht mehr. "Es ist schon eine Crux mit der deutschen Mittelschicht." Seit dem Jahr 2000 lebt sie nun mit ihrer Tochter in Ilsfeld-Auenstein. Die Weltenbummlerin, die die 80er Jahre zwischen London, Indonesien und dem australischen Outback verbracht hat, fühlt sich wohl in der Kleinstadt.

Pragmatisch

"Heimat ist für mich kein Ort, Heimat ist da, wo wir gerade leben", sagt sie so resolut wie pragmatisch. "Ich kann heute wirklich mit der größten Gelassenheit in Auenstein leben. Menschen, die zeigen, dass sie anpacken können, werden auf dem Land geschätzt." Michaela A. Fischer hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. 1973 erhält sie ihren Gesellenbrief als Holzbildhauerin, danach geht sie an die Kunstakademie nach Stuttgart, bis sie eines Tages das Fernweh packt.

Wettbewerbe

Heute arbeitet die Frau mit dem unruhigen Geist gerne im sakralen Raum. Den Chorraum der katholischen Kirche in Unterdrackenstein hat sie zuletzt gestaltet, demnächst stellt sie die Ölbergnische an der Alexanderkirche in Marbach am Neckar fertig.

Inzwischen wird sie regelmäßig eingeladen, an Wettbewerben teilzunehmen. Eine heikle Angelegenheit auch das. Wieder muss die Künstlerin in Vorleistung treten. Exposées müssen verfasst, Modelle gebaut werden. Doch überall sind sie zu sehen, ihre Skulpturen. Auf der Schillerhöhe in Marbach etwa, in Leonberg oder Kirchheim am Neckar, wo sie die Brunnenanlage errichtet hat.

Wie so viele Künstler ist sie hin- und hergerissen zwischen Auftragsarbeiten und der freien Kunst. Zuletzt hat sie sich zunehmend auf ihre Schnür- und Drahtfiguren konzentriert. Kleine, freie Arbeiten sind das, verletzbar erscheinende Frauenfiguren oft, fragil, durchschimmernd. "Wie weit kann ich gehen? Wann erreiche ich das höchste Maß an Transparenz?" Die Faszination, da ist sie sich sicher, wird sie so bald nicht mehr loslassen. Doch jetzt müssen erst einmal Aufträge abgearbeitet werden. Brotarbeiten.

Atelierbesuche nach telefonischer Rücksprache unter 07062 674270. Weitere Informationen: www.michaela-a-fischer.com