Alix Dudel: Grande Dame mit Charme und Biss

Sie ist eine Meisterin der Überraschung. Wenn sie ins Wasser geht, ist es die geliebte Badewanne, wenn sie von ihrer neuen Waschmaschine erzählt, kommt es ganz anders als man denkt. Und es ist immer unterhaltsam

Von Uwe Deecke

Heilbronn - Sie ist eine Meisterin der Überraschung. Wenn sie ins Wasser geht, ist es die geliebte Badewanne, wenn sie von ihrer neuen Waschmaschine erzählt, kommt es ganz anders als man denkt. Und es ist immer unterhaltsam. Dass Alix Dudel einmal Nachrichtensprecherin war, hätte man nicht gedacht. Wie sie im voll besetzten Kulturkeller die Diva gibt, mal prätentiös, mal impertinent, aber immer charmant und gut gelaunt, das hat nun gar nichts von trocken verlesenen Schlagzeilen.

Rabenschwarz Eine glamourös gekleidete Dame betritt da die Bühne, die schon vieles erlebt hat und davon ein Lied singen kann. „Tage hängen wie Trauerweiden“ von Hildegard Knef etwa, das sie wunderbar intoniert, oder rabenschwarze Lieder von Georg Kreisler, die sie mit einem liebenswerten Lächeln präsentiert. Dann setzt sie sich zum Publikum und erzählt einfach drauf los.

Von ihrer neuen Waschmaschine, die sich selbstständig macht und einen wirklich aufregenden Schleudergang bietet. Oder dem jungen Lover ihrer Freundin, der eigentlich ein Callboy ist und für den sie ihr Haushaltsgeld klammheimlich zurücklegt. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Unmögliche Männer Doch gerade wenn die Erotik knistert, kommt die überraschende Wendung. Es geht dann um Raben, denen sie nach dem Tod ein schönes Mahl spendiert, um Enthüllungen einer Striptease-Tänzerin und überhaupt um die unvermeidlichen und oft unmöglichen Männer. Das Leiden gehört für sie dazu, doch sie träumt gerne weiter.

Alix Dudel präsentiert sich in einer Wandlungsfähigkeit, die ihresgleichen sucht. Mal ist sie die Grande Dame, mal das verruchte Luder, mal die versonnene Philosophin, und man nimmt ihr alles ab. Mit weicher Stimme lässt sie Greta Garbo oder Marlene Dietrich wieder auferstehen, um anschließend wieder eines dieser bissig-hintersinnigen Gedichte vorzutragen, die anders enden als man denkt.

Nach fast zwei Stunden eine überraschende Zugabe: Alix Dudel zwängt sich in „Darf ich mal durch?“ durch die Zuschauerreihen. Doch sie kam einem auch sonst wirklich nah.