Balladen zwischen Rock und Blues

Mosbach - Fotos von Gary Moore? Ja, aber nur vom Bühnengraben aus und nur beim zweiten Song. Bitte beim dortigen Ordner melden! Was muss das für ein Lied sein, bei dem allein sich der Meister fotografieren zu lassen geruht?

Von Martin Nied

Balladen zwischen Rock und Blues
Einer der großen Gitarristen: Gary Moore aus Belfast beim Open-Air-Konzert im Elztalpark in Mosbach.Foto: Martin Nied

Mosbach - Fotos von Gary Moore? Ja, aber nur vom Bühnengraben aus und nur beim zweiten Song. Bitte beim dortigen Ordner melden! Was muss das für ein Lied sein, bei dem allein sich der Meister fotografieren zu lassen geruht?

Das zweite Stück heißt „Bad For You Baby“ und ist gleichzeitig auch der Titelsong seiner neuesten CD. Die hat Moore am Freitagabend im Mosbacher Elztalpark vorgestellt. Bei bestem Openair-Wetter haben sich dort rund 1500 Fans eingefunden, die den Ausnahmegitarristen unbedingt live erleben wollen.

Munterer Nachwuchs

Doch bis zu dessen Auftritt bleibt noch Zeit. Denn zuvor zeigen die Hohenloher Formation Float sowie Henrik Freischlader mit Band, dass auch der Nachwuchs nicht nur die Tonleiter spielen kann. Die nächste Generation hat die Startlöcher längst verlassen und ist mitten auf dem Weg, das Erbe von Rock- und Bluesgrößen wie eben Gary Moore anzutreten. Doch nach zweieinhalb Stunden ist es dann soweit: Moore betritt die Bühne und lässt es erst einmal recht rockig angehen.

Auch besagtes zweites Stück erinnert mehr an den Rock'n'Roll denn an den Blues. Erst mit der Zeit und nach einigen aufwühlenden Gitarrensoli läuft Moore zu jener Form auf, die seine Fans an ihm so schätzen: seiner Balladenform, genau das Richtige für eine schwüle Sommernacht. Die ist zwar inzwischen an der Elz ganz schön kühl geworden. Doch Moores Balladen gleichen den Temperaturunterschied locker aus, entführen die Fans geschwind in den US-amerikanischen Süden, wo die Baumwolle reift und die Zikaden zirpen.

Dabei kommt Moore überhaupt nicht vom Blues. Er wirkte in diversen Rockformationen mit unter anderem bei Ozzy Osbourne. Erst 1990 wechselt Moore zum Blues, spielt beispielsweise mit B. B. King.. Doch Gary Moore entwickelt schnell seinen eigenen Bluesstil. Der hat, wie könnte es anders sein, viel mit seiner Geschichte als Rockgitarrist zu tun.

Auch im Elztalpark spricht er klar die Sprache des Blues, doch der Dialekt, der stets mitschwingt, kommt eindeutig aus dem Rock. Nur auf „Still Got The Blues“, die Bluesballade schlechthin, warten die Fans vergebens. Nicht, dass sie der Nordire vergessen hätte. Im vergangenen Jahr hat Moore in München einen Prozess verloren, in dem es um seinen (?) erfolgreichsten Hit ging. Die Richter gaben einem Kläger Recht, der auf Ähnlichkeiten ganzer Passagen mit seiner eigenen, älteren Komposition hingewiesen hatte.

Tantiemen für den Welthit

Würde Moore diesen Hit, der ihn an die Weltelite der Bluesmusiker katapultiert hatte, heute spielen, müsste er dafür Tantiemen an den Mitverfasser bezahlen. Dass Gary Moor das Publikum auch ohne seinen größten Hit unterhalten kann, beweist er in Mosbach. Die Fans kommen in Stimmung, klatschen mit und gehen nach anderthalb Stunden zufrieden nach Hause.

Obwohl - ein bisschen länger hätte er schon spielen können.


Kommentar hinzufügen