"Das Haus tut Heilbronn gut"

Heilbronn - Im Februar gehört ihnen das Alte Theater Sontheim fünf Jahre, rund 500 Veranstaltungen haben Matthias und Simone Bulling seitdem organisiert, davon 80 Prozent Kulturveranstaltungen. Im Dezember waren fast alle ausverkauft. Andreas Sommer hat sich mit dem Ehepaar unterhalten.

Heilbronn - Im Februar gehört ihnen das Alte Theater Sontheim fünf Jahre, rund 500 Veranstaltungen haben Matthias und Simone Bulling seitdem organisiert, davon 80 Prozent Kulturveranstaltungen. Im Dezember waren fast alle ausverkauft. Andreas Sommer hat sich mit dem Ehepaar unterhalten.

Wie würden Sie einem Fremden das Alte Theater Sontheim beschreiben?

Matthias Bulling: Ein nicht subventioniertes Theater mit einem Crossover-Programm von Kabarett und Comedy über zeitgenössisches Theater und Lesungen bis hin zu Konzerten. Hier ist alles möglich.

Was bedeutet es für Sie persönlich?

Matthias Bulling: Der Traum, ein Haus künstlerisch zu leiten und mit Menschen in familiärer Atmosphäre zu tun zu haben. Simone Bulling: Wir können zusammenarbeiten, was ein Luxus ist.

Und für die Kultur in Heilbronn?

Simone Bulling: Es holt Formate nach Heilbronn, die es woanders nicht gibt. Zum Beispiel eine Vorpremiere von Rüdiger Hoffmann. Unser Publikum sieht das neue Programm als erstes, und das macht unser Haus zu etwas Besonderem. Das Alte Theater tut Heilbronn gut.

Was hat Sie bewogen, das Haus zu übernehmen und was fanden Sie vor?

Matthias Bulling: Ich war noch in Wien und habe ein Haus gesucht, in dem alles möglich sein sollte. Als ich erfuhr, das das Alte Theater zum Verkauf steht, war klar: Das muss es sein. Ein schöneres, regional verwurzeltes Haus finden wir nirgendwo sonst. Simone Bulling: Wir haben den Schwerpunkt weg vom Varieté auf Kabarett und Theater gelegt und die Gastronomie reduziert, weil wir keine Gastronomen sind. Nur bei der Hälfte unseres Programms gibt es ein gastronomisches Angebot. Man kann Ticket und Menü zusammen buchen, muss es aber nicht.

Was war anfangs Ihr Hauptproblem?

Matthias Bulling: Dass wir das Haus nach einer Insolvenz übernommen haben. Wir konnten offene Gutscheine nicht einlösen und bekamen den Frust von Lieferanten ab, die uns zunächst nicht beliefern wollten. Auch Agenturen wollten mit dem Haus nichts mehr zu tun haben. Wir mussten erst zeigen, dass wir verlässlich sind. Und das Publikum von unserem breiteren Programmspektrum überzeugen.

Wie ist die Profilierung gelungen?

Matthias Bulling: Wir mussten eine künstlerische Neuausrichtung wagen mit berühmten Namen, außergewöhnlichen Programmen und Vorpremieren. Georg Kreisler, Dieter Hildebrandt, Werner Schneyder oder Pierre Brice sind Persönlichkeiten, über bei Publikum und Medien sprechen. Für Formate, die unsere Kapazität übersteigen, haben wir im Redblue-Team einen guten Kooperationspartner gefunden.

Wer ist Ihr Publikum?

Matthias Bulling: Zum bestehenden ist ein heterogenes Stammpublikum zwischen 16 und 80 gekommen, das den Familienbetrieb mit persönlicher Begrüßung und Verabschiedung schätzt. Das Einzugsgebiet liegt bei 100 Kilometern.

Warum kommen Stars wie Dieter Hildebrandt in Ihr kleines Haus?

Matthias Bulling: Durch den persönlichen Kontakt. Wer einmal da war, fühlt sich wohl und kommt gerne wieder. Wir haben ein tolles Mitarbeiterteam. An der Künstlerbetreuung nimmt die ganze Familie teil. Meine Mutter verkauft Tickets, mein Vater plakatiert.

Ihr größter Erfolg?

Matthias Bulling: Dass es uns noch gibt. Das ist in diesen Zeiten ja nicht selbstverständlich.

Wen würden Sie gerne engagieren?

Matthias Bulling: Loriot wäre unser Traum, aber das wird er wohl auch bleiben. Und ein Abend mit Jopi Heesters. Aber Simone sagt, das kommt nicht in Frage.

Was wünschen Sie sich?

Matthias Bulling: Dass wir das Haus konzeptionell gut aufstellen und unserem Publikum dauerhaft ein guter Partner sind. Simone Bulling: Etwas mehr Privatleben wäre auch kein Fehler.